. Sensation bei der Fußball-WM

Ein Gelähmter wird wohl den offiziellen Anstoß vornehmen

Ein Gelähmter wird den ersten Anstoß der bevorstehenden Fußball-WM vornehmen und damit für ein kleines Wunder sorgen. Mit der Aktion wird der Welt erstmals ein neuartiges Exoskelett vorgestellt.

Außergewöhnlicher Anstoß. Ein Gelähmter könnte den ersten Ball spielen.

Den ersten zeremoniellen Anstoß bei der Eröffnungsfeier der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien werden Millionen von Zuschauern vor den heimischen Fernsehgeräten und den Leinwänden der Public-Viewing-Plätze sehen. Damit wird ein von der Hüfte abwärts gelähmter Mensch im Roboteranzug zu einem kleinen Star. Mit seinem Anstoß bei der Fußball-WM wird er auch den Beginn einer neuen Ära in der Medizin einläuten.

Exoskelett: Gedankengesteuerter Anzug

Möglich wird dies durch ein gedankengesteuertes Exoskelett. Entwickelt wurde die revolutionäre Technik vom "Walk Again Project" (WAP), einem Zusammenschluss von 200 Wissenschaftlern. Seit 2008 arbeiten sie daran, gelähmten Menschen das Laufen wieder zu ermöglichen. Jetzt, zum WM-Eröffnungsspiel, wollen sie der Welt beweisen, dass dieser Traum zum greifen nah ist.

 

Wissenschaftler ist sicher, der Anzug könnte den Rollstuhl ablösen

Um den Anzug zu kontrollieren, muss der Steuernde einen Helm mit zahlreichen kabellosen Elektroden tragen. Mit deren Hilfe wird ein Elektroenzephalogramm, ein Bild der summierten elektrischen Aktivität des Gehirns, erstellt. Die Signale werden an einen Computer weitergeleitet, der als eine Art Rucksack in den Anzug integriert ist. Dort werden sie dekodiert und als Befehle an die hydraulischen Motoren weitergeleitet. Die nötige Energie kommt von einer im Anzug befindlichen Batterie und reicht für zwei Stunden anhaltende Aktivität.

Unter den Füßen des Anzugträgers sind Platten angebracht, die mithilfe von Sensoren die Berührungen mit dem Boden wahrnehmen. Bei jedem Schritt werden Signale an zwei, in den T-Shirt-Ärmeln eingenähte, Geräte gesendet, die daraufhin kurz vibrieren. So wird dem Hirn des Trägers vorgegaukelt, den Boden mit den eigenen Füßen wahrzunehmen. Ein Trick, der anscheinend funktioniert. Viele der Probanden haben schon nach kurzer Zeit das Gefühl, dass die Maschine ein Teil von ihnen ist. Derzeit trainieren neun Menschen im Alter von 20 bis 40 mit dem Exoskelett. Wie der Chefentwickler des WAP, Miguel Nicolelis, auf seiner Facebookseite bekannt gibt, ist einer der Probanden schon bereit für die große Präsentation in São Paulo. 

Der Wissenschaftler ist sich sicher, dass die von seinem Team entwickelte Technik schon bald Rollstühle ablösen werde. Der Vorführung zur WM-Eröffnungszeremonie scheint nichts mehr im Wege zu stehen. Die Befürchtung, Strahlungen von Mobiltelefonen könnten die Steuerung des Anzugs beeinträchtigen, hat sich kürzlich in Feldversuchen in brasilianischen Fußballstadien als unberechtigt erwiesen.

Foto: Lars Kimpel - Fotolia.com

Autor: Cornelia Wanke
 

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