. Essstörungen

Ess-Sucht nicht mit Stoffen in der Nahrung erklärbar

Ist in Chips oder Schokolade ein Stoff, der süchtig macht? Nein, haben Wissenschaftler im Rahmen des EU-Projekts NeuroFAST herausgefunden. Wenn Essen zur Sucht wird, liegt das an uns selber.
Ess-Sucht nicht mit Stoffen in der Nahrung erklärbar

Das Argument, in Chips und anderem Junkfood seien süchtigmachende Stoffe, mussten Forscher jetzt entkräften

Die Suche nach dem Schuldigen in der Nahrung verlief ergebnislos. Ein internationales Team aus Ernährungswissenschaftlern, Verhaltensbiologen sowie Kinder- und Jugendpsychiatern hatte herausfinden wollen, ob vielleicht Nahrungsbestandteile für die Ess-Sucht verantwortlich sein könnten. Aber die Forscher müssen enttäuschen. „Es gibt keinen einzelnen, gut identifizierbaren Süchtigmacher in der Nahrung, etwa Zucker und Fett“, sagt Projektmitarbeiter Dr. Özgür Albayrak von der Universität Duisburg-Essen. „Deshalb ist krankhaftes Essen auch nicht mit der Alkohol- oder Nikotinsucht zu vergleichen. Entscheidend ist aus unserer Sicht das Essverhalten.“

Psychologische Faktoren führen zur Ess-Sucht

Schade eigentlich, denn hätte man einen Süchtigmacher gefunden, wäre es viel einfacher auf entsprechende Nahrungsmittel zu verzichten. Die Wissenschaftler vermuten vielmehr, dass Psychologische Faktoren, die die Nahrungsaufnahme steuern, maßgeblich dafür verantwortlich sind, wenn das Essen zur Sucht wird. Doch hierbei tappen sie noch ziemlich im Dunklen. „Bislang fehlen wissenschaftlich fundierte psychiatrische Kriterien, mit der sich diese verhaltensbezogene Sucht charakterisieren lässt“, erläutert Prof. Dr. Johannes Hebebrand von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am LVR Klinikum. „Wenn wir genauer verstehen würden, wie industriell gefertigte Nahrungsmittel, psychologische Faktoren und psychiatrische Begleiterkrankungen zur Suchtausbildung führen, könnten wir betroffenen Menschen noch gezielter helfen”.

 

In jahrelanger Forschungsarbeit keinen Süchtigmacher gefunden

In der Studie hatten die Wissenschaftler aus Essen zusammen mit Kollegen der Universitäten Edinburgh, Aberdeen, Göteborg, Utrecht und Santiago de Compostela die Zusammenhänge zwischen Stress, Sucht und Essverhalten untersucht. Die Ergebnisse ihrer jahrelangen Forschungsarbeit unter dem Dach des EU-Projekts NeuroFAST sind soeben in der Fachzeitschrift Neuroscience & Biobehavioral Reviews erschienen.

Foto: © olly - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Essstörungen , Übergewicht , Psychische Krankheiten
 

Weitere Nachrichten zum Thema Essstörungen

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
„Gesunde Architektur“ wird immer mehr zum Thema. Das gilt auch für Krankenhäuser. Wie sich Farbe und Licht auf Patienten und Personal von Intensivstationen auswirken können, hat kürzlich das Helios Universitätsklinikum Wuppertal in Kooperation mit der Bergischen Universität Wuppertal untersucht – mit interessanten Ergebnissen.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.
Das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners hat in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt. Die giftigen Brennhaare der Raupen können aber auch sprichwörtlich ins Auge gehen. Am Universitätsklinikum Münster mussten diese Woche sechs Menschen am Auge operiert werden. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet, was vorgefallen ist.