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28.05.2019

Entwöhnung von künstlicher Beatmung schwierig

In Deutschland sind immer mehr Menschen auf eine künstliche Beatmung angewiesen. Die Entwöhnung vom Beatmungsgerät, das sogenannte Weaning, klappt aber häufig nicht. Eine Studie offenbart jetzt neue Zahlen.
Die Entwöhnung vom Beatmungsgerät verläuft oft erfolglos

Die Entwöhnung vom Beatmungsgerät verläuft oft erfolglos

Eine invasive Beatmung auf der Intensivstation ist oft unvermeidlich. Nach einer gewissen Zeit müssen die Patienten das selbstständige Atmen wieder erlernen. Die Entwöhnung von der künstlichen Beatmung, das Weaning, gestaltete sich jedoch oft schwierig. Nur 60 Prozent der Patienten kommen überhaupt von der invasiven Beatmung los. Ein Teil von ihnen benötigt jedoch auch danach noch eine Atemunterstützung in Form einer nichtinvasiven Maskenbeatmung. Knapp 25 Prozent der Weaning-Patienten müssen die Beatmung über die Trachealkanüle zu Hause oder im Pflegeheim fortsetzten. Rund 15 Prozent der Patienten versterben. Experten gehen davon aus, dass die Rate des erfolglosen Weanings außerhalb der etablierten Fachzentren noch wesentlich höher ist.

Zahlen verdreifacht

Auch außerklinisch beatmete Patienten müssen regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen oder bei akuten Problemen ins Krankenhaus. Im Jahr 2016 wurden nach einer Datenbankrecherche von Professor Christian Karagiannidis, Lungenklinik Merheim, in Deutschland insgesamt rund 86 000 ambulant beatmete Patienten in einer Klinik betreut. Im Jahr 2006 waren es nur rund 25 000. Gleichzeitig sank die Sterblichkeit der beatmeten Patienten im Krankenhaus von 13,2 Prozent auf 5,7 Prozent. Die Datenanalyse offenbarte auch, dass immer häufiger sehr alte Menschen mit einem Beatmungsgerät versorgt werden. Knapp 1500 der im Jahr 2016 künstlich beatmeten Patienten waren laut den Recherchen von Professor Karagiannidis über 90 Jahre alt.

 

COPD häufigster Grund für künstliche Beatmung

Viele der dauerbeatmeten Patienten haben eine oder mehrere schwerwiegende Erkrankungen. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) leidet an einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), ein Drittel hat eine Pumpschwäche des Herzens (32 Prozent) oder einen Typ-2-Diabetes (32 Prozent). Ein Viertel leidet an einer Verengung der Herzkranzgefäße (25 Prozent) oder an einer Nierenschwäche (24 Prozent). Auch neurologische Erkrankungen sind häufig zu verzeichnen. Hinzu kommen laut Professor Karagiannidis Infektionen mit Bakterien, die gegen mehrere Antibiotika resistent sind.

Der exponentielle Anstieg der sehr pflegeintensiven Patienten stellt das Gesundheitssystem nach Ansicht von Professor Karagiannidis vor extreme finanzielle und personelle Herausforderungen. „Die Vielzahl der zugrunde liegenden Haupt- und Nebendiagnosen erfordern die Expertise unterschiedlichster Fachdisziplinen in der ambulanten und stationären Versorgung“, betont Professor Dr. Wolfram Windisch, Seniorautor der Studie. Hinsichtlich der zunehmenden Zahl solcher Patienten gefährde der Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal zunehmend die Versorgung der Betroffenen.

Ethische Fragen

Darüber hinaus wirft die Beatmungstherapie bei hochbetagten, mehrfach erkrankten Patienten ethische Fragen für Windisch auf. Denn im Falle eines erfolglosen Weanings sei die Fortsetzung einer invasiven Langzeitbeatmung im außerklinischen Bereich mit einer stark eingeschränkten Lebensqualität verbunden, wie aktuelle Studien belegten. „In diesem Sinne ergibt sich die Frage, ob alles das, was die moderne Medizin heute leisten kann, unter ethischen Betrachtungen auch geleistet werden muss“, so Windisch.

Die Studie „Epidemiologische Entwicklung der außerklinischen Beatmung: Eine rasant zunehmende Herausforderung für die ambulante und stationäre Patientenversorgung“ von Prof. Karagiannidis und Kollegen ist soeben in der DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift erschienen.

Foto: © Robert Kneschke - Fotolia.com

Autor: red
 

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