. Wachkoma

Durch Ultraschall aus dem Koma geholt

Offenbar ist es US-Forschern gelungen, einen Koma-Patienten durch Ultraschall zu „wecken“. Ob es sich aber um eine Methode handelt, die auch anderen Betroffenen helfen kann, oder um einen seltenen Glücksfall, müssen erst weitere Test beweisen.
Komapatient wurde aufgeweckt

Im Koma werden äußere und innere Reize nicht bewusst wahrgenommen

Die Nachricht wird vielen Angehörigen von Koma-Patienten Hoffnung machen: Einem Forscherteam um Martin Monti von der University of California in Los Angeles ist es nach eigenen Angaben gelungen, mittels Ultraschall einen jungen Mann aus dem Koma zu holen. Dazu hatten sie gezielt den Thalamus des Patienten mit mehreren kurzen Ultraschallpulsen beschallt – offenbar mit Erfolg. Der 25-jährige Patient war bei einem Verkehrsunfall im Februar schwer am Kopf verletzt und danach von den Ärzten in ein künstliches Koma gelegt worden, aus dem er nicht wieder erwachte. Nun hat er das Bewusstsein wiedererlangt.

Koma-Patient erlangte volles Bewusstsein wieder

Für die Behandlung legten die Forscher dem Patienten einen scheibenförmigen Ultraschall-Sender seitlich an den Kopf und schickten darüber gezielte, aber schwache Ultraschall-Pulse direkt in den Thalamus des Mannes. Der Thalamus ist eine Region im Zwischenhirn, die als „Tor zum Bewusstsein“ gilt, da sie zwischen äußeren Reizen und den Bewusstseinszentren in der Großhirnrinde vermittelt. Zehn Minuten lang wurde der Bereich mit den Ultraschall-Pulsen stimuliert. Bereits am Tag danach verbesserten sich die Reaktionen des Patienten auf äußere Reize. Drei Tage später hatte er sein volles Bewusstsein wiedererlangt, verstand Sprache und konnte durch Kopfschütteln oder Nicken auf die Außenwelt reagieren.

„Die Veränderungen waren bemerkenswert“, erklärte Studienautor Monti. „Es ist fast so, als hätten wir seinen Gehirnzellen Starthilfe gegeben und sie wachgerüttelt.“ Ob es sich dabei allerdings doch eher um einen Glücksfall handelt oder ob die Methode auch anderen Koma-Patienten helfen kann, müssen nun weitere Studien zeigen. Unklar ist auch, ob die Therapie nur bei Wachkoma-Patienten wirkt oder auch bei Menschen in tiefem Koma. Noch in diesem Herbst wollen die Forscher daher mit weiteren Tests beginnen.

 

Heilungschancen nach langem Koma gering

In lebensbedrohlichen Zuständen werden Patienten manchmal in ein künstliches Koma versetzt, um das Gehirn zu entlasten und die Heilung zu beschleunigen. Doch manche Patienten kehren nicht wieder zu ihrem Bewusstsein zurück. So schien es auch bei dem jungen Patienten aus Santa Monica zu sein. Wegen der starken Hirnschwellungen infolge des Unfalls war sein Schädel geöffnet worden. Anschließend versetzten ihn die Ärzte in ein künstliches Koma.

Nach zwei Wochen versuchten die Mediziner, den Patienten wieder zu Bewusstsein zu bringen - ohne Erfolg. Der Patient befand sich im Wachkoma und reagierte kaum auf äußere Reize. Je länger ein Mensch in diesem Zustand minimalen Bewusstseins verharrt, desto geringer sind seine Chancen aufzuwachen. Möglicherweise ist die neue Ultraschall-Methode jedoch ein Ansatz, mehr Menschen wieder zu vollem Bewusstsein zu bringen.

Foto: © pict rider - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Neurologie , Gehirn , Ultraschall (Sonografie) , Unfallchirurgie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Wachkoma

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Bei einer Herzschwäche wird auch das Gehirn unzureichend mit Sauerstoff versorgt. Forscher des Max-Planck-Instituts haben nun herausgefunden, dass darunter auch die graue Hirnsubstanz leidet. Langfristig kann das die Entstehung einer Demenz begünstigen.
Auch wenn er oft die Rettung ist: Irgendwann müssen Kleinkinder vom Schnuller Abschied nehmen, um vor allem drei Gefahren für die Gesundheit zu vermeiden. Eltern sollten ihr Kind in diesem oft herzzerreißenden Entwöhnungsprozess aktiv unterstützen. Ein paar erzieherische und spielerische Tipps und Tricks machen den Abschied leichter.
 
 
. Interviews
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.
Work-Life-Balance, geregelte Arbeitszeiten – in altersgemischten Stationsteams prallen Welten aufeinander. Wie sich der Generationenkonflikt im Krankenhaus lösen lässt, weiß Professor Wolfgang Kölfen, Chefarzt und Kommunikationsberater aus Mönchengladbach.