. Tödliche Manipulationen

Erste Festnahme im Göttinger Organspendeskandal

Seit Freitag sitzt der ehemalige leitende Transplantationschirurg der Universitätsklinik Göttingen in U-Haft. Dem Mediziner wird versuchter Totschlag vorgeworfen, weil er Patientendaten auf der Vergabeliste für Spenderorgane manipuliert haben soll.
Erste Festnahme im Göttinger Organspendeskandal

Göttinger Transplantionschirurg wegen fahrlässiger Tötung in U-Haft

Der Haftbefehl gegen den Transplantationsmediziner ist ein eindeutiges Signal: Die Manipulation von Patientendaten bei der Vergabe von Organen ist kein Kavaliersdelikt. Rund ein halbes Jahr nach der Aufdeckung des Organspende-Skandals an der Universitätsklinik Göttingen hat das Amtsgericht Braunschweig am 11. Januar Haftbefehl gegen den früheren leitenden Transplantationsmediziner der Göttinger Universitätsmedizin erlassen. Nun sitzt der 45-Jährige in U-Haft. Laut Staatsanwaltschaft besteht gegen den Chirurgen der dringende Tatverdacht des versuchten Totschlags in neun Fällen sowie in jeweils einem Fall der Verdacht der schweren Körperverletzung und der Körperverletzung mit Todesfolge.

Bei Verurteilung drohen dem Arzt drei Jahre Haft

Der Mediziner soll auch am Uni-Klinikum Regensburg Manipulationen begangen haben. Sollte der Mediziner verurteilt werden, droht ihm eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren. Bisher hatte der Arzt die Vorwürfe bestritten.

In neun Fällen soll der Mediziner bewusst falsche Patientendaten an die zentrale Vergabestelle von Spenderorganen, "Eurotransplant", gegeben haben. Der Arzt hatte angegeben, die fraglichen Patienten sein Dialyse-pflichtig, was nicht stimmte. Dadurch seien die Patienten auf der Warteliste so weit nach oben gerückt, dass ihnen in kürzester Zeit ein Spenderorgan transplantiert worden sei, argumentiert die Staatsanwaltschaft. Aufgrund dieser Falschangaben hätten schwerstkranke Patienten kein Spenderorgan bekommen und seien möglicherweise deshalb verstorben. Der Mediziner soll diesen Umstand zumindest billigend in Kauf genommen haben.

Weiter wird dem Chirurgen vorgeworfen, an einer Patientin eine nicht erforderliche Lebertransplantation vorgenommen zu haben. Nach der Transplantation habe sich der Gesundheitszustand der Patientin aufgrund von bekannten Vorerkrankungen drastisch verschlechtert und sie starb. Der Arzt habe gewusst, dass die Transplantation nicht erforderlich und mit erheblichen Risiken verbunden gewesen sei, so die Staatsanwaltschaft. Ähnliche Vorwürfe erhebt die Staatsanwaltschaft in einem weiteren Fall.

Organspendeskandal nicht nur in Göttingen

Insgesamt geht es in Göttingen um Manipulationen bei 23 Patienten. In den genannten elf Fällen gebe es aber bereits "eindeutig einen dringenden Tatverdacht", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Es sei auszuschließen, dass die Vorgänge stattgefunden hätten, ohne dass der Arzt davon Kenntnis hatte.

Der Organspendeskandal in Göttingen war im Sommer vergangenen Jahres aufgedeckt worden. Seither waren ähnliche Manipulationsfälle auch in München, Regensburg und Leipzig ans Licht gekommen. Mittlerweile laufen externe Überprüfungen in allen 47 deutschen Transplantationszentren.

Die Organspende-Skandale haben zu einem dramatischen Einbruch der Spendenbereitschaft in Deutschland geführt. Neuesten Zahlen zufolge sanken die Organspenden 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 12,8 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 2002.

Foto: © horizont21 - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

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