. Genetik

Erblicher Krebs bislang unterschätzt

Bislang sind nur wenige erbliche Krebserkrankungen gründlich erforscht. Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum vermuten jedoch, dass familiäre Komponenten bei nahezu allen Krebsformen eine Rolle spielen. Bloß kennt man noch nicht die entsprechenden Gene.
Nahezu jede Krebsart kann von Generation zu Generation weitergegeben werden. Besonders häufig kommt das bei Brustkrebs, Darmkrebs und Prostatakrebs vor

Nahezu jede Krebsart kann von Generation zu Generation weitergegeben werden. Besonders häufig kommt das bei Brustkrebs, Darmkrebs und Prostatakrebs vor

Krebs kann in der Familie liegen und von Generation zu Generation weitervererbt werden. Heute gelten rund zehn Prozent aller Krebserkrankungen als erblich bedingt. Gut erforscht ist das familiäre Erbe bei Brust- und Eierstockkrebs, bestimmten Formen von Magen- und Darmkrebs sowie von einigen selteneren Krebserkrankungen wie dem Retinoblastom. Bei diesen Tumorarten sind zugrundeliegende Genveränderungen bekannt. Bei den meisten anderen fehlt jedoch dieses Wissen, das heißt man kennt die erblichen Genmutationen (noch) nicht.

Dennoch vermuten Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum, dass familiäre Komponenten bei nahezu allen Krebsformen eine Rolle spielen. Anders als in England oder den Niederlanden, wo routinemäßig in die Familiengeschichte geschaut wird, interessiert sich in Deutschland jedoch kaum jemand dafür. „Nach meiner Einschätzung fragen viele Ärzte ihre Krebspatienten zu selten nach der Familiengeschichte“, sagte Kari Hemminki gegenüber dem DKFZ-Magazin „einblick“. An eine erbliche Krebsform werde eher gedacht, wenn es genetische Tests dafür gebe, wie etwa bei Brust- oder Darmkrebs.

In die Familiengeschichte schauen

Dabei zeigen Analysen aus der schwedischen Familien-Krebs-Datenbank, dass sich viele Krebserkrankungen in Familiengeschichten häufen. Auffällig oft ist das bei Brust-, Dickdarmkrebs und Prostatakrebs der Fall. Die Forscher vom DKFZ fanden aber bei fast allen Krebsformen Hinweise auf ein familiäres Risiko. Und das nicht nur, wenn die Eltern schon in jungen Jahren erkranken.

Hemminki und seine Kollegen hatten zum Beispiel festgestellt, dass schwedische Kinder, deren Eltern im Alter zwischen 70 und 79 Jahren Dickdarmkrebs bekommen, ein fast doppelt so hohes Risiko haben bis zum 60. Lebensjahr ebenfalls daran zu erkranken wie familiär unbelastete Kinder. Sogar wenn ein Elternteil erst im Alter von über 90 Jahren an Krebs erkrankt, ist das Risiko für die Kinder noch erhöht.

 

Erkrankungsalter kann, aber muss kein Hinweis auf erbliches Risiko sein

„Viele denken, dass es sich nur dann um ein familiäres Krebsrisiko handelt, wenn der Krebs in frühem Alter auftritt. Aber wir haben gezeigt, dass das Krebsrisiko von Kindern auch dann erhöht ist, wenn ein Elternteil erst im Alter von über 70 Jahren an Krebs erkrankt“, betonte Hemminki gegenüber dem DKFZ-Magazin.

Bisher gilt die Faustregel: Wenn erstgradig Verwandte, also Eltern, Kinder und Geschwister, vor dem 50. Lebensjahr an einem bestimmten Krebs erkranken und mehrere solcher Fälle im weiteren Familienkreis auftreten, ist die Wahrscheinlichkeit für erblichen Krebs gegeben. Erst wenn dann noch einige andere Kriterien erfüllt sind, zahlen die Krankenkassen überhaupt einen genetischen Test.

Die Erkenntnisse vom Deutschen Krebsforschungszentrum werfen nun ein neues Licht auf das erbliche Krebsrisiko. Das Erkrankungsalter spielt demnach eine viel geringere Rolle als bislang bekannt

Ein Blick in die Familiengeschichte kann sich in jedem Fall lohnen, auch weil der Einzelne damit besser Vorsorge betreiben kann. Tritt bei den Männern in der Familie zum Beispiel vermehrt Prostatakrebs auf, sollten Verwandte regelmäßig einen PSA-Test machen, rät Krebsforscher Hemminki. Dies gelte vor allem, wenn Angehörige schon früh erkrankten.

Foto: © VadimGuzhva - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krebs
 

Weitere Nachrichten zum Thema Erblicher Krebs

| Liegt eine Mutation an den Genen BRCA1 oder BRCA2 vor, beträgt das Risiko für Eierstockkrebs 60 Prozent, das für Brustkrebs sogar über 80 Prozent. Während sich betroffene Frauen zur Prophylaxe von Brustkrebs einer intensiven Früherkennung unterziehen können, gibt es zur Entfernung der Eierstöcke keine Alternative.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Pflegeheimen geht es besser als Krankenhäusern, aber ihre wirtschaftliche Lage hat sich zwischen 2015 und 2017 verschlechtert. Auch der Personalmangel ist exorbitant gestiegen. Das geht aus dem Pflegeheim Rating Report 2020 hervor.
Schwangere mit Aussicht auf Frühgeburt liegen oft in Kliniken, die Frühgeborene nicht nach dem Stand von Wissenschaft und Technik versorgen können. Mögliche Folge: Weiterverlegung per Hubschrauber oder Baby-Notarztwagen, Trennung von der Mutter – ein enormer Stress für einen kaum lebensfähigen Säugling. Wichtig deshalb: von vornherein ein „Frühchen-Zentrum“ mit entsprechender Kompetenz aussuchen.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin

Französische Friedrichstadtkirche (Französischer Dom) | Gendarmenmarkt 5 | 10117 Berlin (Mitte)

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Campus Charité Mitte, Charité Comprehensive Cancer Center, Invalidenstraße 80, 10115 Berlin, Barrierefreier Zugang über Virchowweg 23 auf dem Campusgelände Ebene 3 | Konferenzraum (Raum 03 001)
 
. Kliniken
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.