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Epilepsie im Kindesalter: Wirksamkeit von Therapien nun besser vorhersagbar

Eine bestimmte Variante der Epilepsie, die meistens in den ersten drei Lebensmonaten ausbricht, spricht auf andere Medikamente an als andere Epilepsie-Formen. Das hat ein internationales Forscherteam nun herausgefunden. Die Erkenntnisse könnten helfen, die Wirksamkeit von Therapien besser vorherzusagen.
Epilepsie bei Säuglingen

Wenn Neugeborene unter Epilepsie leiden, liegt häufig eine genetische Mutation zugrunde

Etwa ein Prozent der Bevölkerung leidet unter Epilepsie; in beinahe jedem zweiten Fall beginnt sie bereits im Kindesalter. Vor allem die kindlichen Epilepsien sind häufig genetisch bedingt, wie beispielsweise durch Mutationen im Natriumkanal-Gen SCN2A. Diese Mutationen lösen schwer verlaufende und sehr schwierig zu behandelnde Epilepsien aus, die auch mit Entwicklungsstörungen einhergehen. Zwar existieren Medikamente für diese Form der Epilepsie, doch nicht alle betroffenen Kinder profitieren davon im gleichen Maße. Nun hat ein internationales Forscherteam unter der Leitung deutscher Neurologen einen wichtigen Unterschied entdeckt, der dazu beiträgt, ob eine Therapie wirksam ist oder nicht.

Krankheitsbeginn als Indikator für Therapieeffekt

Die Forscher konnten in einer systematischen Analyse von mehr als 70 Fällen von SCN2A-Epilepsien zeigen, dass diese bei etwa der Hälfte der betroffenen Kinder in den ersten drei Lebensmonaten beginnen, bei allen anderen später. Kinder mit einem frühen Krankheitsbeginn profitierten dabei deutlich von einer medikamentösen Therapie mit Natriumkanal-Blockern, während dieselben Medikamente bei Kindern mit spätem Beginn keine oder sogar negative Effekte hatten.

Durch eine funktionelle Charakterisierung der Effekte einzelner Mutationen konnten die Forscher auch aufklären, welcher Mechanismus dem unterschiedlichen Ansprechen auf eine Therapie zugrunde liegt: Es zeigte sich, dass SCN2A-Mutationen entweder eine Überfunktion oder eine Unterfunktion des Natriumkanals bewirken können – ein wesentlicher Unterschied für den Behandlungserfolg. Überfunktionen, die nur bei frühem Krankheitsbeginn zu finden sind, werden durch Natriumkanal-Blocker deutlich abgemildert. Unterfunktionen, die mit einem späten Krankheitsbeginn einhergehen, werden dadurch hingegen verstärkt.

Neugeborene können gezielter behandelt werden

„Der Therapieeffekt bei einer SCN2A-Mutation ist also durch den Krankheitsbeginn und die Art der Epilepsie sehr gut vorhersehbar“, erklärte Dr. Markus Wolff, Leitender Oberarzt der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin in Tübingen, dem leitenden Zentrum der Multicenter-Studie. Wie wichtig das vor allem für Neugeborene und Säuglinge mit schweren epileptischen Anfällen ist, betont auch Professor Christine Klein, Leiterin des Instituts für Neurogenetik an der Universität zu Lübeck und stellvertretende Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Säuglinge könnten nun gezielter behandelt werden, so die Expertin. „Das erhöht die Chance der Kinder, rasch anfallsfrei zu werden, und kann Entwicklungsstörungen verhindern.“

Aber auch für Erwachsene, die unter einer SCN2A-assoziierten Epilepsie leiden, könnten die Erkenntnisse relevant sein, wie Professor Holger Lerche, Ärztlicher Direktor der Abteilung Neurologie am Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung und Universitätsklinikum Tübingen betont. Möglicherweise könnten sie schon durch das Absetzen der falschen Medikamente profitieren. 

Foto: © Africa Studio - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
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