. Kopfverletzungen

E-Scooter: Keine Helmpflicht, aber große Verletzungsgefahr

E-Scooter werden ab 15. Juni auf deutschen Straßen zugelassen sein. Eine Helmpflicht wird es nicht geben. Unfallchirurgen appellieren an die Vernunft der Fahrer, freiwillig einen Helm zu tragen.
E-Scooter, Helmpflicht

Neurochirurgen zu E-Scootern: Werden Kopfverletzungen wie bei „helmlosen“ Fahrradfahrern sehen

Ab 15. Juni dürfen E-Scooter munter auf deutschen Straßen rollen. Schon 14-jährige dürfen die flotten Elektro-Mobile fahren. Da die E-Scooter "nur" bis zu einer Höchstgeschwindigkeit bis 20km/h zugelassen sind, hat der Gesetzgeber zwar einen Versicherungsschutz, aber keine Helmpflicht vorgeschrieben. Neuro- und Unfallchirurgen sehen die fehlende Helmpflicht mit Sorge. Denn ein Unfall oder Sturz bei Geschwindigkeiten von bis 20 km/h kann zu schwersten Kopfverletzungen führen.

Schwere Kopfverletzungen

„Wir haben ja bereits langjährige Erfahrungen mit Fahrradfahrern, die ohne Helm fahren und dann mit schweren Verletzungen in unsere Klinik kommen", sagt Prof. Dr. Uwe Kehler, Chefarzt der Neurochirurgie an der Asklepios Klinik Altona. Zu den typischen Kopfverletzungen gehören demnach Schädelhirntrauma, Hirnblutungen, Subdural- oder Epiduralhämatome oder Hirnödeme. Die Folgen solcher Verletzungen reichen von Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen über epileptische Anfälle, Lähmungen, Sprachstörungen bis hin zu Pflegebedürftigkeit, Wachkoma und Tod.

 

Helm kann Schlimmeres verhindern

„Dabei können typische Kopfverletzungen teilweise oder sogar ganz durch das Tragen von Helmen verhindert werden“, sagt Kehler. Kinder und Jugendliche seien noch gefährdeter als Erwachsene. „Sie sind weniger aufmerksam und vorausschauend und fahren risikoreicher", warnt der Neurochirurg.

Die hohe Gefahr von Kopfverletzungen bei der Nutzung von E-Scootern wird durch eine Studie aus den USA bestätigt: Untersucht wurden Verletzungen in der texanischen Hauptstadt Austin im Zeitraum September bis November 2018. Von den dort identifizierten 190 verletzten E-Scooter-Fahrern erlitten 45 Prozent Kopfverletzungen. Praktisch kein Fahrer trug einen Helm. Die Studie wurde kürzlich vom Center for Disease Control and Prevention (CDC) veröffentlicht.

Skifahrer könnten Vorbild sein

„Ich hoffe, dass das, was bei Skifahrern mittlerweile ja Usus ist, sich auch bei den zukünftigen E-Scooter-Fahrern von Beginn an etablieren wird: Kopf schützen! Helm tragen!", appelliert daher Prof. Dr. Kehler eindringlich. „Und dabei haben die Erwachsenen eine entscheidende Vorbildfunktion."

Natürlich kann ein Helm nicht vor jeder Verletzung schützen. So erlitten 70 Prozent der verunfallten E-Scooter-Fahrer in Austin Verletzungen an den oberen Gliedmaßen wie Händen, Handgelenken, Armen und Schultern, 55 Prozent erlitten Verletzungen an den unteren Gliedmaßen. Aber auch diese Zahlen zeigen, dass E-Scooter bei allem Fahrspaß nicht ungefährlich sind.

Der Bundesrat hatte am 17. Mai grünes Licht für E-Scooter in Deutschland gegeben. Es dürfen aber nur zugelassene Modelle auf die Straße. Ein Führerschein ist nicht erforderlich.

Foto: © Leika production - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Prävention und Reha
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Schädel-Hirntrauma
 

Weitere Nachrichten zum Thema Kopfverletzungen

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Das verstaubte Image von Gesundheitsämtern wird aufpoliert: Im Pakt für den öffentlichen Gesundheitsdienst stellt der Bund vier Milliarden Euro für mehr Personal, Digitalisierung und moderne Strukturen zur Verfügung. Deutschlands bekannteste Amtsärztin Dr. Ute Teichert sprach auf dem Demografiekongress in Berlin von einem „historischen Ereignis“.
Wissenschaftler der Universität Mainz haben herausgefunden, dass über die Nahrung aufgenommenes Spermidin die Darmgesundheit steigert und so das Immunsystem stärkt.
 
 
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.