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16.06.2017

Erblicher Krebs bislang unterschätzt

Bislang sind nur wenige erbliche Krebserkrankungen gründlich erforscht. Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum vermuten jedoch, dass familiäre Komponenten bei nahezu allen Krebsformen eine Rolle spielen. Bloß kennt man noch nicht die entsprechenden Gene.
Nahezu jede Krebsart kann von Generation zu Generation weitergegeben werden. Besonders häufig kommt das bei Brustkrebs, Darmkrebs und Prostatakrebs vor

Nahezu jede Krebsart kann von Generation zu Generation weitergegeben werden. Besonders häufig kommt das bei Brustkrebs, Darmkrebs und Prostatakrebs vor

Krebs kann in der Familie liegen und von Generation zu Generation weitervererbt werden. Heute gelten rund zehn Prozent aller Krebserkrankungen als erblich bedingt. Gut erforscht ist das familiäre Erbe bei Brust- und Eierstockkrebs, bestimmten Formen von Magen- und Darmkrebs sowie von einigen selteneren Krebserkrankungen wie dem Retinoblastom. Bei diesen Tumorarten sind zugrundeliegende Genveränderungen bekannt. Bei den meisten anderen fehlt jedoch dieses Wissen, das heißt man kennt die erblichen Genmutationen (noch) nicht.

Dennoch vermuten Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum, dass familiäre Komponenten bei nahezu allen Krebsformen eine Rolle spielen. Anders als in England oder den Niederlanden, wo routinemäßig in die Familiengeschichte geschaut wird, interessiert sich in Deutschland jedoch kaum jemand dafür. „Nach meiner Einschätzung fragen viele Ärzte ihre Krebspatienten zu selten nach der Familiengeschichte“, sagte Kari Hemminki gegenüber dem DKFZ-Magazin „einblick“. An eine erbliche Krebsform werde eher gedacht, wenn es genetische Tests dafür gebe, wie etwa bei Brust- oder Darmkrebs.

In die Familiengeschichte schauen

Dabei zeigen Analysen aus der schwedischen Familien-Krebs-Datenbank, dass sich viele Krebserkrankungen in Familiengeschichten häufen. Auffällig oft ist das bei Brust-, Dickdarmkrebs und Prostatakrebs der Fall. Die Forscher vom DKFZ fanden aber bei fast allen Krebsformen Hinweise auf ein familiäres Risiko. Und das nicht nur, wenn die Eltern schon in jungen Jahren erkranken.

Hemminki und seine Kollegen hatten zum Beispiel festgestellt, dass schwedische Kinder, deren Eltern im Alter zwischen 70 und 79 Jahren Dickdarmkrebs bekommen, ein fast doppelt so hohes Risiko haben bis zum 60. Lebensjahr ebenfalls daran zu erkranken wie familiär unbelastete Kinder. Sogar wenn ein Elternteil erst im Alter von über 90 Jahren an Krebs erkrankt, ist das Risiko für die Kinder noch erhöht.

 

Erkrankungsalter kann, aber muss kein Hinweis auf erbliches Risiko sein

„Viele denken, dass es sich nur dann um ein familiäres Krebsrisiko handelt, wenn der Krebs in frühem Alter auftritt. Aber wir haben gezeigt, dass das Krebsrisiko von Kindern auch dann erhöht ist, wenn ein Elternteil erst im Alter von über 70 Jahren an Krebs erkrankt“, betonte Hemminki gegenüber dem DKFZ-Magazin.

Bisher gilt die Faustregel: Wenn erstgradig Verwandte, also Eltern, Kinder und Geschwister, vor dem 50. Lebensjahr an einem bestimmten Krebs erkranken und mehrere solcher Fälle im weiteren Familienkreis auftreten, ist die Wahrscheinlichkeit für erblichen Krebs gegeben. Erst wenn dann noch einige andere Kriterien erfüllt sind, zahlen die Krankenkassen überhaupt einen genetischen Test.

Die Erkenntnisse vom Deutschen Krebsforschungszentrum werfen nun ein neues Licht auf das erbliche Krebsrisiko. Das Erkrankungsalter spielt demnach eine viel geringere Rolle als bislang bekannt

Ein Blick in die Familiengeschichte kann sich in jedem Fall lohnen, auch weil der Einzelne damit besser Vorsorge betreiben kann. Tritt bei den Männern in der Familie zum Beispiel vermehrt Prostatakrebs auf, sollten Verwandte regelmäßig einen PSA-Test machen, rät Krebsforscher Hemminki. Dies gelte vor allem, wenn Angehörige schon früh erkrankten.

Foto: © VadimGuzhva - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
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