. Diskussionsrunde auf dem Demographiekongress

Ein Go für die Gesundheitsförderung

Das Thema Betriebliche Gesundheitsförderung steht im Bundesgesundheitsministerium ganz oben auf der Agenda. Das bestätigte Regina Kraushaar, Abteilungsleiterin Pflegesicherung und Prävention im BMG. Nach drei Anläufen für ein Präventionsgesetz sei das Präventionsgesetz 4.0 definitiv in Arbeit.

Hoch im Kurs in den Betrieben: Gesundheitsförderung.

„Bei dem Entwurf, an dem wir gerade schreiben, ist sehr zentral, ob es innovative Ansätze gibt. Was bietet das Setting Betrieb an innovativen Handlungsansätzen? Wo liegen die Herausforderungen“, so Kraushaar. Schon Kinder litten an Lebensstil-bedingten Krankheiten. „Mit früh einsetzenden Maßnahmen, kann man dazu beitragen, dass solche Krankheiten überhaupt nicht erst auftauchen“, ist die Abteilungsleiterin sicher. Deshalb setze sie auf die außerfamiliären Lebenswelten Kita, Schule sowie Betrieb. „Ein großes Thema ist für uns auch die Verhinderung von psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz .Erfreulich ist, dass viele Betriebe dieses Potenzial bereits erkannt haben .“ BGF sei vielerorts kein Nice-to-have, sondern im betrieblichen Alltag verankert. „Jedoch besteht ein Nachholbedarf bei den kleineren und mittleren Betrieben! Im Präventionsgesetz wird es insgesamt darauf gehen, mit den Maßnahmen die KMU besser zu erreichen – wir denken da zum Beispiel auch an eine Unterstützung der Netzwerkbildung der Krankenkassen und den örtlichen Unternehmens(verbänden)“, so Kraushaar. 

Der Return on invest ist belegt – laute einigen Studien ist die BGF mehr als rentabel

Christian Klose, Geschäftsführer Markt der AOK Nordost bestätigte, dass er Bedarf an BGF steige – und die Ausgaben der Krankenkassen ebenfalls: 46 Mio. Euro hätten die gesetzlichen Krankenkassen im vergangenen Jahr ausgegeben – die AOK alleine 22 Mio. davon. „BGF/BGM ist aber auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, so Klose. Häufig werde die AOK von Betrieben dann gerufen, wenn die AU-Tage hoch sind. Klose: „Das Erkennen von Handlungsnotwendigkeit führt aber nicht notwendig zum Handeln – und sie sind langwierig und bedeuten eine kulturelle Veränderung im Unternehmen. Mittlerweile, so der AOK-Experte belegten Studien den Return of Invest – von mindestens 1:4 bis 1:10. „Da ist eher das Emotionale das Hemmnis: Man muss BGF zur Chefsache machen“, forderte Klose. 

Franz Knieps, Vorstand BKK-Dachverband machte klar, dass auch dafür gesorgt werden müsse, dass vorhandenes Know-how der Kassen und Betriebe in die Fäche transportiert wird– zum Beispiel durch Branchenstrategien. Hier bedürfe es Kooperationen mit IHKn und Sozialpartnern vor Ort. Knieps: „Es kann ja nicht sein, dass wir auf der einen Seite Leuchttürme haben, aber auf der anderen Seite die Lichter verdunkelt werden.“ 

Doris Bartelmes, Leiterin der Abteilung Arbeit, Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie, Rheinland-Pfalz, erläuterte das Programm ihres Landes zur Fachkräftesicherung in der Altenhilfe: „Über 40 Prozent des Fachkräftemangels in der Altenpflege könnten behoben werden, wenn es weniger unfreiwillige Teilzeit gäbe“, erklärte Bartelmes. Aus dieser Kenntnis heraus seien mehrere Projekte entstanden, mit dem Ziel, die ambulanten und stationären Einrichtungen der Altenhilfe in der Herstellung besserer Arbeitsbedingungen zu unterstützen. Unter anderem unterstütze das Land die teilnehmenden Einrichtungen mit 50 kostenfreien ganztägigen Beratungen und 10 regionalen Workshops. Das bisherige Fazit: „Was wir wollten, eine Welle zu initiieren, haben wir erreicht – aber es bestehen immer noch viele Vorbehalte!“

Wichtige Bedingung für die Etablierung der BGF: genug finanzielle Mittel! 

Philippe Bopp, Geschäftsführer der machtfit GmbH, einer Plattform, die Betriebe und ihre Mitarbeiter über Maßnahmen und Möglichkeiten zur Gesundheitsförderung informiert, zeigte sich zuversichtlich, dass Betriebliche Gesundheitsförderung immer mehr Betriebe und Mitarbeiter erreicht: „75 Prozent der Mitarbeiter der Betriebe, die bei uns mitmachen, sind auf der Plattform registriert – 33 Prozent haben bereits ein Angebot gebucht. „Wir müssen aber die Betriebe noch besser darüber aufklären, dass sie einen steuerlichen Vorteil durch die BGF geltend machen können – und wir brauchen innovativere Angebote“, forderte der junge Unternehmer. 

Die BGF auf einem guten Weg, schlussfolgerte Moderator Rolf Stuppardt, Herausgeber der Welt der Krankenversicherung. Eine ganz wichtige Bedingung sei aber, dass für die BGF auch entsprechende Mittel zur Verfügung gestellt würden. Hier schlugen Franz Knieps und Christian Klose unisono vor, dass es einen Bonus für Betriebe und auch Mitarbeiter rein für die Teilnahme an einer BGF-Maßnahmen geben könnte. „Das wäre sicherlich ein erster guter Schritt.“ 

Foto: Fotolia

Autor: Cornelia Wanke

Weitere Nachrichten zum Thema Betriebliche Gesundheitsförderung

| Wie wichtig ist den Unternehmen das Betriebliche Gesundheitsmanagement? Das wollte die Techniker Krankenkasse (TK) wissen. Ihre aktuelle Studie zeigt, dass es noch viel Nachholbedarf gibt. Vor allem die Veränderungen durch die digitale Transformation stellen die Betriebe vor große Herausforderungen.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Die Milchzähne fallen irgendwann aus. Doch auch sie müssen gut gepflegt werden, denn sie sind wichtig für den gesunden Start der bleibenden Zähne. Das sagen Experten zum Tag der Mundgesundheit am 25. September.
Achtsamkeitsübungen können dazu beitragen, dass Menschen mit riskantem Alkoholkonsum ihre wöchentliche Trinkmenge deutlich reduzieren. Bereits wenige Minuten Training pro Tag reichen einer Studie zufolge aus, um dem Verlangen nach Alkohol besser widerstehen zu können.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender

Klinikum Ernst von Bergmann, Campus Charlottenstraße 72, 14467 Potsdam
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.