Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
22.02.2012

Entwarnung für Antidepressiva

Moderne Antidepressiva erhöhen doch nicht das Suizidrisiko bei Kindern und Jugendlichen. Das fanden amerikanische Forscher in einer neuen Metaanalyse heraus.
Entwarnung für Antidepressiva

Eric Simard, Fotolia.com

Vor einigen Jahren kamen mehrere Studien zu dem Ergebnis, dass bestimmte moderne Antidepressiva die Suizidgedanken von Minderjährigen verstärken können. Betroffen waren Medikamente der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI). Begründet wurde das Ergebnis mit dem sogenannten Aktivierungssyndrom, das vor der eigentlich beabsichtigten antidepressiven Wirkung der Medikamente einsetzt. Man vermutete, dass die Betroffenen dadurch unter Umständen erst den nötigen Energieschub erhielten, um ihre Suizidgedanken in die Tat umzusetzen. Seitdem waren Ärzte angehalten, die Medikamente bei Minderjährigen nur mit grösster Vorsicht zu verschreiben und die Patienten in der Folge genau zu beobachten.

Suizidrisiko bei Minderjährigen und moderne Antidepressiva

Zum Erstaunen der Fachwelt wurden nun in einer aktuellen Metaanalyse, in der die Ergebnisse von 41 Studien zu den Wirkstoffen Fluoxetin und Venlafaxin ausgewertet wurden, keine Hinweise darauf gefunden, dass moderne Antidepressiva das Suizidrisiko bei Minderjährigen erhöhen. Die Forscher werteten hierfür zum Teil noch nicht veröffentlichte Originaldaten früherer Studien aus und betrachteten auch die langfristigen Verläufe bei allen Patientengruppen.

Rätsel gibt allerdings eine Tatsache auf, die schon vor der aktuellen Studie bekannt war und durch diese noch einmal bestätigt wurde. Auch wenn die modernen Antidepressiva das Suizidrisiko bei Jugendlichen nicht zu erhöhen scheinen, so senken sie es - anders als bei Erwachsenen - auch nicht. Die depressiven Symptome gehen zwar mit der Einnahme der Medikamente in signifikanter Weise zurück, doch hat dies offenbar keinen Einfluss auf die Häufigkeit von Suizidgedanken und -handlungen.

 

Depression und Suizidalität

Während es bei Erwachsenen eine klare Korrelation zwischen Depression und Suizidgedanken gibt und mit der Minderung der depressiven Symptomatik auch die Selbsttötungsgefahr sinkt, ist dieser Zusammenhang bei Minderjährigen also nicht gegeben. Offensichtlich liegt der Suizidalität bei Minderjährigen noch ein anderer Mechanismus zugrunde als bei Erwachsenen. Dies zeigt einmal mehr, dass das Phänomen Suizidalität sehr komplex und noch längst nicht ausreichend erforscht ist.

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Depression , Antidepressiva , Kinder , Psychische Krankheiten , Suizid
 

Weitere Nachrichten zum Thema Depressionen

Die Diagnose „Depression“ reicht meist nicht aus, um die Erkrankung adäquat zu therapieren. Ihr Schweregrad und ihre Ursachen sind ebenfalls wichtig, um eine angemessene Behandlung zu finden. Laut Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) ist jedoch der Anteil unspezifischer Depressionsdiagnosen immer noch viel zu hoch.

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten

Weniger Wartezeit bei medizinischen Notfällen: Wissenschaftler der TU Bingen haben ein Prognose-Tool entwickelt, das Rettungsdienstorganisationen in die Lage versetzen soll, jederzeit genügend Rettungskräfte und -fahrzeuge parat zu haben.

Krätze ist hierzulande weiter auf dem Vormarsch. Das meinen Experten der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG). Vor allem kleine Kinder könnten eine unterschätzte Infektionsquelle sein.
 
Kliniken
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin