. Studie der Yale University

Dünner - aber auch depressiver?

Nicht immer fühlen sich dicke Menschen, die ihre Kilos loswerden, danach auch glücklicher. Das haben Wissenschaftler von der Yale University herausgefunden.

Dünn und glücklich? Das gilt nicht immer, haben Forscher herausgefunden.

Werden stark übergewichtige Menschen Kilos los, sei es durch eine Diät, eine Veränderung des Lebensstils oder einen chirurgischen Eingriff, fühlen sich zwar die meisten deutlich besser - leider aber nicht alle, sagen Valentina Ivezaj und Carlos Grilo von der Yale University School of Medicine in den Vereinigten Staaten. In einem Artikel, der jüngst in der Fachzeitschrift Obesity Surgery erschienen ist, raten die Wissenschaftler, abzufragen, ob und wie depressiv Patienten sechs bis zwölf Monate nach einer operativen Magenverkleinerung sind, um im Notfall eingreifen zu können.

Meiste Patienten nach Magenverkleinerung tatsächlich glücklicher

107 Patienten mit extremem Übergewicht wurden zunächst vor einer Magen-Bypass-OP und dann wieder sechs und zwölf Monate danach um Selbsteinschätzung gebeten. In einem Fragebogen bewerteten sie ihr Depressionslevel, mögliche Essstörungen, ihre Selbstachtung und ihre sozialen Kontakte. Der Großteil (94) der Studienteilnehmer waren Frauen und 24 Teilnehmer hatten einen Hochschulabschluss.

Übereinstimmend mit vorherigen Studien, stellten Ivezaj und Grilo fest, dass die meisten Patienten sechs beziehungsweise zwölf Monate nach einer solchen OP in normaler oder sogar besserer Stimmung waren. Allerdings berichteten 3,7 Prozent der Patienten, sie hätten sich ein Jahr nach dem Eingriff deutlicher depressiv gefühlt. Im Zeitraum zwischen sechs und zwölf Monaten sprachen sogar noch mehr Patienten (13,1 Prozent) von einer Zunahme der Depressionssymptome.

Verschlechtert sich die Stimmung, dann meist zwischen sechs und zwölf Wochen nach der OP

Auffällig sei, so die Wissenschaftler, dass bei der Mehrheit der Patienten, deren Stimmung sich deutlich verschlechtert hatte, dies im Zeitraum zwischen sechs und zwölf Monaten nach dem chirurgischen Eingriff geschah. Dies sei wohl eine kritische Zeit, schlussfolgern die Wissenschaftler. 

„Die Zunahme der Depressionssymptome ist auch bemerkenswert im Hinblick auf die Tatsache, dass sie mit anderen Problemen einherging, wie etwa niedrigerer Selbstachtung und sozialen Schwierigkeiten“, fügt Grilo hinzu.

Die Autoren betonen, dass solche vermehrten depressiven Anzeichen ein Hinweis auf lediglich unterschwellige oder leichte Stimmungsbeeinträchtigung seien. Weitere Untersuchungen seien vonnöten, um herauszufinden, ob sich derartige Stimmungsveränderungen bei dieser Patientengruppe weiterhin fortsetzten.

Foto: olly - Fotolia.

Autor: Cornelia Wanke

Weitere Nachrichten zum Thema Dicke

| Wer im Alter von über 50 Jahren erstmalig an einer Depression erkrankt, hat ein besonders hohes Risiko, auch noch dement zu werden. Das zeigt eine Analyse niederländischer Forscher. Was allerdings Ursache und was Wirkung ist, lässt sich schwer beantworten.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Der Verlauf einer Multiplen Sklerose ist unvorhersehbar. Doch nicht wenige Patienten zeigen auch nach Jahrzehnten nur minimale neurologische Symptome – und das auch ohne Therapie. Das hat eine Studie britischer Forscher nun bestätigt.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Für Menschen mit Behinderung sind Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor nicht selbstverständlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Ulla Schmidt, MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, darüber gesprochen, was getan werden muss, um die Situation von Betroffenen zu verbessern.
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie sind verhärtet. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Homöopathie-Kritikerin Dr. med. Natalie Grams über wissenschaftliche Prinzipien und den verbreiteten Wunsch nach medizinischen Alternativen gesprochen.