. Herzinsuffizienz

Eisenmangel bei Herzschwäche zu selten behandelt

Die Bedeutung von Eisenmangel bei Herzschwäche ist zwar eigentlich bekannt, dennoch wird ihr zu wenig Rechnung getragen. So erhält nur jeder zehnte Betroffene eine Substitutionstherapie mit Eisen, wie jüngste Auswertungen des RAID-HF-Registers zeigen.
Anämie bei Herzschwäche behandeln

Eisenmangel bei Herzschwäche ist gefährlich

Ein großer Teil der Patienten mit Herzschwäche (Herzinsuffizienz, HI) entwickelt im Laufe der Zeit einen Eisenmangel oder sogar eine Blutarmut (Anämie). Lange wurde dies unterschätzt, doch heute weiß man, dass sich ein zu geringer Eisengehalt im Blut bei von Herzschwäche betroffenen Patienten auf den Krankheitsverlauf und das Mortalitätsrisiko auswirken kann. So hat schon im Jahr 2009 ein Forscherteam der Charité in Berlin herausgefunden, dass die Gabe einer Eiseninjektion Herzschwäche-Patienten mit Eisenmangel helfen kann, selbst wenn bei diesen keine Blutarmut vorliegt. Die Substitution mit Eisenpräparaten ging auch mit einer verbesserten Leistungsfähigkeit einher.

Herzschwäche-Patienten: Nur jeder zehnte erhält Eisentherapie

Obwohl dies bekannt ist, erhalten immer noch zu wenig Patienten mit Herzschwäche und Eisenmangel eine Eisentherapie. Das geht aus Daten der RAID-HF-Studie (Registry analysis of iron deficiency in heart failure) hervor, die beim Kongress der Europäischen Kardiologischen Gesellschaft (ESC) in London vorgestellt wurden. Für die Studie wurden 671 Patienten mit Herzinsuffizienz an 16 deutschen Zentren untersucht. Es zeigte sich, dass nur jeder zehnte HI-Patient mit Eisenmangel eine Eisen-Substitutionstherapie erhielt. Zudem erhielten die meisten mit Eisen behandelten Patienten Eisenpräparate zum Einnehmen, nur gut zwei Prozent erhielten die wirksamere intravenöse Eisentherapie.

Die Studienergebnisse unterstreichen auch den Stellenwert der Anämie bei Herzschwäche-Patienten. Bei 56 Prozent der Betroffenen wurde ein Eisenmangel nachgewiesen, von ihnen hatten 38,5 Prozent auch eine Anämie. Bei den Patienten ohne Eisenmangel wiesen nur 25 Prozent eine Blutarmut auf. „Das Bestehen einer Anämie war ein signifikanter Prognosefaktor für die Ein-Jahres-Sterblichkeit“, wie Studienautor Dr. Harm Wienbergen aus Bremen betont. Bei den Probanden mit Eisenmangel, aber ohne Anämie war die Sterblichkeit hingegen nicht signifikant erhöht.

 

Blutarmut erhöht Sterblichkeitsrisiko

Bei einer weiteren Analyse, die 331 Patienten mit stabiler chronischer Herzschwäche einschloss und die Auswirkungen von Anämie und Eisenmangel auf die körperliche Leistungsfähigkeit und Sterblichkeit untersuchte, zeigte sich zudem, dass die körperliche Leistungsfähigkeit mit dem Eisenmangel deutlich abnimmt und sich bei zusätzlicher Anämie noch weiter verschlechtert. Insgesamt verstarben in dieser Studie 91 Teilnehmer während einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 18 Monaten. 40 der Verstorbenen waren anämisch und 47 hatten einen Eisenmangel. Auch hier zeigte sich also, „dass die Anämie ein unabhängiger Prognosefaktor für das Versterben ist“, wie Studienautorin Dr. Nicole Ebner aus Berlin betonte. Die Gegenwart kleinzelliger („mikro-zytärer“) Anämie zeigte sogar ein vierfach höheres Sterblichkeits-Risiko.

Herzschwäche ist eine der häufigsten Ursachen für Krankenhausaufenthalte und ist bei Männern die vierthäufigste, bei Frauen sogar die zweithäufigste Todesursache. In Deutschland leiden etwa 1,4 Millionen Menschen unter einer Herzinsuffizienz; jedes Jahr kommen etwa 160.000 Neuerkrankungen hinzu. Heilbar ist eine chronische Herzschwäche nicht, doch die richtige Behandlung kann dem Patienten für lange Zeit eine gute Lebensqualität sowie weitgehende Beschwerdefreiheit ermöglichen.

Foto: © diego1012 - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Herzschwäche

| Übergewicht scheint ein großer Risikofaktor für Herzschwäche zu sein. Charité-Forscher konnten zeigen, dass Fettsäuren des Körperfetts den Stoffwechsel so ungünstig beeinflussen, dass das Herz Schaden nimmt. Doch es gibt auch eine gute Nachricht.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Die Regierungen der Welt sollten sich ernsthaft auf eine globale Pandemie vorbereiten, die zig Millionen Todesopfer fordern könnte. Das ist die Kernaussage eines Berichts von WHO und Weltbank. Doch offenbar sind die Vorsichtsmaßnahmen aktuell völlig unzureichend.
Alzheimer ist eine Erkrankung, die auch bei den Mitmenschen viele Unsicherheiten hervorruft. Oft wissen Angehörige oder Bekannte nicht, wie sie mit den Betroffenen umgehen sollen. Am Weltalzheimertag rufen Experten daher zu Verständnis und Toleranz gegenüber Alzheimer-Erkrankten auf.
Wenn Kinder unter Diabetes leiden, handelt es sich in der Regel um einen Diabetes Typ 1, obwohl auch der Typ 2 immer häufiger auftritt. Ein großes Problem ist, dass die ersten Symptome eines Diabetes Typ 1 oft nicht erkannt werden. Diabetologen fordern daher mehr Aufklärung bei den Eltern.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Gesundheitsakademie, Oudenarder Straße 16, 13347 Berlin
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.
Das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners hat in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt. Die giftigen Brennhaare der Raupen können aber auch sprichwörtlich ins Auge gehen. Am Universitätsklinikum Münster mussten diese Woche sechs Menschen am Auge operiert werden. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet, was vorgefallen ist.