. Hirntumore

Epilepsiemedikamente bei Glioblastom nicht wirksam

Die Hoffnung auf eine neue Behandlungsmethode des Glioblastoms hat sich nicht bestätigt. Die zusätzliche Gabe der Epilepsiemedikamente Valproinsäure oder Levetiracetam bei Glioblastom-Patienten wirkt offenbar nicht lebensverlängernd.
Epilepsiemedikament bei Glioblastom nicht wirksam

Glioblastome sind besonders bösartige Hirntumore

Ein Glioblastom ist ein Hirntumor, der aus bestimmten Zellen des Stützgewebes des Gehirns entsteht. Da der Tumor rasch wächst und schnell ins Nachbargewebe eindringt, nimmt die Erkrankung meist einen bösartigen und schnellen Verlauf. Und die Therapieoptionen sind bisher begrenzt. In der Praxis hatten sich allerdings Hinweise ergeben, dass Glioblastom-Patienten, die aufgrund der häufigen Krampfanfälle ein Epilepsiemedikament (Valproinsäure) erhalten hatten, länger überlebten. Eine Arbeitsgruppe um Professor Michael Weller, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsspital Zürich, ist diesen Hinweisen nachgegangen – mit negativem Ergebnis, wie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) nun mitteilte.

Valproinsäure verlängert Lebenszeit bei Glioblastom nicht

Die Forscher werteten vier aktuelle klinische Studien mit insgesamt 1869 neu diagnostizierten Glioblastom-Patienten aus. Dabei verglichen sie das progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben zwischen Patienten, die entweder bereits zu Beginn der Therapie ein Medikament gegen Epilepsie (Valproinsäure oder Leviracetam) bekommen hatten oder eben nicht. Ebenfalls untersucht wurde, ob der anhaltende Gebrauch der beiden Epilepsiemedikamente bis nach Abschluss der Chemoradiotherapie des Glioblastoms das progressionsfreie oder das Gesamtüberleben verlängert.

Im Verhältnis zur Kontrollgruppe errechneten die Forscher für Patienten unter Valproinsäure eine Wahrscheinlichkeit (Hazard ratio) für ein längeres progressionsfreies Überleben von 0,91 und für das Gesamtüberleben von 0,96. Beide Werte waren statistisch nicht signifikant. Auch die Analyse für Betroffene, die Valproinsäure über die gesamte Behandlungszeit hinweg eingenommen hatten, ergab keinen signifikanten Unterschied zu Patienten ohne diesen Wirkstoff.

Antiepileptika keine zusätzliche Therapieoption bei Glioblastom

Auch für das jüngere antiepileptische Medikament Levetiracetam konnte ein Zusammenhang mit einem längeren progressionsfreien oder Gesamtüberleben bei Patienten mit Glioblastom nicht bestätigt werden. Die Wissenschaftler erklären daher, Valproinsäure und Levetiracetam sollten bei Hirntumorpatienten ausschließlich zur Kontrolle von Krampfanfällen verabreicht werden, nicht jedoch im Sinne einer zusätzlichen Tumortherapie.

Foto: © XtravaganT - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Hirntumore

| In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 7.000 Menschen an einem Hirntumor, bei mehr als der Hälfte liegt ein Glioblastom vor. Bis heute ist die Erkrankung des zentralen Nervensystems unheilbar. Doch es gibt Fortschritte in der Diagnostik und Therapie. Die wichtigsten Fakten und neuesten Erkenntnisse zum Glioblastom finden Sie hier.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Der Verlauf einer Multiplen Sklerose ist unvorhersehbar. Doch nicht wenige Patienten zeigen auch nach Jahrzehnten nur minimale neurologische Symptome – und das auch ohne Therapie. Das hat eine Studie britischer Forscher nun bestätigt.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Für Menschen mit Behinderung sind Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor nicht selbstverständlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Ulla Schmidt, MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, darüber gesprochen, was getan werden muss, um die Situation von Betroffenen zu verbessern.
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie sind verhärtet. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Homöopathie-Kritikerin Dr. med. Natalie Grams über wissenschaftliche Prinzipien und den verbreiteten Wunsch nach medizinischen Alternativen gesprochen.