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EMA empfiehlt AstraZeneca-Vakzin weiter uneingeschränkt

Die Europäische Arzneimittelagentur bestätigte am Mittwoch einen Zusammenhang zwischen dem COVID-19-Impfstoff von AstraZeneca und den Hirnvenenthrombosen. Dennoch hat die Behörde entschieden, dass der Nutzen des Impfstoffs höher sei als seine Risiken. Die STIKO lässt sich indes von der Entscheidung nicht beeinflussen.
EMA-Chefin Emer Cooke am 7. April 2021: Brauchen den Impfstoff von AstraZeneca, um die Pandemie beenden

EMA-Chefin Emer Cooke am 7. April 2021: Brauchen den Impfstoff von AstraZeneca, um die Pandemie beenden

Am Mittwoch hat die Europäische Arzneimittelagentur ihre mit Spannung erwartete Entscheidung zum AstraZeneca-Impfstoff bekanntgegeben. Erstmals hat die Behörde nun offiziell einen kausalen Zusammenhang zwischen den schwerwiegenden Hirnvenenthrombosen und dem Vakzin namens Vaxzeria festgestellt. Doch bis auf die Anordnung, entsprechende Hinweise in den Beipackzettel aufzunehmen,  zieht die EMA keine Konsequenzen daraus.

EMA bewertet Nutzen größer als Risiko

Der Nutzen des Impfstoffs sei größer als seine Risiken, betonte die EMA-Vorsitzende Emer Cooke auf einer Pressekonferenz in Amsterdam. Ergo kann das AstraZeneca-Vakzin zulassungsgemäß weiterhin allen Personen über 18 Jahren verbreicht werden. Es gehe geht jetzt darum, diese Pandemie mit aller Kraft zu beenden, betonte Cooke am Mittwoch. „Dazu brauchen wir diesen Impfstoff.“

Die Prioritäten der EMA sind also klar: Es werden nachweisliche Impfschäden mit Todesfolge in Kauf genommen, um möglichst viele vor COVID-19 zu schützen. Das überrascht aus drei Gründen:

 

Was an der EMA-Entscheidung zweifeln lässt

Erstens sind die bislang bekanntgewordenen Hirnvenenthrombosen und Bauchvenenthrombosen fast ausschließlich bei jüngeren Frauen aufgetreten, zum Teil mit tödlichen Folgen. 86 solcher schweren Fälle lagen der EMA zur Prüfung vor (inzwischen liegt die Zahl der Meldungen bei über 130). So lange keine weiteren Risikofaktoren als das Alter bekannt sind, so lange muss mit weiteren lebensgefährliche Thrombosen bei jüngeren Geimpften gerechnet werden. Warum hat die EMA dann nicht Personen unter 60 Jahren von der Impfung mit AstraZeneca vorsorglich ausgeschlossen? So wie es Deutschland, Frankreich und andere Länder getan haben?

Zweitens gibt es in der EU drei weitere zugelassene Impfstoffe gegen Covid-19, die nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu solch fatalen Nebenwirkungen führen. Warum also ein lebensbedrohliches Risiko eingehen, wenn es mildere Mittel gibt, wie Juristen sagen?

Impfstoffe müssen sicher sein

Drittens werden an Impfstoffe besonders hohe Sicherheitsanforderungen gestellt. Das macht Sinn, denn man impft ja Gesunde. Von daher darf eine vorsorgliche Impfung nicht zu einem nachträglichen Gesundheitsschaden führen. Gerade jüngere Frauen haben ein vergleichsweise geringes Risiko für einen schweren oder tödlichen Covid-19-Verlauf.  Auch wenn das Risiko für eine Hirnvenenthrombose ebenfalls gering sein mag – die EMA beziffert es auf 1:100.000 – fällt das Kosten-Nutzen-Verhältnis für diese Zielgruppe zu ungunsten des Impfstoffs aus.

Die Parabel „Terror“ von Ferdinand von Schirach lehrt uns: Die Menschenwürde ist unantastbar. So darf ein Flugzeugt mit 164 Passagieren nicht abgeschossen werden, um 70.000 Menschenleben zu retten. Dieses 1 x 1 der Menschenrechte gilt aber offenbar nicht in der Pandemie, jedenfalls nicht für die EMA.

STIKO setzt auf Umschichtung der Impfstoffe: Haben Alternativen

Die Ständige Impfkommission in Deutschland folgt aus guten Gründen der EMA-Entscheidung nicht. Am Mittwoch bekräftigte der STIKO-Vorsitzende Thomas Mertens, an der Altersbeschränkung für AstraZeneca festzuhalten. Durch die Umschichtung der Impfstoffe, so Mertens, werde man bis Ende des Jahres voraussichtlich „200 solche Fälle verhindern.“

Eine respektable Entscheidung, die das Vertrauen in die deutschen Behörden stärken dürfte. Nicht aber das Vertrauen in AstraZeneca und erst recht nicht in die EMA.

Foto: ema

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Corona , Medizin
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