. Satelliten-Messungen

Dürresommer schädigen Wasservorräte in der Natur massiv

Die Dürresommer 2018/2019 haben die natürlichen Wasserspeicher in Mitteleuropa nachhaltig geschädigt. Das zeigt eine Studie des Deutschen Geoforschungszentrums. Demnach ist die Wasserknappheit in Flüssen, Seen, Böden und Grundwasser die größte seit Beginn der Satelliten-Messungen vor 20 Jahren. Um den Schaden zu kompensieren, müssten es im Winter doppelt so viel regnen und schneien wie normal.
Ausgetrockneter Seegrund, Talsperre Lehnmühle, Sächsische Schweiz

Wasser wird knapp, auch im klassisch wasserreichen Mitteleuropa. Hier: ein ausgetrocknetes Becken in der Talsperre Lehnmühle in der Sächsischen Schweiz.

Vier Dürreperioden gab es in Mitteleuropa seit der Jahrtausendwende. Die beiden jüngsten Jahre mit großer Trockenheit, 2018 und 2019, fielen dabei deutlich trockener aus als die ersten beiden, 2003 und 2015. Die Folge ist: Die Wasservorräte in der Natur sind offenbar massiv geschrumpft. Das ergibt sich aus einer Studie des „Helmholtz-Zentrums Potsdam – Deutsches Geoforschungszentrum" (GFZ). Der 2019 festgestellte Wassermangel sei „so gravierend“, dass eine Erholung der Wasservorräte innerhalb eines Jahres nicht zu erwarten sei. Der Winter 2019/2020 habe nur zu einer „sehr leichten Erholung“ geführt.

„Messungen der Satelliten-Mission GRACE-FO belegen einen Rückgang der Wasserspeicher in Mitteleuropa um bis zu 94 Prozent im Vergleich zu den mittleren (normalen) saisonalen Schwankungen“, heißt es in einer Mitteilung des GFZ. „Die Wasserknappheit in den Jahren 2018 und 2019 ist damit die größte in der gesamten Messkampagne von fast 20 Jahren.“

Wasserknappheit: 2019 fehlen 145 Gigatonnen

Die beiden aktuell aktiven, 2018 ins All geschossenen Satelliten sind in der Lage, das Defizit der in Mitteleuropa gespeicherten Wassermassen während der Sommerdürren in 2018 und 2019 in Zahlen messbar zu machen und in Zahlen auszudrücken. Bezogen auf die langfristige mittlere Klimavariabilität betrugen die Wassermassendefizite 112 Gigatonnen im Jahr 2018 und sogar 145 Gigatonnen im Jahr 2019. Das berichtet ein Forschungsteam von GFZ und der Universität Potsdam um Geowissenschaftlerin Eva Börgens. Eine Gigatonne sind eine Milliarde Tonnen – eine zehnstellige Zahl.

Erholung innerhalb eines Jahres nicht zu erwarten

Die Defizite 2018 und 2019 liegen damit bei 73 Prozent und 94 Prozent der mittleren Schwankung der saisonalen Wasserspeicherung. Anders ausgedrückt: Man bräuchte, verglichen mit dem Durchschnittswert, in etwa die doppelte Wasserzunahme über den Winter, um dieses Defizit auszugleichen. Die Veränderungen nennen die Potsdamer Forscher „so gravierend“, dass eine Erholung innerhalb eines Jahres nicht zu erwarten sei. Die Wasserknappheit in den Jahren 2018 und 2019 sei damit die größte in der Satelliten-Messkampagne von fast 20 Jahren.

Satelliten messen Wasserspeicher mit Mikrowellensignalen

Das GRACE-FO-Satellitenpaar erfasst die Bewegung des Wassers auf der Erde auf der Grundlage von dadurch ausgelösten Variationen des Erdschwerefeldes. Diese Variationen lassen sich aus einer hochpräzisen Abstandsmessung mithilfe von Mikrowellensignalen ermitteln, die die beiden hintereinander fliegenden Satelliten aussenden. Laut GFZ erlauben die Datenquellen der GRACE-FO-Satelliten und ihrer Vorgängergeneration die Erfassung der gesamten Wasserspeicherung in Seen, Flüssen, Böden und Grundwasser.

Daten aus 2020 deuten auf Fortdauer der Trockenheit hin

„Die Studie zeigt, wie wichtig die lange Zeitreihe der Beobachtungen der Satelliten-Mission ist, um aktuelle klimatische Ereignisse einordnen zu können“, sagt Studienleiterin Eva Börgens. „Ob die Dürrejahre 2015, 2018 und 2019 erste Anzeichen eines längerfristigen Wandels in Mitteleuropa sind oder nur statistische Ausreißer wird man erst in der Zukunft sagen können. Allerdings lassen erste Daten aus 2020 eine weiter andauernde Trockenheit erwarten.“ Börgens‘ vorsichtige Prognose deckt sich mit Ergebnissen einer Studie des international tätigen Klimaforschungsinstituts „Climate Analytics“ und der Berliner Humboldt-Universität. Hier gehen die beteiligten Forscher ebenfalls von einer Zunahme längerer Hitzeperioden aus.

Foto: AdobeStock/Torsten Becker

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