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Einzelnes Implantat sorgt für Halt der Zahnprothese

Ein einzelnes Implantat im Unterkiefer kann der Zahnprothese Halt geben. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie Kieler Wissenschaftler. Die dritten Zähne werden mit einem Druckknopf fixiert.
Zahnimplantat

Zahnimplantat im Unterkiefer. Die Schraube sitzt im Knochen.

Trotz aller Erfolge in der Prävention von Zahnerkrankungen ist immer noch ein hoher Anteil der 65- bis 74-Jährigen in Deutschland in einem oder beiden Kiefern zahnlos. Sie benötigen eine Prothese. Doch die ist auf dem zahnlosen Kieferkamm schwierig zu befestigen.

„Vor allem im zahnlosen Unterkiefer sind Halt und Funktion von Totalprothesen, die nicht verankert werden, häufig unbefriedigend und können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen“, sagt Prof. Matthias Kern, Direktor der Klinik für Zahnärztliche Prothetik, Propaedeutik und Werkstoffkunde des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel.

Ein Implantat sorgt für Halt der Zahnprothese

International gilt heute eine auf zwei Implantaten verankerte, abnehmbare Zahnprothese als Standardtherapie für den zahnlosen Unterkiefer. Doch viele Patienten können sich diese Therapieform nicht leisten, da die Kosten für Implantate in Deutschland nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.

Um Kosten und Aufwand der Implantation im zahnlosen Kiefer von Senioren zu verringern, untersucht die Uniklinik seit 2012 im Rahmen einer Studie, ob die Verankerung einer Totalprothese über ein einzelnes zentrales Implantat in der Unterkiefermitte eine sinnvolle Alternative darstellen kann. Um der herausnehmbaren Zahnprothese Halt zu geben, wird sie mittels einer Druckknopfverankerung am Unterkiefer fixiert.

 

Verankerungsstift wird in die Mitte des Unterkiefers eingepflanzt

Der dafür notwendige Verankerungsstift wird in der Mitte des Unterkiefers minimalinvasiv eingepflanzt. „Die bisherigen Studienergebnisse weisen darauf hin, dass diese Methode auch nach einem Zeitraum von fünf Jahren zu einer Verbesserung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität und der objektiven Kaufunktion führt“, sagt Studien-Leiter Prof. Kern in einer Mitteilung.

Die entsprechende Untersuchung wurde jetzt in der Fachzeitschrift Journal of Dental Research veröffentlicht. Sie kann nun um drei weitere Jahre fortgeführt werden, da die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Förderung verlängert hat.

Patienten mit Unterkieferprothese für weitere Studie gesucht

Zugleich betreibt die Klinik weitere Studien, um die Versorgung von Patienten mit Vollprothesen weiterzuentwickeln und zu optimieren. Prof. Kern und sein Team suchen derzeit zahnlose Personen ab 50 Jahren, die trotz klinisch adäquat gestalteter Totalprothesen mit dem Sitz ihrer Unterkiefertotalprothese unzufrieden sind.

Im Rahmen der Studie erhalten die Patienten in einem chirurgischen Eingriff drei Implantate im Unterkiefer. Anschließend wird die Vollprothese zunächst an einem Implantat befestigt, nach drei Monaten an zwei Implantaten und nach einem halben Jahr an allen drei Implantaten. Dadurch wollen die Forscher herausfinden, wie die Anzahl der im zahnlosen Unterkiefer eingesetzten Implantate die Kaueffektivität beeinflusst. Die teilnehmenden Patienten erhalten die Versorgung zu deutlich vergünstigten finanziellen Bedingungen. Infos und Anmeldung über Oberärztin Dr. Nicole Passia, Mail: npassia@proth.uni-kiel.de, Tel.: 0431 500-26401 oder -26402 (Sekretariat).

Foto: crevis/fotolia.com

Autor: bab
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