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20.11.2017

Erstklässler sportlicher als gedacht

Zu dick, zu wenig Bewegung: Über Deutschlands Nachwuchs wird nicht viel Gutes berichtet. Eine Langzeit-Studie der TU München zeigt jetzt zumindest, dass sich die Sportlichkeit von Erstklässlern in den letzten zehn Jahren nicht verschlechtert hat. In einigen Bereichen sind die Kinder sogar besser geworden.
Erstklässler so sportlich wie früher? Auf die Region Baden-Baden trifft das zu

Erstklässler so sportlich wie früher? Auf die Region Baden-Baden trifft das zu

Deutschlands Erstklässler sind fitter als gedacht. Sie sind genauso kraftvoll wie vor zehn Jahren, in Sachen Schnelligkeit und Gleichgewichtsfähigkeit sind sie sogar besser geworden. Lediglich bei der Ausdauer haben sich die Leistungen verschlechtert, allerdings nur bei den Jungs. Mädchen haben an ihrem Ausdauervermögen indes nichts eingebüßt. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Langzeit-Studie der TU München, in der jährliche Fitnesstests von insgesamt 5.000 Erstklässlern aus dem Raum Baden-Baden ausgewertet wurden. Die Daten wurden zwischen 2006 und 2015 erhoben und sind für die Region repräsentativ. Untersucht wurden Ausdauerleistung (6-Minuten-Lauf), Kraft (Liegestütze), Schnelligkeit (20-Meter-Sprint) und Gleichgewichtsfähigkeit (Balanceübung).

In der Summe keine Verschlechterung

„Entgegen des meist negativen Tenors bisheriger Studien konnten wir nachweisen, dass sich bei Erstklässlern mit Blick auf die sportmotorische Leistungsfähigkeit in den vergangenen zehn Jahren in Summe keine Verschlechterung ergeben hat“, erklärt Filip Mess, Professor für Sport- und Gesundheitsdidaktik an der Technischen Universität München (TUM). Bisherige Studien seien deshalb zu hinterfragen. Besonders an der nun vorliegenden Studie sei, dass sich alle 18 Grundschulen der Region daran beteiligt hätten und dass die Tests jährlich durchgeführt worden seien. Verzerrungen wie es bei Stichproben der Fall ist, sind dadurch ausgeschlossen.

Dennoch hat die Studie ein Manko: Der Raum Baden-Baden zählt zu den reichsten Regionen Deutschlands. Wie es um die sportmotorische Leistungsfähigkeit der Erstklässler im Ruhrpott oder in Bremen steht, geht daraus nicht hervor. Das räumt auch Studienleiter Mess ein. Die Untersuchung habe mit Blick auf die Langzeitschlüsse sicherlich eine höhere Aussagekraft als die bisherigen Forschungen. „Allerdings lassen sich die Daten nicht ohne Weiteres auf ganz Deutschland übertragen. Denn die eher wohlhabende und ländliche Region Baden-Baden unterscheidet sich möglicherweise von anderen Regionen Deutschlands“, so der Professor für Sport- und Gesundheitsdidaktik.

 

Kein Grund zur Entwarnung

Außerdem muss man wissen, dass die Studie die Leistungen der Kinder nicht bewertet.  „Sie sind halt nur nicht schlechter geworden“, meint Ko-Autorin Dr. Sarah Spengler von der TU München. Es sei wichtig die Sportlichkeit der Kinder im Blick zu behalten, damit aus Kindern gesunde Erwachsene würden.

Bewegungsmangel gilt als Risikofaktor für zahlreiche Erkrankungen. Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes Typ II stehen an erster Stelle. Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte in seinem im Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KIGGS) kürzlich herausgefunden, dass schon jeder zweite der 11 bis 17-jährigen an Rückenschmerzen leidet. Laut RKI ist das ein eindeutiges Indiz für Bewegungsmangel.

Foto: pixabay Freie kommerzielle Nutzung

Autor: ham
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