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16.02.2018

E-Zigaretten könnten Lungenentzündung befördern

Der Dampf von E-Zigaretten könnte Lungenentzündungen befördern. Das besagt eine britische Studie, die an Zellen, Mäusen und Menschen durchgeführt wurde.
E-Zigarette, Rauchen, Rauchausstieg, Passivrauchenieg

Das Dampfen von E-Zigaretten könnte die Atemwege anfälliger für Pneumokokken-Bakterien machen

Der Dampf von E-Zigaretten könnte  Lungenentzündungen befördern. Er hilft Bakterien, sich auf den Schleimhäuten des Atmungstraktes festzusetzen, heißt es im Fachmagazin European Respiratory Journal. Die Studie umfasste Experimente mit Zellen, Mäusen und Menschen. Es zeigte sich, dass der E-Zigaretten-Dampf eine ähnliche Wirkung hat wie Zigarettenrauch oder Feinstaub aus Autoabgasen. Von diesen ist bereits bekannt, dass sie die Anfälligkeit für Infektionen mit Pneumokokken-Bakterien erhöhen.

Ein Team um Prof. Jonathan Grigg von der Queen Mary University in London betrachtete zunächst Nasenschleimhaut-Zellen im Labor. Einige wurden nikotinhaltigem oder nikotinfreien Dampf ausgesetzt, die Kontrollgruppe wurde nicht bedampft.

Dampfen verdoppelte die Bakterien-Anzahl

Als die Forscher Pneumokokken-Bakterien zu den Zellen gaben, stellten sie fest, dass die Exposition gegenüber nikotinhaltigem oder nikotinfreiem Dampf die Menge an Bakterien verdoppelte, die an den Atemwegszellen hafteten – und damit langfristig das Risiko einer bakteriellen Lungenentzündung erhöhten.

Untersucht wurde im Detail die Auswirkung von E-Zigaretten-Dampf auf ein Molekül, das von den Zellen, die die Atemwege auskleiden, hergestellt wird, der plättchenaktivierender Faktor-Rezeptor (PAFR). Frühere Forschungen zeigten, dass die Pneumokokken-Bakterien PAFR verwenden, um sich an die Zellen der Luftwege zu haften, was wiederum ihre Fähigkeit erhöht, in Körpergewebe einzudringen und Krankheiten zu verursachen. PAFR-Spiegel steigen auch als Reaktion auf Rauchen, Passivrauchen und Luftverschmutzung.

 

E-Zigaretten-Dampf an Mäusen und Menschen getestet

Prof. Aras Kadioglu von der Universität Liverpool und sein Team testeten nun die Wirkung von E-Zigaretten-Dämpfen bei Mäusen. Sie fanden heraus, dass die Exposition gegenüber E-Zigaretten-Dampf auch bei Mäusen die PAFR-Werte und die Anzahl der Pneumokokken-Bakterien im Respirationstrakt nach einer Infektion erhöhte, wodurch sie Mäuse anfälliger für Krankheiten wurden.

Schließlich untersuchte das Team PAFR-Spiegel in Nasenschleimhautzellen von 17 Erwachsenen. Von diesen waren zehn regelmäßige Benutzer von nikotinhaltigen E-Zigaretten, einer verwendete nikotinfreie E-Zigaretten und sechs dampften nicht. Zuerst wurden die PAFR-Spiegel in den Atemwegen aller 17 Freiwilligen gemessen. Dann wurden die Dampfer gebeten, mindestens zehn Züge mit ihren E-Zigaretten über fünf Minuten zu nehmen. Ergebnis: Eine Stunde nach dem Dampfen erhöhten sich die PAFR-Spiegel auf den Atemwegszellen um das Dreifache.

E-Zigaretten könnten Lungenentzündungen befördern

Zusammengefasst deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass die als gesündere Alternative zum Tabakrauchen gepriesenen E-Zigaretten gesundheitsschädlich sein könnten. Das Dampfen macht die Atemwege anfälliger für Bakterien. Davon könnten die Lungenentzündungen verursachenden Pneumokokken-Bakterien profitieren.

Noch gibt es nicht genug gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie E-Zigaretten den menschlichen Körper langfristig beeinflussen. Dafür sind sie noch nicht lange genug auf dem Markt. Studien wie diese könnten aber als frühe Warnung betrachtet werden, meint Prof. Mina Gaga, Präsidentin der European Respiratory Society und medizinische Direktorin am Athens Chest Hospital. Prof. Grigg will weitere Forschung betreiben und die neu den Markt gebrachten E-Zigaretten ohne Hitze untersuchen.

Foto: futografie/fotolia.com

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