. Suizidgedanken

Entwarnung für Antidepressiva

Moderne Antidepressiva erhöhen doch nicht das Suizidrisiko bei Kindern und Jugendlichen. Das fanden amerikanische Forscher in einer neuen Metaanalyse heraus.
Entwarnung für Antidepressiva

Eric Simard, Fotolia.com

Vor einigen Jahren kamen mehrere Studien zu dem Ergebnis, dass bestimmte moderne Antidepressiva die Suizidgedanken von Minderjährigen verstärken können. Betroffen waren Medikamente der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI). Begründet wurde das Ergebnis mit dem sogenannten Aktivierungssyndrom, das vor der eigentlich beabsichtigten antidepressiven Wirkung der Medikamente einsetzt. Man vermutete, dass die Betroffenen dadurch unter Umständen erst den nötigen Energieschub erhielten, um ihre Suizidgedanken in die Tat umzusetzen. Seitdem waren Ärzte angehalten, die Medikamente bei Minderjährigen nur mit grösster Vorsicht zu verschreiben und die Patienten in der Folge genau zu beobachten.

Suizidrisiko bei Minderjährigen und moderne Antidepressiva

Zum Erstaunen der Fachwelt wurden nun in einer aktuellen Metaanalyse, in der die Ergebnisse von 41 Studien zu den Wirkstoffen Fluoxetin und Venlafaxin ausgewertet wurden, keine Hinweise darauf gefunden, dass moderne Antidepressiva das Suizidrisiko bei Minderjährigen erhöhen. Die Forscher werteten hierfür zum Teil noch nicht veröffentlichte Originaldaten früherer Studien aus und betrachteten auch die langfristigen Verläufe bei allen Patientengruppen.

Rätsel gibt allerdings eine Tatsache auf, die schon vor der aktuellen Studie bekannt war und durch diese noch einmal bestätigt wurde. Auch wenn die modernen Antidepressiva das Suizidrisiko bei Jugendlichen nicht zu erhöhen scheinen, so senken sie es - anders als bei Erwachsenen - auch nicht. Die depressiven Symptome gehen zwar mit der Einnahme der Medikamente in signifikanter Weise zurück, doch hat dies offenbar keinen Einfluss auf die Häufigkeit von Suizidgedanken und -handlungen.

Depression und Suizidalität

Während es bei Erwachsenen eine klare Korrelation zwischen Depression und Suizidgedanken gibt und mit der Minderung der depressiven Symptomatik auch die Selbsttötungsgefahr sinkt, ist dieser Zusammenhang bei Minderjährigen also nicht gegeben. Offensichtlich liegt der Suizidalität bei Minderjährigen noch ein anderer Mechanismus zugrunde als bei Erwachsenen. Dies zeigt einmal mehr, dass das Phänomen Suizidalität sehr komplex und noch längst nicht ausreichend erforscht ist.

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Depression , Antidepressiva , Kinder , Psychische Krankheiten , Suizid

Weitere Nachrichten zum Thema Depressionen

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Wer regelmäßig Sport treibt, wird seltener krank und kann den Alterungsprozess in einigen körperlichen Bereichen um zehn Jahre zurückdrehen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“.
Die (hATTR) Amyloidose ist eine seltene Erbkrankheit mit einer geringen Lebenserwartung. Hoffnung macht jetzt ein neues Medikament, das bereits die klinischen Phase III erfolgreich absolviert hat. Die Zulassung könnte schon nächstes Jahr erfolgen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.