Erdnussallergie: Immuntherapie schlägt bei drei von vier Kindern an

Eine Erdnussallergie lässt sich mit einer spezifischen „peanut“ Immuntherapie langfristig in den Griff kriegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Langzeitstudie mit Kindern. Die Ergebnisse machen Hoffnung auf Heilung.
Australische Studie zeigt: Kinder mit Erdnussallergie profitieren langfristig von Immuntherapie und Probiotika

Australische Studie zeigt: Kinder mit Erdnussallergie profitieren langfristig von Immuntherapie und Probiotika

Eine Erdnussallergie ist belastend. Schon kleinste Spuren in Lebensmitteln können heftige allergische Reaktionen provozieren. Die Symptome reichen von tränenden Augen über Ekzeme mit starkem Juckreiz, Asthmaanfälle und Bauchkrämpfe bis hin zum anaphylaktischen Schock. Schon Babys können betroffen sein.

Eine Hyposensibilisierung mit einer oralen „peanut Immuntherapie“ wird bei dieser Nahrungsmittelallergie bislang noch nicht in der Praxisroutine durchgeführt. Studienergebnisse deuten jedoch auf positive Effekte hin. Jedoch fehlten bislang Daten, wie lange so eine Behandlung überhaupt wirksam ist.

Kleine Studie aus Australien zeigt Langzeiteffekte

Diese Lücke hat nun eine randomisierte, doppelblinde, Studie aus Australien mit 62 Kindern teilweise geschlossen. Bei einem Großteil der teilnehmenden Kinder gelang es, durch die Gabe einer oralen Immuntherapie und Probiotika die allergische Immunantwort auf Erdnüsse dauerhaft zu unterdrücken. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Fachmagazin „The Lancet“ publiziert.

In der Studie wurde eine Kombinationstherapie aus oraler Immuntherapie gegen Erdnussallergie und Probiotika mit einem Placebo verglichen. Bei Probiotika handelt es sich um Milchsäurebakterien, die die natürliche Darmflora unterstützen und so die Toleranzentwicklung fördern und Reaktionen von Immunzellen günstig beeinflussen sollen.

31 Kinder im Alter von ein bis zehn Jahren mit Erdnussallergie bekamen für 18 Monate diese Behandlung probiotic and peanut oral immunotherapy“ kurz PPOIT. Die anderen 31 Kinder erhielten im gleichen Zeitraum ein Scheinmedikament (Placebo).

 

67 Prozent nach vier Jahren immer noch allergiefrei

Nach Auskunft der Autoren erwies sich die Immuntherapie plus Probiotika bereits wenige Wochen nach Therapieende als erfolgreich und überlegen gegenüber Placebo hinsichtlich der Wirksamkeit: Bei einem Großteil der Patienten gelang es, allergische Reaktionen zu unterdrücken.

Vier Jahre später waren aus der PPOIT-Gruppe noch 67 Prozent der Kinder allergiefrei geblieben. Diesen Effekt gab es in der Placebo-Gruppe nur bei einem einzigen Kind.

Die Allergiefreiheit wurde zum einen anhand von Fragebögen zum Konsum von Erdnüssen sowie möglichen Reaktionen darauf dokumentiert. Außerdem wurden die kleinen Studienteilnehmer mittels Pricktest und die Bestimmung spezifischer IgE-Antikörper untersucht. Ein Teil der Probanden machte außerdem einen oralen Provokationstest, der nach achtwöchigem Verzicht auf Erdnuss durchgeführt wurde.

Kritisieren lässt sich an der Studie die geringe Teilnehmerzahl (so waren  außerdem aus jeder Gruppe jeweils acht Kinder vorzeitig ausgeschieden) und dass nicht bei allen Kindern orale Provokationstests durchgeführt wurden. Trotzdem zeigen die Ergebnisse, dass es mithilfe der Immuntherapie möglich ist, langfristig allergische Reaktionen zu unterdrücken. Studien mit größeren Probandenzahlen und einem noch längeren Beobachtungszeitraum wären erforderlich, um definitiv von einer Heilung sprechen zu können. Heilung meint in diesem Fall eine immunologische Toleranz gegenüber Erdnuss.

Foto: Photographee.eu – fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Ernährung , Allergie , Nahrungsmittelallergie , Kinder
 

Weitere Nachrichten zum Thema Lebensmittel-Allergien

| Erdnussallergie ist heilbar – das zeigt eine australische Studie. Vier Jahre nach einer oralen Immuntherapie war die große Mehrzahl der behandelten Kinder nach wie vor tolerant gegenüber Erdnüssen.
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Lebensmittelallergien nehmen in den Industrieländern zu. Kinder sind stärker betroffen als Erwachsene. Bei Reaktionen auf Kuhmilch und Hühnerei kann die Allergie aber bis zum Schulalter wieder verschwinden, Allergien gegen Erdnüsse oder Fisch bleiben indes oft bestehen. Zum Tag der Lebensmittelallergien am 21. Juni sprachen wir mit Prof. Regina Treudler, Leiterin des Leipziger Interdisziplinären Centrums für Allergologie (LICA) am Universitätsklinikum Leipzig.
. Weitere Nachrichten
Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit wurde vor vielen Jahren als Rinderwahn bekannt. In den USA ist jetzt der Fall eines Mannes publik geworden, der an der extrem seltenen Erkrankung gestorben ist. Den Ärzten zufolge soll der Hobby-Jäger Eichhörnchen gegessen haben.
Mit einem neuen Bluttest lässt sich die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) rascher von anderen neurodegenerativen Erkrankungen unterscheiden und diagnostizieren. Zudem erlaubt er eine Prognose des Krankheitsverlaufs.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.