. HIV-Behandlung

Entwicklungsländer: HIV-Medikamente oft unbezahlbar

Die Preise für Medikamente zur HIV-Behandlung in Entwicklungsländern müssen niedriger werden. Das fordert die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (ÄoG). Besonders die Preise der lebensrettenden dritten Therapielinie sind demnach zu hoch.
Entwicklungsländer: HIV-Medikamente zu teuer

Die Ärmsten der Armen können sich HIV-Medikamente oft nicht leisten

1.800 Dollar pro Person und Jahr – so viel kosten die neuesten Medikamente der dritten Behandlungslinie gegen HIV. Sie werden von den Patienten benötigt, bei denen die antiretroviralen Mittel der ersten und zweiten Therapielinie nicht mehr wirken oder zu starke Nebenwirkungen hervorrufen. Für Entwicklungsländer ist dieser Preis jedoch zu hoch, wie die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (ÄoG) auf dem diesjährigen Welt-Aids-Kongress in Durban (Südafrika) betonte. Sie fordert günstigere Preise für lebensrettende Medikamente zur HIV-Behandlung.

Neue HIV-Medikamente sind zu teuer

Den Experten der ÄoG zufolge ist die Lage besonders kritisch bei Menschen, die gegen die gewöhnlichen HIV-Medikamente resistent sind und daher eine Behandlung mit den (teureren) Alternativen brauchen. Das Problem: Die neuen Medikamente sind meist patentiert sind und das Monopol großer Pharmaunternehmen verhindert den Wettbewerb. Bezahlbare generische Versionen der Medikamente stehen daher nicht zur Verfügung. 

„Wir müssen in der Lage sein, die neueren HIV-Medikamente zu bezahlen“, erklärt Vivian Cox, medizinische Referentin des HIV-Projekts von Ärzte ohne Grenzen im südafrikanischen Eshowe. „Im Laufe der Zeit werden die Menschen diese Medikamente brauchen, sie werden sonst keine andere Option haben“, so die Expertin. „Wir müssen jetzt laut auf dieses Problem aufmerksam machen. Wir müssen sichergehen, dass wir nicht wieder mit einer ähnlichen Krise konfrontiert werden, wie wir sie vor mehr als zehn Jahren hatten, als lebensrettende Medikamente für Millionen Menschen mit HIV einfach unbezahlbar waren.“ 

 

Patente blockieren den Wettbewerb

Die Preise für HIV-Medikamente der ersten und zweiten Therapielinie sind in den vergangenen Jahren weiter gesunken und liegen heute mit 100 US-Dollar pro Person und Jahr für die erste Therapielinie um ein Viertel niedriger als 2014. Für die zweite Therapielinie sind sie mit 286 US-Dollar pro Person und Jahr im Vergleich zu 2014 um elf Prozent gesunken. 

Diese stetig sinkenden Preise sind auf einen funktionierenden Wettbewerb zwischen Generika-Herstellern vor allem in Indien zurückzuführen. Die USA und andere Länder versuchen jedoch, die Ausrichtung der indischen Patentpolitik am Schutz der öffentlichen Gesundheit anzugreifen. Auch Handelsabkommen - wie zwischen der EU und Indien derzeit geplant - könnten die Produktion bezahlbarerer Generika in Zukunft einschränken, betont ÄoG.

Foto: © Renate Wefers - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: HIV / AIDS , Sexuell übertragbare Krankheiten , Syphillis , Infektionskrankheiten , Hepatitis , HIV , AIDS , HPV , Sexualität
 

Weitere Nachrichten zum Thema HIV und AIDS

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
 
. Weitere Nachrichten
Konzentrationsprobleme, erhöhtes Stressempfinden und Probleme beim Lernen - das sind die Folgen von zu wenig Schlaf bei deutschen Schülern. Und das ist keine Seltenheit: Einer DAK-Studie zufolge schlafen vor allem ältere Schüler rund zwei Stunden zu wenig.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.