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Erste Onlineberatung für pflegende Jugendliche gestartet

Die Pflege von Angehörigen ist eine große Herausforderung. Erst recht für Kinder und Jugendliche. Ihnen bietet nun ein spezielles Onlineangebot Information, Austausch und Beratung.
Onlineberatung für pflegende Jugendliche Berlin

Startschuss zur Onlineberatung für pflegende Jugendliche: Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kolat und "Pflege in Not"-Leiterin Gabriele Tammen-Parr.

Mehr als 200.000 Kinder und Jugendliche sind in Deutschland in die Pflege von Angehörigen einbezogen. Die tägliche Unterstützung für Geschwister mit Behinderungen, Eltern mit chronischen Erkrankungen oder dauerhaften Einschränkungen sind eine Herausforderung für junge Menschen.

Der epileptische Anfall der kleinen Schwester kann eine Elfjährige zutiefst erschrecken, weil sie nicht weiß, worum es sich handelt. Die Pflege der 47-jährigen Mutter nach einem Schlaganfall kann dazu führen, dass der 14-jährige Sohn in der Schule nicht mehr mitkommt. Pflegende Jugendliche helfen bei der Körper- und Intimpflege, reichen Essen an, erledigen Haushaltsarbeiten und leisten emotionale Unterstützung. Zeit für Treffen mit Freunden und eigene Hobbys bleibt dabei kaum. Doch ihre eigenen Sorgen und Nöte stellen pflegende Jugendliche meist hintenan, damit es der Familie gut geht. Dass sie sich Hilfe holen könnten, wissen viele nicht.

Bundesweit einmaliges Angebot für pflegende Jugendliche

„Diese Kinder und Jugendlichen brauchen Hilfe“, sagte die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) beim offiziellen Startschuss der neuen Onlineberatung. Zweierlei Hilfe hält sie für nötig: Zum einen müsse mehr Bewusstsein für die Probleme der Minderjährigen mit Pflegeverantwortung in der Öffentlichkeit geschaffen werden. Zum zweiten bräuchten die Betroffenen konkrete Unterstützung. Mit dem neuen Onlineangebot sei Berlin bundesweit Vorreiter. „In keiner anderen Kommune gibt es vergleichbare Angebote für pflegende Kinder und Jugendliche.

Das Onlineportal echt-unersetzlich.de soll die Minderjährigen dort abholen, wo sie sich am ehesten aufhalten: im Internet. „Das Internet ist das meistgenutzte Medium dieser Gruppe“, sagte Benjamin Salzmann, Projektleiter bei der Berliner Beratungsstelle Pflege in Not, bei der das Hilfsangebot angesiedelt wird. Die Onlineberatung erfolgt nach einer Registrierung in einem passwortgeschützten Bereich auf Wunsch anonym. Der Datenschutz ist den Angaben zufolge gewährleistet. „Die Jugendlichen entscheiden selbst, welche Informationen sie von sich preisgeben“, sagt Salzmann. Antwort auf ihre Anfragen sollen die Jugendlichen innerhalb weniger Stunden erhalten.

 

Beratung, Information und Austausch für pflegende Jugendliche

Zusätzlich zu der persönlichen Online-Beratung will das Portal auch über allgemeine Hilfen informieren. So soll es nicht nur praktische, finanzielle und organisatorische Unterstützungsmöglichkeiten zeigen, sondern auch Fragen beantworten wie etwa: „Wie kann ich mit der Einsamkeit umgehen? Wie kann ich es schaffen, trotz allem noch Freunde zu treffen? Außerdem will das Portal den Austausch Betroffener ermöglichen. Dazu setzt es nicht nur aufs Internet, sondern auch auf Gruppentreffen im echten Leben. So ist für Mitte Oktober ein Theaterworkshop geplant. Das Angebot wird evaluiert.

Foto: SenGPG

Hauptkategorie: Berlin
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