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25.08.2018

Ehemalige Psychiatriepatienten helfen akut Betroffenen

Menschen, die selbst eine schwere psychische Erkrankung hinter sich haben, können anderen Betroffenen auf dem Weg zu Gesundung helfen. Das bestätigt eine Studie britischer Forscher, die in der Fachzeitschrift „Lancet“ veröffentlicht wurde.
Peer Support, Psychiatrie, Drehtüreffekt

Peer Supports können dazu beitragen, den Drehtüreffekt in der Psychiatrie zu reduzieren

Die Wiederaufnahmequote für Patienten in psychiatrischen Kliniken ist in Deutschland sehr hoch. Auch in Großbritannien kommen mehr als die Hälfte der Psychiatriepatienten innerhalb eines Jahres wieder in die Klinik. Wissenschaftler vom Division of Psychiatry am University College London untersuchten nun Möglichkeiten, diesen sogenannten Drehtüreffekt zu reduzieren.

Für ihre Studie beobachteten die Forscher um Sonia Johnson den Werdegang von über 400 Menschen mit psychiatrischen Störungen, die von einem Krisenbewältigungsteam entlassen worden waren. Die Probanden litten unter Erkrankungen wie Schizophrenie, bipolarer affektiver Störung, Psychosen, Depressionen, Angststörungen, posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) und/oder Persönlichkeitsstörungen. Die Wissenschaftler wollten die These bestätigen, dass ein sogenannter „Peer Support“ durch andere Patienten, die bereits eine psychische Krise und einen Aufenthalt in der Psychiatrie hinter sich haben, den Betroffenen auf ihrem Weg der Gesundung hel

Peers geben ihre eigenen Erfahrungen weiter

Während des Studienzeitraums setzten alle Teilnehmer ihre „normale“ Behandlung fort. Zusätzlich erhielten sie entweder ein persönliches Genesungsheft oder einen Peer Support und das Heft. In diesem wurden unter anderem persönliche Genesungsziele oder Frühwarnzeichen für Rückfälle vermerkt. Diejenigen Probanden, die einen Peer Support erhielten, konnten über zehn Wochen lang einmal pro Woche eine Sitzung mit einem anderen ehemaligen Psychiatriepatienten verbringen. Deren Aufgabe bestand darin, zuzuhören sowie eine hoffnungsvolle Perspektive zu vermitteln, indem sie von Fähigkeiten und Bewältigungsstrategien, die sie selbst während ihrer Genesung gelernt hatten, berichteten. Auf ihre Tätigkeit waren die Peers selbstverständlich vorbereitet worden.

 

Ehemalige Patienten sind oft glaubwürdiger für akut Betroffene

Wie sich zeigte, war nach einem Jahr die Wiederaufnahmequote in einem Krankenhaus bei der Supportgruppe geringer als in der Kontrollgruppe, und zwar mit 29 zu 38 Prozent. Ehemalige Patienten, so Studienleiterin Johnson, könnten Unterstützung und Ermutigung bieten, die besonders warmherzig und einfühlsam sei, weil sie auf persönlichen Erfahrungen beruhe.

Schon in anderen gesundheitlichen und sozialen Bereichen hat sich die Unterstützung von Betroffenen durch Betroffene bewährt. Besonders im psychiatrischen Bereich kann der ähnliche Erfahrungshintergrund dazu beitragen, dass sich die akut Betroffenen besser verstanden fühlen. Zudem können ihnen Menschen, die ähnliches durchlebt haben und wieder gesund wurden, am besten Hoffnung und den Glauben an Veränderung und Weiterentwicklung vermitteln – etwas, dass gerade Menschen in psychischen Krisen oft nicht mehr haben.

Foto: © Photographee.eu - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
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