. Felix Burda Award

Entdeckung von MACC1 als „beste Präventionsidee“ gegen Darmkrebs gekürt

Vor fünf Jahren haben Berliner Krebsforscher ein Gen entdeckt, das sowohl das Krebswachstum als auch die Metastasenbildung bei Darmkrebs fördert. Für die Entdeckung von MACC1 gab es nun den Felix Burda Award für die „beste Präventionsidee“ gegen Darmkrebs.
Felix Burda Award

Bluttest auf MACC1 gibt Aufschluss über das Risiko für Metastasen bei Darmkrebs

2009 hatten Wissenschaftler der Charité und des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch in Gewebeproben von Darmkrebspatienten ein Gen entdeckt, das nicht nur das Krebswachstum sondern auch die Metastasenbildung fördert. Das Gen auf Chromosom 7 nannten sie kurz MACC1. Die englische Abkürzung steht für „mit Metastasen verbundener Dickdarmkrebs 1“. Der Biomarker MACC1 ist für Darmkrebspatienten von großer Bedeutung. So konnten die beiden MDC-Wissenschaftler Prof. Ulrike Stein und Prof. Walter Birchmeier gemeinsam mit Prof. Peter M. Schlag (Charité) nachweisen, dass Patienten mit Dickdarmkrebs eine günstigere Lebenserwartung haben, wenn die Aktivität dieses Gens niedrig ist, als Dickdarmkrebspatienten mit hohen MACC1-Werten. Während 80 Prozent der Patienten mit niedrigem MACC1-Wert nach fünf Jahren noch lebten, überlebten nur 15 Prozent der Patienten mit hohem MACC1-Wert die 5-Jahres-Marke, fanden die Forscher in einer Studie heraus, an der auch der Preisträger Prof. Ulrich Rohr von der Firma Hoffmann-La Roche beteiligt war.

Bluttest auf den Biomarker zeigt das Metastasierungsrisiko an

„Wir haben die Hoffnung, dass die Patienten im frühen Stadium aber mit erhöhtem Risiko eines Rückfalls, die gegenwärtig keine Chemotherapie erhalten würden, diese bekommen, um ihre Heilungschancen zu steigern“, erläuterte Prof. Ulrike Stein die Bedeutung des Biomarkers. Mittlerweile haben die Berliner Krebsforscher einen Bluttest entwickelt, der es ermöglicht, bereits im Frühstadium einer Darmkrebserkrankung, die Patienten zu identifizieren, die ein hohes Risiko für lebensbedrohliche Metastasen haben. Der Test zum Nachweis von MACC1 in Tumoren ist heute in Europa, den USA, Australien, Japan, Kanada patentiert und eine wichtige Entscheidungshilfe, ob Darmkrebspatienten eine Chemotherapie brauchen. 

 

MACC1 bei vielen anderen Krebsarten relevant

Heute weiß man auch, dass MACC1 nicht nur für die Metastasenbildung bei Darmkrebs ein wichtiger Biomarker ist. Prof. Stein und andere Forscher aus verschiedenen Ländern konnten nachweisen, dass zwischen einer erhöhten MACC1-Expression und einer kürzeren Überlebenszeit ein Zusammenhang auch bei Patienten mit Magenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Leberkrebs, Lungenkrebs, Eierstockkrebs, Brustkrebs, Nasen-Rachen-Krebs, Speiseröhrenkrebs, Nierenkrebs, Blasenkrebs, Gallenblasenkrebs, Glioblastom und Knochenkrebs besteht.

Felix Burda Award

Für ihre „bahnbrechende Entdeckung“ wurde die Krebsforscherin Stein zusammen mit Peter M. Schlag und Ulrich Rohr am 6. April 2014 mit dem Felix Burda Award für die „beste Präventionsidee“ gegen Darmkrebs geehrt. Den mit 5.000 Euro dotierten Preis hat die AOK Rheinland/Hamburg gestiftet.

© Shawn Hempel - Fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krebs , Darmkrebs
 

Weitere Nachrichten zum Thema Darmkrebs

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
 
. Weitere Nachrichten
Die Corona-Warn-App wurde schon über 14 Millionen Mal heruntergeladen. Die Hauptrisikogruppe hat damit jedoch Probleme: Wenn Senioren überhaupt ein Smartphone haben, dann ist es oft zu alt für die neue Technologie. Eine Umfrage der Seniorenliga zeigt nun, warum viele ältere Nutzer die App nicht installieren.
 
 
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.