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. Beginn einer Epidemie

Entwicklung wie bei Hong-Kong-Grippe befürchtet: In Deutschland steigen die Fallzahlen mit dem Coronavirus

Die Zahl der Coronavirus-Infektionen in Deutschland hat sich innerhalb eines Tages auf 117 Fälle verdopelt. Virologe Christian Drosten hält eine Entwicklung wie bei den letzten großen Grippe-Pandemien 1957 und 1968 für möglich.
Sprunghafter Anstieg der Fallzahlen in den letzten Tagen: Deutschland steht am Beginn einer Coronavirus-Epidemie

Sprunghafter Anstieg der Fallzahlen in den letzten Tagen: Deutschland steht am Beginn einer Coronavirus-Epidemie

In Deutschland ist die Zahl der nachgewiesenen Coronavirus-Infektionen auf 117 Fälle geklettert. Das ist eine Verdopplung innerhalb eines Tages.

Davon sind 66 Fälle Nordrhein-Westfalen aufgetreten, 19 in Bayern und 15 in Baden-Württemberg. Hessen meldet 8, Rheinland-Pfalz und Schleswig Holstein jeweils zwei und Hamburg, Bremen und Niedersachsen jeweils einen Fall. In Berlin und Brandenburg wurden noch keine Coronafälle nachgewiesen. Sicherheitshalber wurde die ITB in Berlin abgesagt.

Anders als in Italien und Frankreich ist in Deutschland noch kein Mensch am neuartigen Coronavirus gestorben. Doch das ist wohl nur eine Frage der Zeit.

60 bis 70 Prozent werden sich infizieren

Der Virologe Prof. Christian Drosten von der Charité geht davon aus, dass die Fallzahlen in Deutschland dramatisch ansteigen werden. Etwa 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung könnten sich mit COVID-19 infizieren, meint der Experte. Das käme den letzten großen Grippe-Pandemien von 1957 und 1968 gleich.

 

Hong-Kong-Grippe forderte weltweit mehr als eine Million Todesopfer

Die 1957 ausgebrochene Asiatische Grippe forderte weltweit etwa zwei Millionen Todesopfer und war damit die zweitschlimmste Grippe-Pandemie nach der Spanischen Grippe von 1917. Im Rahmen der Hong-Kong-Grippe starben zwischen 1968 und 1970 weltweit mehr als eine Million Menschen, in Deutschland gab es geschätzt 30.000 Tote. Die Hong-Kong-Grippe war die letzte große Grippe-Pandemie. Von einer Pandemie spricht man, wenn Infektionen in großen Zahlen weltweit auftreten. Eine Epidemie ist dagegen regional begrenzt.  

Das wichtigste ist nach Drostens Einschätzung, Zeit zu gewinnen.  Drosten hatte das Sars-Virus mit entdeckt und Ende 2019 einen Labortest für das neuartige Coronavirus entwickelt.

Was momentan geschieht, verglich der Virologe mit dem Bild von einem Raum, in den Funken hineinfliegen. Momentan gelänge es noch, die Funken auszutreten (Fälle werden isoliert und nachverfolgt). Aber sobald daraus verschiedene Brandherde würden, käme es zu einem Flächenbrand. Dann könnten die Zahlen in kürzester Zeit so sprunghaft ansteigen, dass es zu Kapazitätsengpässen in der Versorgung kommen könne.

Wettlauf gegen die Zeit

Die Coronavirus-Epidemie ist also ein Wettlauf gegen die Zeit. Große Hoffnung setzen die Experten aufs Frühjahr. In wärmeren Jahreszeiten können sich Viren wie das Coronavirus weniger schnell ausbreiten, wegen der höheren Außentemperaturen, wegen der stärkeren UV-Strahlung und weil dann mehr Menschen draußen sind und nicht so gedrängt auf dichtem Raum. Die Epidemie wird sich nach Drostens Einschätzung dann abschwächen, aber vermutlich im Herbst wieder an Fahrt aufnehmen.

Die Coronavirus-Epidemie oder auch Pandemie kann demnach etwa zwei Jahre dauern oder noch länger. Erst im Sommer 2021 wird es einen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus geben. Zwar ist ein Impfstoff relativ schnell entwickelt, doch bis er klinisch getestet ist und alle Zulassungsauflagen erfüllt, braucht es noch gut anderthalb Jahre.

Foto: © Adobe Stock/photoguns

Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Medizin , Corona
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