. Ursachenfindung

EHEC und die Detektive

Mit "Rezeptbasierten-Restaurant-Kohortenstudie" machte das Robert Koch-Institut Sprossen als die wahrscheinliche Ursache des EHEC-Ausbruchs ausfindig, noch bevor am Freitag, 10. Juni der EHEC-Erreger O104:H4 erstmals auf dem verdächtigen Gemüse nachgewiesen werden konnte. Dank der Detektivarbeit der Berliner Experten gilt der Täter nun als überführt.
EHEC und die Detektive

RKI-Präsident Reinhard Burger: „Es sind die Sprossen“ (Foto: Ossenbrink

 

Am Anfang standen Salatbars unter Verdacht. Um die für den EHEC-Ausbruch in Frage kommenden Gemüsesorten aber einzugrenzen und weniger abhängig vom Erinnerungsvermögen der befragten Patienten zu sein, hatte das RKI so genannte Rezeptbasierte-Restaurant-Kohortenstudien eingeleitet. Epidemiologisch war es dadurch möglich die Ursache des Ausbruchs mit grosser Wahrscheinlichkeit auf den Verzehr von Sprossen aus Niedersachsen einzugrenzen. "Es sind die Sprossen", sagte RKI-Präsident Reiner Burger, am Freitag, 10. Juni, auf einer Pressekonferenz in Berlin. Kurz darauf wurde der gefährliche EHEC-Erreger vom Serotyp O104 auf Sprossen des verdächtigen Biohofs erstmals nachgewiesen.

Detektivarbeit der RKI-Mitarbeiter

In mühevoller Detektivarbeit war es den Berliner Epidemiologen gelungen, dem Ausbruchsherd auf die Schliche zu kommen. Die Wissenschaftler befragten 112 Menschen aus fünf Reisegruppen, die alle im selben Restaurant gegessen hatten. 19 von ihnen waren hinterher an EHEC erkrankt. Dabei befragten die Experten nicht nur die Restaurantbesucher, sondern ermittelten anhand der Bestelllisten und Abrechnungsdaten, welche Menüs die Mitglieder der Reisegruppen bestellt hatten. Zugleich wurde die Küche des betroffenen Restaurants detailliert befragt, wie genau welches Menü zubereitet wurde und welche Mengen welcher Zutat in welchem Menü enthalten waren. Ergänzend wurden Fotos der Reisegruppen ausgewertet, um zu belegen, welche Lebensmittel und Garnierung sich auf den Tellern befanden.

All diese Informationen werteten die RKI-Mitarbeiter in einem Kohortenansatz aus, der es erlaubt, retrospektiv das relative Erkrankungsrisiko für Restaurantkunden zu berechnen. Hierbei ergaben die aktuellen Analysen, dass Kunden, die Sprossen verzehrt hatten, ein 8,6-fach höheres Risiko hatten an blutigem Durchfall oder durch Labornachweis bestätigten EHEC/HUS zu erkranken als Kunden, die dieses Lebensmittel nicht verzehrt hatten. Zudem konnte auf diese Weise auch dargelegt werden, dass von den insgesamt in diese Studie erfassten Fällen 100% Sprossen verzehrt hatten. Der Verdacht des RKI wurde durch weitere Cluster-Analysen erhärtet. Die Vertriebswege von Sprossen aus dem niedersächsischen Gartenbaubetrieb können bislang 26 von 55 Erkrankungshäufungen bzw. Einzelerkrankungen von EHEC O104:H4 in fünf betroffenen Bundesländern erklären.

 

"Task Force" EHEC

An der Aufklärung des Ausbruchsgeschehens sind neben dem Berliner Robert Koch-Institut, das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, das Bundesinstitut für Risikobewertung und Experten der Länder beteiligt. Diese "Task Force" wird von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA sowie der Europäischen Kommission unterstützt.

 

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