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15.03.2020

Duftstoffe helfen, Gelerntes im Schlaf zu speichern

Damit gelernte Inhalte im Gedächtnis haften bleiben, ist guter Schlaf notwendig. Nun konnten Forscher zeigen, dass bestimmte Duftstoffe dabei helfen, neu Gelerntes im Schlaf besser zu speichern. Im Experiment half ein Rosenduft Schülern beim Lernen von englischen Vokabeln.
Lernen, Schlaf, Dufstoffe

Das Gedächtnis speichert erlernte Inhalte vor allem im Schlaf ab

Dass Gerüche den Lernerfolg erhöhen, wenn sie während des Lernens und später erneut während des Schlafs präsentiert werden, wurde schon vor Jahren in Studien im Schlaflabor gezeigt. Nun haben des Universitätsklinikums Freiburg, des Freiburger Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) und der Fakultät für Biologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg nachgewiesen, dass dieser Effekt sehr einfach erzielt werden kann.

Für die Studie wurden Schüler gebeten, Englisch-Vokabeln zu lernen – und zwar mit und ohne Duftstäbchen während der Lernphase und in der Nacht. Wie sich zeigte, erinnerten sich die Schüler, die einem Duftreiz ausgesetzt waren, danach deutlich besser an die Vokabeln. Die Studie, die eine Lehramtsstudentin im Rahmen ihrer Abschlussarbeit durchführte, wurde im Open-Access-Journal „Scientific Reports“ der Nature-Gruppe veröffentlicht.

Duftstoffe unterstützen das Lernen zuverlässig

„Wir konnten zeigen, dass der unterstützende Effekt von Duftstoffen im Alltag sehr zuverlässig funktioniert und gezielt genutzt werden kann“, sagt Studienleiter PD Dr. Jürgen Kornmeier, Leiter der Forschungsgruppe Wahrnehmung und Kognition im Freiburger IGPP und Wissenschaftler an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg.

An der Studie nahmen 54 Schüler aus zwei sechsten Klassen einer Schule am Bodensee mehrere Experimente. Die Probanden sollten während des Lernens Duftstäbchen mit Rosenduft auf den Schreibtisch und nachts auf den Nachttisch neben das Bett zu legen. In einem weiteren Experiment legten sie die Duftstäbchen zusätzlich während eines Vokabeltests in der Schule neben sich auf den Tisch.

 

Größerer Lernerfolg durch Rosenduft

Am nächsten Tag folgte ein Englischtest. Verglichen wurden die Ergebnisse mit Testergebnissen, bei denen während einer oder mehrerer Phasen keine Duftstäbchen verwendet wurden. „Die Schülerinnen und Schüler zeigten einen deutlich größeren Lernerfolg, wenn die Duftstäbchen sowohl während der Lern- als auch der Schlafphase zum Einsatz kamen“, erklärt Erstautorin und Lehramtsstudentin Franziska Neumann. Außerdem deuten die Ergebnisse an, dass der zusätzliche Einsatz der Duftstäbchen beim Vokabeltest das Erinnern fördert.

Duft wirkt besonders in der Nacht

„Besonders beeindruckend war, dass der Duft auch wirkt, wenn er die ganze Nacht vorhanden ist“, so Kornmeier. „Das macht die Erkenntnisse alltagstauglich.“ Bisherige Studien waren stets davon ausgegangen, dass der Duft nur während einer besonders sensiblen Schlafphase vorhanden sein darf.

Da diese Schlafphase aber nur durch eine aufwändige Messung der Hirnaktivität mittels eines Elektroenzephalogramms (EEG) im Schlaflabor ermittelt werden kann, war die Erkenntnis bisher nicht alltagstauglich. „Unsere Studie zeigt, dass wir uns das Lernen im Schlaf erleichtern können“, so Kornmeier. „Und wer hätte gedacht, dass unsere Nase dabei wesentlich helfen kann.“

Foto: © New Africa - stock.adobe.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
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