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Erstes Medikament gegen Erdnussallergie zugelassen

Donnerstag, 7. Januar 2021 – Autor:
Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat jetzt das erste Medikament gegen Erdnussallergie zugelassen. Palforzia enthält Erdnuss-Pulver und ist gedacht für Kinder zwischen 4 und 17 Jahren.
Erdnüsse

Im Mai 2021 kommt ein Medikament gegen Erdnuss-Allergie auf den Markt – Foto: ©Jiri Hera - stock.adobe.com

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat jetzt das erste Medikament gegen Erdnussallergie zugelassen. Palforzia enthält Erdnuss-Pulver und ist gedacht für Kinder zwischen 4 und 17 Jahren. Es wirkt wie eine orale Immuntherapie (Desensibilisierung). Generell sollte während der Einnahme aber der Konsum von Erdnüssen vermieden werden.

Das Pulver ist in Kapseln enthalten, die werden geöffnet und der Inhalt in Fruchtmus, Joghurt oder Pudding gerührt. Die erste Behandlungsphase findet unter ärztliche Überwachung in der Klink statt, wo der Patient an einem Tag steigende Dosen des Erdnuss-Pulvers erhält.

Steigende Dosen des Erdnusspulvers

In der zweiten Phase nimmt der Patient alle zwei Wochen steigende Dosen zu Hause ein. Für die ersten beiden Behandlungsphasen sind insgesamt 22 Wochen geplant. Wenn der Patient die Behandlung toleriert, erhält er in der dritten Phase eine tägliche Erhaltungsdosis.

Die Behandlung sollte von einem Allergologen durchgeführt werden. Da es in der ersten Phase zu schweren allergischen Reaktionen kommen kann, muss er vor Ort schnell darauf reagieren können. Patienten sollten außerdem während der gesamten Behandlung immer einen Adrenalin-Pen bei sich führen.

 

Toleranz oder nur milde allergische Symptome

Palforzia hilft durch den Effekt der Densensibilisierung, dass der Kontakt mit Erdnüssen besser vertragen wird. Es hilft nicht gegen die Symptome einer allergischen Reaktion. In zwei randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studien mit 671 Patienten (4 bis 17 Jahre) tolerierten viele Probanden kleine Mengen an Erdnüssen oder reagierten nur mit milden Symptomen darauf.

In der einen Studie konnten 50 Prozent der behandelten Patienten 1 mg Erdnussprotein vertragen oder reagierten nur mit milden Symptomen. In der Placebo-Gruppe waren es nur 2 Prozent. In der zweiten Gruppe konnten 58 Prozent der behandelten Patienten 1 mg vertragen oder reagierten nur mit milden Symptomen, in der Placebo-Gruppe waren es nur 2 Prozent.

Nebenwirkungen: Bauschmerzen, Rachenirritationen

Zu den Nebenwirkungen, die bei mehr als 20 Prozent der Probanden auftraten, zählten  Bauchschmerzen, Reizungen in Rachen und Mund,  Juckreiz, Übelkeit, Erbrechen und Nesselsucht. Die Symptome verschwanden jedoch auch rasch wieder.

Palforzia sollte nicht eingenommen werden von Patienten, die an schwerem oder unkontrolliertem Asthma oder der Mastzellenkrankheit leiden. Auch ist die Einnahme kontraindiziert, wenn es in den letzten zwei Monaten zuvor eine schwere allergische Reaktion gab.

Erstes Medikament gegen Erdnussallergie zugelassen

In Europa leiden etwa 1,6 Prozent aller Kinder an einer Erdnussallergie. Der Hersteller Aimmune will das erste Medikament gegen Erdnussallergie, das in der EU zugelassen wurde, im Mai 2021 auf den deutschen Markt bringen. Werden die Patienten erwachsen, können sie in Absprache mit dem Arzt überlegen, das Präparat weiter einzunehmen. An den Studien hatten auch Erwachsene bis 55 Jahren teilgenommen, bei denen das Präparat ebenso gut wirkte.

Foto: Adobe Stock/Jiri Hera

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