. Pflege

Ein neuer Anlauf für die Pflegereform?

Das Kuratorium Deutsche Altershilfe und die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung fordern in einem gemeinsamen Papier die zügige Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs, zeitgleich fordert SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück eine große Pflegereform und eine bessere Bezahlung der Pflegekräfte. Wird die Pflege zum zentralen Thema im Wahlkampf?

Bessere Pflege und mehr Möglichkeiten für ein eigenständiges Leben im Alter

„Gute Pflege vor Ort“ und ein „Recht auf eigenständiges Leben im Alter“ – gleich im Titel setzt das gemeinsame Papier von Friedrich-Ebert-Stiftung und Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) die Eckpfeiler, die ein Gesamtkonzept einer neu gewählten Bundesregierung für die Pflege zu erfüllen hat. Die Autoren unter der Leitung des KDA-Vorsitzenden Dr. Jürgen Gohde fordern leistungsfähige, vernetzte, inklusionsorientierte Versorgungslandschaften, die Stärkung der Steuerungsfähigkeit und Rückgewinnung der Gestaltungsfähigkeit der Kommunen und zukunftsfähige personalwirtschaftliche Modelle.

Gohde mahnte angesichts der demografischen Herausforderungen Entschlossenheit und Tatkraft für überzeugende, durchgreifende Verbesserungen in der Pflege an. Die Versorgung Pflegebedürftiger gehöre ins Zentrum der Gesellschaft. Von einer künftigen Bundesregierung forderte Gohde ähnliche Anstrengungen, wie die zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die jetzt zum Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz geführt haben.

Zukunft der Pflege liegt im Quartier

„Es muss jetzt gehandelt werden, damit die Gestaltungsmöglichkeiten erhalten bleiben“, so der KDA-Vorsitzende. Gemeinden, Landkreise und Städte aber auch Wohnungsbauunternehmen seien gefordert, auf die steigenden Pflegezahlen zu reagieren. Die Autoren verstehen ihr Papier auch als Blaupause für ein milliardenschweres Investitionsprogramm, mit dem in den kommenden 15 Jahren ausreichend altersgerechte Wohnungen entstehen sollen, um so viele Menschen wie möglich zu Hause pflegen zu können.

Ebenso wie SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück sieht auch Gohde eine Erhöhung des Beitragssatzes zur Pflegeversicherung um 0,5 Prozentpunkte als notwendig an. Dadurch würden sechs Milliarden Euro zusätzlich ins System fließen, um Demenzkranke besser zu betreuen und für die künftigen Pflegekräfte das bislang fällige Schulgeld abschaffen zu können, das im Schnitt bei monatlich 125 Euro liegt. Zudem sollen Pflegekräfte künftig besser bezahlt werden, so Steinbrück.

Mehr Geld für Pflegekräfte

Die Autoren von KDA und Friedrich-Ebert-Stiftung fordern: „Pflege darf kein prekärer Bechäftigungssektor sein.“ Peer Steinbrück warf Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vor, mit seinen Griffen in den Gesundheitsfonds indirekt Druck auf die Löhne der in den Krankenhäusern beschäftigten Pflegekräfte ausgeübt zu haben.

Um pflegende Angehörige zu unterstützen, fordern die Autoren des Pflege-Leitbildes von der Bundesregierung, die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf massiv zu unterstützen und arbeitsrechtlich abzusichern. „Mittelfristig liegt hierin ein großer gesamtwirtschaftlicher Vorteil“, betonte Gohde : „Eine Demenzerkrankung dauert durchschnittlich sieben Jahre, davon verbringen die Patienten ein halbes Jahr im Pflegeheim.“

Der evangelische Theologe Dr. Jürgen Gohde, ehemaliger Chef des Diakonischen Werkes und jetzt KDA-Vorsitzender, war auch Stichwortgeber für den „Pflegereport 2030“ der Bertelsmann-Stiftung und sollte eine  zentrale Rolle beim Umbau der Pflegeversicherung spielen. Als Vorsitzender des Pflegebeirats der Regierung warf er jedoch im Herbst 2011 das Handtuch wegen der fehlenden politischen Vorgabe, in welchem Umfang zusätzliche Mittel für die Pflege ausgegeben werden sollen.

Foto: © Robert Kneschke - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Pflege

Weitere Nachrichten zum Thema Pflege

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
. Top-Fortbildungen
. Top-Termine
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Interviews
Die Hausärzte im Seeheilbad Büsum waren damals alles Männer im oder kurz vorm Rentenalter, ihre Einzelpraxen wollte niemand übernehmen. Um einen Zusammenbruch der medizinischen Versorgung zu verhindern, rang sich die Gemeinde dazu durch, selbst als Trägerin der örtlichen Arztpraxis aufzutreten – als erste bundesweit. In dem kommunalen Eigenbetrieb arbeiten heute fast nur junge Ärztinnen. Wie das ging und welche weiteren Modelle es gibt gegen den Ärztemangel auf dem Land, erzählt Initiator Harald Stender drei Jahre nach Gründung des Pioniermodells.