. Studie zu Herstellerwechsel

Epilepsiemedikamente nicht leichtfertig wechseln

Wenn ein Epilepsiepatient einmal richtig auf ein Medikament eingestellt ist, sollte dies über Jahre beibehalten werden. Selbst ein Herstellerwechsel wirkt sich ungünstig auf das Krankheitsgeschehen aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die soeben mit dem Wissenschaftspreis auszeichnet worden ist.

Gleicher Wirkstoff, andere Wirkung: Epilepsie Patienten sollten ihr Medikament nicht aus Kostengründen wechseln

Mediziner sprechen von Epilepsie, wenn wiederholt epileptische Anfälle auftreten. Für Betroffene gibt es eine Reihe wirksamer Medikamente, die Anfällen vorbeugen können. Viele Patienten werden dadurch anfallsfrei. Manchmal braucht es mehrere Versuche, bis das richtige Medikament gefunden ist. Doch ist die Medikation einmal richtig eingestellt, sollte sie bei den meisten Betroffenen über Jahre unverändert beibehalten werden – auch was den Hersteller des Medikaments angeht. Andernfalls können erneut epileptische Anfälle ausgelöst werden. Das sagt Prof. Dr. Hajo Hamer, Sprecher des Epilepsiezentrums der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen. Hamer stützt sich dabei auf eine Studie, die er zusammen mit Kollegen des Universitätsklinikums Frankfurt a.M. durchgeführt hat.

Risiko für erneute Anfälle steigt

In der Studie wurden die Folgen eines Herstellerwechsels bei Medikamenten gegen Epilepsie an zunächst 3.500 zunächst anfallsfreie Epilepsie-Patienten untersucht. Dabei zeigte sich, dass jede Änderung der Medikation das relative Risiko eines neuen Anfalls um mehr als 30 Prozent erhöhte. Ob von einem Originalpräparat zu einem kostengünstigeren Nachahmeräparat, einem sogenannten Generikum, gewechselt wurde oder umgekehrt, machte keinen Unterschied. Das Risiko für erneute Epilepsieanfälle stieg.

 

Kosteneinsparungen sind ein Trugschluss

Ärzte sind heute von den Krankenkassen grundsätzlich dazu angehalten, preisgünstige Präparate mit gleicher Zusammensetzung beziehungsweise gleichem Wirkstoff wie bei teureren Originalprodukten zu verschreiben. „Gerade im Fall von Epilepsien geht die Rechnung allerdings nicht auf“, erklärt Prof. Dr. Hajo Hamer. „Epilepsiepatienten sollten die Medikation unbedingt beibehalten, wenn sie ein Präparat gut vertragen und anfallsfrei sind. Denn wird auf das gleiche Medikament eines anderen Herstellers umgestellt, kann es selbst bei identischer Zusammensetzung zu neuen Ausbrüchen der Krankheit kommen.“

Auch ökonomisch ginge die Rechnung bei einer leichtfertigen Umstellung auf vermeintlich kostengünstigere Präparate bei anfallsfreien Patienten nicht auf, meint der Epilepsie-Experte. Denn die Folgekosten neuer Anfälle belasteten das Gesundheitssystem deutlich mehr, als die Kosteneinsparung einer möglichen Umstellung einbringen würde. „Ärzte sollten vornehmlich auf die Wirksamkeit und Verträglichkeit achten, können aber bei der erstmaligen Verschreibung eines Medikaments bei gegebenen gleichwertigen Alternativen auch auf die Kosten achten. Spätere Wechsel rein aus ökonomischen Gründen sollten vermieden werden“, so Hamers Fazit.

Studie bekommt Alfred-Hauptmann-Preis

Für die Studie erhielt das Forscherteam um Prof. Hamer nun den diesjährigen Alfred-Hauptmann-Preis. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird von der Schweizerischen Epilepsie-Liga gemeinsam mit der Deutschen und Österreichischen Gesellschaft für Epileptologie alle zwei Jahre für die beste wissenschaftliche Arbeit aus dem deutschsprachigen Raum auf dem Gebiet der experimentellen und klinischen Epileptologie verliehen.

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Epilepsie , Arzneimittel
 

Weitere Nachrichten zum Thema Epilepsie

| Nach Behördenangaben sollen in Frankreich bis zu 4.100 Kinder missgebildet auf die Welt gekommen sein, weil deren Mütter während der Schwangerschaft Valproat eingenommen hatten. Das Antieptileptikum wird auch in Deutschland verschrieben.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Gegen Sodbrennen eingesetzte Protonenpumpenhemmer (PPI) sind mittlerweile auch ohne Rezept erhältlich. Dennoch sollte man sie nur auf ärztlichen Rat einnehmen, denn bei langfristigem Gebrauch bergen sie tödliche Risiken.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens sind viele Chancen verbunden. Bei manchen Bürgern löst das Thema aber auch Ängste und Sorgen aus. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Prof. Dr. Erwin Böttinger, einem der weltweit führenden Forscher im Bereich Digital Health, über die elektronische Patientenakte und andere digitale Lösungen gesprochen.