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30.04.2016

Epilepsie-Anfälle auch bei Therapieresistenz vorhersagbar

Rund ein Drittel der Epilepsie-Patienten sind nicht behandelbar, weil mehrere Anfallsherde im Gehirn zusammenspielen. Forschern des Uniklinikums Bonn gelang es, die betroffenen Gehirnregionen zu erfassen und so Anfälle vorherzusagen.
Elektroenzephalografie (EEG) des Gehirns

Gehirnaktivitäten werden per EEG gemessen

Bei diesen Patienten lassen sich die Gewitterstürme im Gehirn nicht klar lokalisieren. Häufig ist ein komplexes System aus mehreren Anfallsherden beteiligt, weshalb sich die Betroffenen kaum operativ oder medikamentös behandeln lassen.

Da das Zusammenspiel der übererregten Nervenzellen zu kompliziert erschien, wurde diese Patientengruppe bislang nicht bei Untersuchungen zur Anfalls-Vorhersage mit einbezogen. Ein Team um Prof. Klaus Lehnertz hat diesen Versuch nun unternommen.

Gehirn von Epilepsie-Patienten untersucht

Mit Hilfe der Elektroenzephalografie (EEG) erfassten die Forscher die Potentialschwankungen und damit die Aktivitäten von unterschiedlichen, miteinander wechselwirkenden Arealen in den Gehirnen von Epilepsiepatienten.

Mit dieser Methode verglichen sie 16 Patienten, die unter einer therapieresistenten Epilepsie mit vielen voneinander unabhängigen Anfallsherden litten, mit 20 Erkrankten, bei denen sich die Anfallsherde relativ gut eingrenzen und behandeln ließen.

 

Epilepsie-Anfälle trotz Therapieresistenz Stunden früher vorhersagbar

„Es zeigte sich, dass sich epileptische Anfälle auch bei den therapieresistenten Patienten mit mehreren Anfallsherden bis zu vier Stunden im Voraus relativ gut vorhersagen ließen“, berichtet Prof. Lehnertz. Erstaunlicherweise wurden die Veränderungen der Wechselwirkungsmuster nicht in den Gehirnregionen gemessen, in denen sich später die epileptischen Anfälle ereigneten, sondern in scheinbar gesundem Nervenzellgewebe. Bei den therapierbaren Erkrankten fanden die Arrhythmien der Nervenzellen in den bereits vorher identifizierten Anfallsherden statt.

„Dass gesundes Gehirngewebe im Vorfeld von epileptischen Anfällen bei therapieresistenten Patienten eine Rolle spielt, ist zunächst ein sehr überraschender Befund“, sagt der Neuropsychologe Prof. Christoph Helmstaedter. „Es gibt jedoch schon länger Hinweise darauf, dass sich Anfälle auch durch mentale Aktivitäten auslösen und auch unterdrücken lassen.“ Diese Resultate bieten damit bislang nicht bekannte Ansatzpunkte für neue Therapien.

Epilepsie: Möglicher Ansatz für neue Therapien

Ein möglicher Weg wäre zum Beispiel, die Nervenzellen außerhalb der bekannten Anfallsherde in einer Weise zu beeinflussen, dass keine Gehirnregionen mehr aus dem Takt geraten, und auf diese Weise Anfälle bereits im Vorfeld zu verhindern. Die entsprechende Studie wurde im Fachmagazin Scientific Reports vorgestellt.

Allerdings sei die präzise Anfallsvorhersage auch bei behandelbaren Patienten noch immer eine Herausforderung, heißt es weiter in einer Mitteilung der Universität. Es ist  sehr schwer, jeden Anfall Stunden im Voraus zu erkennen und Fehlalarme zu vermeiden. Auch sind die Unterschiede zwischen den Patienten erheblich. „Bei etwa zwei Drittel der Patienten gelingt es uns, epileptische Anfälle zu prognostizieren“, sagt Lehnertz. Hier besteht also weiterer Forschungsbedarf.

Foto: Sudok1

Autor: red
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