. Therapieoptimierungs-Studie

Enddarmkrebs: Chemotherapie vor OP kann Vorteile haben

Die Standardbehandlung des Rektumkarzinoms (Enddarmkrebs) besteht aus Radiochemotherapie, Operation und noch einmal Chemotherapie. In einer Studie wurde die Chemotherapie nun vor die Operation gezogen: Die Therapieergebnisse waren etwas besser.
Enddarmkrebs, Chemotherapie wann?

Studie zu Enddarmkrebs: Ob die Chemotherapie vor oder nach der Operation gegeben wird, macht einen Unterschied

Das Rektumkarzinom ist Darmkrebs des letzten Darmabschnittes – dem Enddarm. Patienten mit dieser Diagnose müssen sich einer anspruchsvollen Therapie unterziehen. Zu allererst bekommen sie eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie. Mit der Radiochemotherapie soll der Tumor so verkleinert werden, dass möglichst wenig weggeschnitten werden muss. Dann wird der Tumor operiert. Und danach bekommen sie noch mal eine Chemotherapie. Mit dieser abschließenden Chemotherapie sollen eventuelle Mikrometastasen im Körper vernichtet werden. Die Standardbehandlung erfolgt in genau ebendieser Reihenfolge.

Therapieabfolge macht Unterschied

Wissenschaftler haben diese Reihenfolge nun geändert – in der Hoffnung, die Therapie beim Enddarmkrebs weiter zu verbessern. Die bundesweite Studie der German Rectal Cancer Study Group unter Leitung der Frankfurter Uniklinik zeigte, dass die Abfolge der Behandlungsschritte tatsächlich eine Rolle bei den Behandlungsergebnissen spielt. Erste Ergebnisse der CAO/ARO/AIO-12-Studie von Prof. Claus Rödel wurden kürzlich im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht. Die Deutsche Krebshilfe fördert diese Phase-3-Studie mit einer Gesamtsumme von 2,3 Millionen Euro.

 

Ergebnisse der Studie

Im Gegensatz zu der bisherigen Therapiekombination wurden bei der sogenannten Totalen neoadjuvanten Therapie (TNT) sowohl die Radiochemotherapie als auch die Chemotherapie vor der Operation angewendet. Neoadjuvant bezeichnet hier den Zeitpunkt vor der Operation. Die Wissenschaftler untersuchten zwei Varianten der neoadjuvanten Therapieschritte und kamen dabei zu deutlich verschiedenen Ergebnissen. 

Die adjuvante Chemo vor die Operation legen

Erfolgte zunächst die Chemotherapie, dann die Radiochemotherapie und zuletzt die Operation ergaben sich ähnliche Ergebnisse wie beim aktuellen Standardverfahren: Bei 17 Prozent der Behandelten – ähnlich den üblichen etwa 15 Prozent – zeigte der Tumor ein komplettes histopathologisches Ansprechen. Wurde jedoch die Radiochemotherapie vor der Chemotherapie durchgeführt, konnte die Erfolgsrate auf 25 Prozent erhöht werden – eine deutliche Verbesserung gegenüber der Standardtherapie.

„Die Studie liefert weltweit die ersten Daten, die die Wirksamkeit des innovativen TNT-Konzepts beim Rektumkarzinom unterstreichen“, sagt Prof.  Rödel. Und sie zeige, wie die multimodale Behandlung des Enddarmkrebses weiterentwickelt werden könne.

Foto: © doucefleur - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Darmkrebs , Chemotherapie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Darmkrebs

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Was bringt Yoga für die Gesundheit? Studien kommen bei dieser Frage zu unterschiedlichen Ergebnissen. Dennoch verdichten sich die Hinweise, dass Yoga insbesondere auf das Nervensystem, die Beweglichkeit und den Blutdruck positive Effekte haben kann.
Schenken macht Spaß – die meisten Menschen kennen das. Forscher konnten das sogar im MRT bestätigen und die hirnphysiologischen Grundlagen für den Zusammenhang zwischen Großzügigkeit und Glücksgefühl zeigen.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.