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Eine halbe Million PCR-Tests für Kolumbien

Montag, 27. Dezember 2021 – Autor:
In Kolumbien hat sich die Coronavirus-Variante „My“ stark ausgebreitet. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit stellt dem Land nun ein halbe Million PCR-Tests zur Verfügung. Know-how liefert die Charité.
My-Variante im Blick: Charité-Experten unterstützen Kolumbien bei der SARS-CoV-2-Diagnostik

My-Variante im Blick: Charité-Experten unterstützen Kolumbien bei der SARS-CoV-2-Diagnostik – Foto: © Adobe Stock/ BASILICOSTUDIO STOCK

Während Deutschland einer Omikron-Welle entgegenblickt, hat Kolumbien ganz andere Sorgen. In dem lateinamerikanischen Staat breitet sich seit Jahresbeginn die sogenannte My-Variante aus. My steht unter Beobachtung der Weltgesundheitsorganisation und unter dem Verdacht, schlechter vom Immunsystem erkannt zu werden als die ursprüngliche SARS-CoV-2-Variante. Das My-Virus wurde inzwischen in Dutzenden Ländern der Erde entdeckt, insbesondere auch in den USA.

In Kolumbien gibt es aber keine kommerziell erhältlichen Coronavirus-Tests, die neben der Feststellung einer Infektion auch darüber Auskunft geben können, ob diese auf My oder eine andere zirkulierenden Variante zurückzuführen ist.

Projekt „SI Frontera“ hilft bei der Infektionskontrolle

Hilfe soll nun aus Deutschland kommen. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) stellt dem Land ab dem neuen Jahr eine halbe Million PCR-Tests zur Verfügung. Die Tests sollen insbesondere für die Diagnostik in Aufnahmegemeinden von Geflüchteten im Raum Botogá und der Grenzregion zu Venezuela eingesetzt werden. Wegen der prekären Lebensbedingungen sind die Menschen dort besonders gefährdet für Infektionskrankheiten. Die Charité ist an dem zwei Millionen Euro Projekt „SI Frontera“ beteiligt.

Ziel sei ein besserer Einblick in das Pandemiegeschehen unter Geflüchteten, sagt Prof. Dr. Jan Felix Drexler, Leiter des Projekts vom Institut für Virologie der Charité mit Blick auf mehrere Millionen Geflüchtete in Kolumbien, darunter 1,8 Millionen Menschen aus Venezuela. „Aufgrund ihrer Mobilität tragen sie jedoch auch zur Verbreitung von Krankheitserregern bei. Insbesondere in der aktuellen Pandemie kann ein starkes Infektionsgeschehen in den mobilen Bevölkerungsgruppen das Gesundheitssystem des Gastlandes erheblich belasten. Sowohl für die Bekämpfung der Pandemie als auch zum Schutz der Geflüchteten ist es deshalb wichtig, das Infektionsgeschehen mit verlässlicher Diagnostik gut zu beobachten.“

 

Neue PCR-Tests sollen Virusvarianten bestimmen

Das Projektteam plant deshalb, einen neuen PCR-Test zu entwickeln, der neben My auch für Kolumbien besonders relevante Virusvarianten wie Beta, Delta und Lambda gleichzeitig erkennen kann. Und perspektivisch auch Omikron. Laut dem Virologen Felix Drexler soll es damit möglich sein, innerhalb von 90 Minuten anhand von nur einer Abstrich-Probe herauszufinden, ob eine Person mit SARS-CoV-2 infiziert ist und, wenn ja, mit welcher Virusvariante. Zusätzlich wird das Team der Charité den lokalen Behörden Antikörper-Tests zur Verfügung stellen. Sie geben anhand von Blutproben Aufschluss darüber, wie weit SARS-CoV-2 sich bereits verbreitet hat.

Viruskontrolle nützt auch anderen Ländern

Die Charité-Experten werden außerdem die kolumbianischen Gesundheitsbehörden in der Durchführung der Tests und der Arbeit mit dem infektiösen Virus schulen. „Mit den Labormaterialien und durch Qualifizierung des Personals werden die lokalen Behörden darüber hinaus bestimmen können, welche Virusvarianten aktuell zirkulieren und ob die Impfungen dagegen wirksam sind“, sagt Drexler. „Das wird der Politik vor Ort als wichtige Grundlage für die Ergreifung oder Einstellung von Maßnahmen dienen, aber auch essenzielle Daten für die globale Bekämpfung der Pandemie liefern – wie uns das Beispiel Omikron gerade vor Augen geführt hat." Schließlich und endlich sei das Projekt also auch ein Beitrag zur öffentlichen Gesundheit hier bei uns in Deutschland und Europa, so der Virologe.

Hauptkategorien: Corona , Medizin
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