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Endometriose hat psychische und soziale Folgen

Donnerstag, 30. September 2021 – Autor:
Endometriose ist nicht nur sehr schmerzhaft, sondern hat auch psychische und soziale Folgen. Das sagt Dr. Zaher Halwani, Chefarzt der Gynäkologie am Vivantes Humboldt-Klinikum in Berlin-Reinickendorf.
Endometriose zeigt sich durch überaus starke Regelschmerzen

– Foto: Adobe Stock/GeorgPfluegl

Endometriose ist nicht nur sehr schmerzhaft, sondern hat auch psychische und soziale Folgen. Das erklärte Dr. Zaher Halwani, Chefarzt der Gynäkologie am Vivantes Humboldt-Klinikum in Berlin-Reinickendorf. Die Klinik verfügt über ein zertifiziertes Endometriose-Zentrum.

Die Unterleibserkrankung betrifft nur Frauen. Bei ihnen hat sich Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter angesiedelt, meistens im Bauchraum. Sind Eileiter oder Eierstöcke befallen, kann die Fruchtbarkeit Schaden nehmen.

Gebärmutterschleimhaut im Darm

Herde finden sich aber auch an anderen Stellen im Körper. So stellte sich eine Patientin bei Halwani vor, bei der sich Schleimhaut-Herde im Darm gebildet hatten. Auch in der Vagina ist das möglich. Einzig positive Nachricht: Die Ansiedelungen sind gutartig.

Die Beschwerden - hauptsächlich Schmerzen im Unterbauch - werden zyklusabhängig stärker und nehmen dann wieder ab, so wie sich die Schleimhaut in der Gebärmutter aufbaut und wieder abgestoßen wird.

 

Endometriose hat psychische und soziale Folgen

Hauptkennzeichen der Krankheit sind sehr starke Schmerzen während der Regelblutungen, teilweise auch während des Geschlechtsverkehrs. Die Regel-Schmerzen können so ausgeprägt sein, dass die Betroffenen nicht zur Schule oder zur Arbeit gehen können.

Die Patientinnen werden dann oft nicht ernst genommen und ihnen der Eindruck vermittelt, das sei nur vorgeschoben. Das hat psychische und soziale Folgen, betont Halwani. Die Lebensqualität und die Leistungsfähigkeit der Betroffenen sind beeinträchtigt, zugleich werden sie dann auch noch ausgegrenzt.

Schmerzen nicht hinnehmen

Er rät, Schmerzen nicht zu akzeptieren, sondern sich beim Frauenarzt vorzustellen, um das abzuklären. Weil viele Frauen das nicht tun, wird Endemetriose immer noch eher spät entdeckt. Bei einem Verdacht auf Endometriose wird zunächst eine Bauchspiegelung gemacht. Finden sich kleine Herde, können die dabei gleich entfernt werden.

Als Therapie bei größeren Herden an ungünstigen Stellen kommt eine Operation in Frage und/oder eine Behandlung mit Hormonpräparaten. Die dauert sechs Monate. Parallel dazu haben sich ergänzende Interventionen wie Sport, Yoga und Ernährungs- und Entspannungstherapie bewährt.

Oft bei Unfruchtbarkeits-Behandlung entdeckt

Entdeckt wird Endometriose häufiger, wenn Frauen sich wegen Unfruchtbarkeit behandeln lassen. Bei anderen ist das ein Zufalls-Befund während einer Operation. "Die haben mit den Schmerzen gelebt und das hingenommen", so der Berliner Gynäkologe. Die Ursachen für die Erkrankung sind nach wie vor unklar.

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