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29.09.2019, aktualisiert: 25.10.2019

Erste durch Mücken übertragene Infektion und Erkrankung am West-Nil-Virus in Deutschland

Erstmals ist eine in Deutschland durch Mücken übertragene Infektion mit dem West-Nil-Virus bekannt geworden: Der Patient aus Sachsen war an einer Gehirnentzündung erkrankt. Nun wurde das Virus auch bei zwei Patienten aus Sachsen-Anhalt und Berlin nachgewiesen.
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Stechmücken übertragen das West-Nil-Virus

Erstmals ist eine in Deutschland durch Mücken übertragene Infektion und Erkrankung mit dem West-Nil-Virus bekannt geworden: Der Patient aus Sachsen war an einer Gehirnentzündung erkrankt, wurde im Klinikum St. Georg in Leipzig behandelt und ist inzwischen wieder genesen. Das Nationale Referenzzentrum für tropische Infektionserreger am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) wies eine Infektion mit dem West-Nil-Virus nach.

Nun wurden zwei weitere Fälle bekannt: Zwei Frauen aus Wittenberg (Sachsen-Anhalt) beziehungsweise Berlin waren im Spätsommer erkrankt. Das BNITM wies bei ihnen ebenfalls das Virus nach. Das meldet die Agentur dpa. "In den kommenden Sommern müssen wir mit weiteren West-Nil-Virus-Infektionen rechnen", sagt Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts.

Pferde und Menschen durch Mückenstiche infiziert

West-Nil-Viren stammen ursprünglich aus Afrika. Die Erreger werden von Stechmücken zwischen Vögeln übertragen, aber auch Säugetiere (vor allem Pferde) und Menschen können durch Mückenstiche infiziert werden. Übertragungen sind auch durch Bluttransfusionen möglich. Durch Zugvögel und Stechmücken ist das Virus in nördlichere Regionen gelangt und kann dort während der Mückensaison verbreitet werden.

"Offenbar haben die durch den Klimawandel bedingten ungewöhnlich warmen Sommer der letzten beiden Jahre dazu beigetragen, dass sich WNV nördlich der Alpen etabliert hat", sagt Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Virusdiagnostik am BNITM. Das West-Nil-Virus wird von heimischen Stechmücken der Gattung Culex übertragen. 

 

Infektionen zu 80 Prozent ohne Symptome

Infektionen beim Menschen verlaufen zu 80 Prozent ohne Symptome, bei knapp 20 Prozent mit meist milder und unspezifischer Symptomatik wie Fieber oder Hautausschlag. Nur bei unter 1 Prozent aller Betroffenen - in der Regel bei Älteren mit Vorerkrankungen - kommt es zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) oder seltener zu einer Entzündung des Gehirns (Enzephalitis), die tödlich enden kann.

Impfstoffe oder eine spezifische Therapie für Menschen gibt es bislang nicht. Infektionen lassen sich durch persönlichen Mückenschutz vorbeugen.

Blutspenden auf Virus untersucht

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Ausbrüche in Süd- und Zentraleuropa sowie Schwarzmeer-Anrainerstaaten. 2018 und 2019 haben Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) und des BNITM mehr als 70 an West-Nil-Virus verendete Wild- und Zoo-Vögel in Deutschland festgestellt. Besonders betroffen ist Ostdeutschland.

Das Robert Koch-Institut erforscht zusammen mit dem BNITM die Infektionshäufigkeit von WNV und Risikofaktoren in der Bevölkerung. Seit Juli 2019 beispielsweise werden in Regionen, in denen Tiere mit WNV gefunden wurden, systematisch Blutspenden auf die Viren untersucht. Bislang waren die mehr als 2.000 getesteten Spenden negativ. An der Studie sind auch mehrere überregionale Blutspendedienste beteiligt.

Erste Infektion und Erkrankung am West-Nil-Virus beim Menschen

Mit dem Fall aus Sachsen gab es nun in Deutschland die erste durch Mücken übertragene Infektion und Erkrankung am West-Nil-Virus. Die Infektion ist aber schon länger meldepflichtig.

Seit 2018 empfiehlt das RKI Ärzten in den betroffenen Regionen, Patienten mit Enzephalitiden unklarer Herkunft auf West-Nil-Viren untersuchen zu lassen. Auch bei vermehrtem Auftreten von Fiebererkrankungen mit und ohne Hautausschläge muss das Virus als Auslöser in Betracht gezogen werden. Die Labordiagnostik sollte möglichst ein Speziallabor übernehmen.

Foto: nechaevkon/fotolia.com

Autor: bab
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