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Erster Fall von Affenpocken in Berlin

Samstag, 21. Mai 2022 – Autor:
Seit Anfang Mai haben sich in mehreren Ländern Europas Menschen mit dem Affenpockenvirus angesteckt. Am Donnerstag wurde in München die erste Infektion in Deutschland bestätigt. Nur zwei Tage später gibt es jetzt den ersten Fall in Berlin.
Affenpockenviren, mikroskopische Aufnahme.

Affenpocken: Der Erreger wurde erstmals 1958 in einem dänischen Labor bei Affen nachgewiesen – daher der Name. – Foto: RKI/Andrea Männel

Nur zwei Tage nach Bekanntwerden des ersten Falls von Affenpocken in Deutschland gibt es jetzt auch den ersten Fall in der Hauptstadt. Einem Bericht der Berliner Zeitung vom Samstag zufolge wurde ein Mann Mitte 50 in einer infektiologischen Schwerpunkpraxis im Stadtteil Schöneberg positiv auf das Affenpockenvirus getestet. Bei einer Untersuchung zuvor seien zwei kleine Pocken aufgefallen, berichtete der behandelnde Arzt. Den ersten Fall von Affenpocken deutschlandweit hatte das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München am Donnerstag bestätigt. Im Lauf des Samstags bestätigten die Berliner Gesundheitsbehörden nach einer Meldung von tagesschau.de einen weiteren Fall in Berlin. Der rbb hatte zuvor von drei Fällen berichtet.

RKI bestätigt positiven Befund am Freitagabend

Die bei Patient eins in Berlin genommenen Proben wurden dem Bericht zufolge ans Robert-Koch-Institut (RKI) geschickt und mittels PCR-Tests untersucht. Der positive Befund wurde demnach vom RKI am Freitagabend gegenüber dem Arzt mündlich bestätigt. Der Patient sei nicht im Krankenhaus, werde von ihm engmaschig betreut und es gehe ihm den Umständen entsprechend „okay“, sagte der behandelnde Arzt Heiko Jessen der Berliner Zeitung.

 

Lauterbach: „Gehe nicht von hoher Dunkelziffer aus“

Seit Anfang Mai wurden in mehreren europäischen Ländern Fälle von Affenpocken registriert –  zuerst in Großbritannien, später in Spanien und Italien. „Es war nur eine Frage der Zeit, bis Affenpocken auch in Deutschland nachgewiesen werden", sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. Dadurch, dass es bereits Meldungen aus anderen Ländern gab, seien Ärzte und Patienten in Deutschland schon sensibilisiert. Er gehe nicht von einer hohen Dunkelziffer aus, sagte der SPD-Politiker.

Die Berliner Gesundheitssenatorin Ulrike Gote teilte mit, es bestehe kein Grund zur Panik, aber Grund zur Vorsicht, da viele wissenschaftliche Erkenntnisse über die Krankheit noch vorläufig seien. „Expertinnen und Experten gehen jedoch davon aus, dass wir keine neue Pandemie fürchten müssen. Wir müssen jetzt aber schnell und konsequent handeln, um Infektionsfälle zu erkennen und einzudämmen", sagte die Grünen-Politikerin.

Affenpocken: WHO erwartet weitere Ausbreitung in Europa

Der mit dem aktuellen Berliner Fall betraute Arzt geht davon aus, dass die Infektion seines Patienten nicht die einzige in Berlin bleiben wird. Schon in der kommenden Woche erwarte er einen Anstieg der Infektionszahlen in der Stadt, sagte der Mediziner der „Berliner Zeitung“. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor einer Ausbreitung des Virus in Europa. Zugleich gehen Gesundheitsexperten im Zusammenhang mit dem Affenpockenvirus nicht von einer pandemieähnlichen Bedrohung aus, die dem Coronavirus vergleichbar wäre.

Wie werden Affenpocken übertragen?

Normalerweise treten Infektionen mit Affenpocken bei Menschen auf, die sich in West- oder Zentralafrika aufgehalten haben. Vor allem in Nigeria werden seit 2017 vermehrt Infektionen nachgewiesen. Experten zufolge wird die Krankheit meist von infizierten Nagetieren auf den Menschen übertragen. Die Übertragung von Mensch zu Mensch ist selten und ist nur durch sehr engen Kontakt mit einer an Affenpocken erkrankten Person möglich – wie beim Sex. Offenbar kann eine Infektion auch durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder Schorf von Infizierten auftreten. Dass die Krankheit zum Tode führt, ist selten – aber möglich.

Berliner Patient war nicht verreist – nur im Club

Vor wenigen Tagen wurden in Großbritannien vier neue Fälle von Affenpocken registriert: Bei allen Fällen handelte es sich um Männer, die sexuellen Kontakt mit Männern hatten. Die britische Gesundheitsbehörde (UKHSA) forderte deshalb insbesondere schwule und bisexuelle Männer auf, auf ungewöhnliche Hautausschläge oder Wunden zu achten und sich im Verdachtsfall unverzüglich in ärztliche Behandlung zu begeben.

Der 26-jährige Patient Nummer eins aus München hatte sich vor Bekanntwerden der Infektion in Portugal und Spanien aufgehalten und das Virus mutmaßlich von dieser Reise mitgebracht. Der Patient aus Berlin dagegen hatte die Stadt laut Zeitungsbericht in jüngster Zeit nicht verlassen. Sein Arzt vermutet, dass er sich vor wenigen Tagen bei einem Club-Besuch infiziert haben könnte.

Typische Erstsymptome von Affenpocken

Die Inkubationszeit – also die Zeitspanne zwischen Infektion und dem Ausbruch der Krankheit – beträgt bei Affenpocken zwischen 7 und 21 Tagen. Die Krankheit verursacht meist nur milde Symptome. Die meisten Patienten erholen sich innerhalb mehrerer Wochen davon.

Eine beginnende Erkrankung ist an folgenden Erstsymptomen erkannbar:

  • Fieber
  • Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen
  • geschwollene Lymphknoten.

Zweites Stadium: Fleckenartige Ausblühungen auf der Haut

Einige Tage nach dem Auftreten von Fieber entwickeln sich fleckenartige Ausblühungen auf der Haut (Fachsprachlich: Haut-Effloreszenzen), die verschiedene Stadien durchlaufen und am Ende verkrusten und abfallen. Die Fleckenbildung beginnt häufig im Gesicht und breitet sich dann auf andere Körperteile aus. Insbesondere bei einigen aktuell (Mai 2022) gemeldeten Fällen wurde auch ein Beginn der Effloreszenzen im Bereich der Harn- und Geschlechtsorgane berichtet.

Hauptkategorie: Medizin
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