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Ende des Homeoffice: Der „umgekehrte Kulturschock”

Ab 1. Juli müssen Unternehmen kein Homeoffice mehr anbieten. In den vielen Monaten der Tele-Arbeit aber ist die Zeit nicht stehen geblieben: Mitarbeitende und Organisation haben sich während der Pandemie verändert. Psychologen stufen das Corona-Homeoffice als „kleinen Auslandsaufenthalt“ ein und geben Tipps, wie ein Kulturschock bei der Rückkehr ins Büro bewältigt werden kann.
Lustige Büroatmosphäre mit Coronamasken.

Manche freuen sich darauf, nach dem Ende des Homeoffice-Zeit wieder leibhaftig ihren alten Kolleginnen und Kollegen zu begegnen. Andere bedauern das Ende des stärker selbstbestimmten Arbeitens.

Auch wenn die gesetzliche Homeoffice-Pflicht erst im April als Teil des Infektionsschutzgesetzes beschlossen wurde: Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland arbeiten inzwischen seit über einem Jahr zuhause. Die jetzt für viele anstehende Rückkehr ins Büro bedeutet somit eine erneute Umstellung, die bei vielen Menschen von gemischten Gefühlen begleitet wird.

Freude auf persönlichen Austausch, Angst vor weniger Selbstständigkeit

Während sich die einen auf mehr Möglichkeiten zum persönlichen Austausch und weniger Bildschirm-Konferenzen freuen, befürchten andere den Verlust des selbständigen Arbeitens. „Eine große Sorge etwa ist, dass mit der Rückkehr ins Büro die Flexibilität und Selbstbestimmung aus dem Homeoffice wieder eingeschränkt werden könnten“, berichtet Annika Scholl vom des Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM) in Tübingen. Laut aktuellen Umfragen würden viele Beschäftigte auch in Zukunft gerne zumindest einige Zeit im Homeoffice arbeiten.

 

Nach der Pandemie ist nicht mehr alles wie davor

Hinzu kommt: Während der Abwesenheit ist die Zeit nicht stehen geblieben. Menschen wie Unternehmen haben sich im Laufe der Pandemie in Arbeitsweise und Arbeitsorganisation verändert. „Die Summe dieser Veränderungen allein legt nahe, dass die Rückkehr nicht selbstverständlich reibungslos verlaufen muss. Wenn dann die Erwartung hinzukommt, dass alles wieder so ist wie vor der Pandemie, können unangenehme Überraschungen und Enttäuschungen hinzukommen“, sagt Kai Sassenberg, Leiter der Arbeitsgruppe Soziale Prozesse am IWM.

Rückkehr nach der Pandemie: Der „umgekehrte Kulturschock"

Der Schritt vom Homeoffice zurück ins Büro lässt sich den Forschenden aus Tübingen zufolge mit der Erfahrung von Mitarbeitenden vergleichen, die nach einem Auslandsaufenthalt zurück in ihre „alte“ Unternehmenskultur kommen. „Viele erleben dabei den sogenannten umgekehrten Kulturschock“, sagt Psychologie-Professor Sassenberg. „Sie erwarten, dass sie in der alten Arbeitsumgebung nahtlos wieder anschließen können.“ Zwischenzeitlich hätten sich aber sowohl die Mitarbeitenden als auch die Organisation verändert. „Deshalb werden diese Erwartungen oft enttäuscht.“

Workshops, Events – und klare, aber flexible Absprachen

Wie also lässt sich die Rückkehr an den eigenen alten Arbeitsplatz für beide Seiten geschmeidiger gestalten? Für die Expertinnen und Experten aus Tübingen ist das wichtigste, die Übergangsphase gut vorzubereiten. „Workshops oder Events können den Start für die Arbeit im Büro bedeutungsvoll gestalten“, sagt Psychologin Scholl. „Auch explizite und revidierbare Absprachen helfen, Konflikte und Enttäuschungen zu vermeiden, wenn es um neue Normen in der Zusammenarbeit wie den Wegfall des Händeschüttelns geht.“ Unabhängig davon gehen die IWM-Expertinnen und Experten davon aus, dass das Ende der Homeoffice-Pflicht nicht mit der Rückkehr zur alten Normalität einher gehen: „Um diese Situation gut zu meistern, brauchen Menschen vor allem eins: Zeit, um wieder zusammenzufinden.“

Foto: AdobeStock/WavebreakMediaMicro

Autor: zdr
Hauptkategorie: Corona
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