. Schneller zum Facharzt

"Dringliche Überweisung" verkürzt Wartezeit

Auf einen Termin beim Facharzt müssen Patienten oft lange warten, nicht selten bis zu drei Monate. Mit einer "dringlichen Überweisung" lässt sich die Wartezeit jedoch deutlich senken. Das zeigt ein Modellprojekt im Saarland.
Dringliche Überweisung

Patienten warten oft monatelang auf einen Facharzttermin

Patienten müssen sich oft gedulden, bis sie einen Termin beim Facharzt bekommen. In einem Modellprojekt im Saarland wurde nun getestet, ob sich eine sogenannte "dringliche Überweisung" eignet, in akuten Fällen ohne großen Aufwand eine beschleunigte Terminvergabe zu gewährleisten. Im zweiten und dritten Quartal 2014 haben knapp 20 Prozent der Haus- und Facharztpraxen im Saarland die "dringliche Überweisung" erprobt, um Wirksamkeit, Effizienz und Akzeptanz des Modells zu ermitteln. Die Ergebnisse einer repräsentativen Stichprobe hat Professor Martin Dietrich vom Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre der Universität des Saarlandes nun in Saarbrücken vorgestellt.

Wartezeit bei „dringlicher Überweisung“ halbiert

Die Analyse zeigt, dass zehn Prozent der erfassten 4641 Überweisungen als „dringlich“ eingestuft wurden. Und während die Patienten bei normalen Überweisungen durchschnittlich 12,85 Tage auf einen Termin beim Facharzt warteten, waren es bei „dringlichen Überweisungen“ rund sechs Tage. Das Instrument habe sich damit als „wirksamer Überweisungsbeschleuniger“ erwiesen und könne für eine bedarfsgerechte Koordination zwischen Haus- und Fachärzten sorgen, so Dietrich.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Saarland bietet seit 2010 ein einfaches Fax-Formular an, um Termine bei Bedarf zu beschleunigen. Dabei wird die Kopie der Überweisung um eine von zwei möglichen Dringlichkeitsstufen ergänzt. Der Facharzt notiert dann auf diesem Überweisungsdoppel die Terminvergabe sowie gegebenenfalls Wünsche nach zusätzlichen Unterlagen und schickt die Terminbestätigung an den Hausarzt zurück.

 

Terminservicestellen als Alternative?

Auch der saarländische KV-Chef Dr. Gunter Hauptmann sieht die aktuelle Studie als Beweis an, dass die „dringliche Überweisung“ zeitnahe Facharzttermine gewährleistet. „Unsere regionale Struktur ist kostengünstig, bürokratiearm, fördert die Zusammenarbeit zwischen Haus- und Facharzt und nutzt dem Patienten“, so Hauptmann.

Die Bundesregierung plant indes einen anderen Weg, um die Wartezeiten auf einen Facharzttermin zu verkürzen. Union und SPD wollen die Kassenärztlichen Vereinigungen zur Einrichtung von zentralen Terminservicestellen verpflichten. Die Patienten sollen dort innerhalb einer Woche einen Termin beim Facharzt bekommen, auf den sie dann nicht länger als vier Wochen warten sollen.

Foto: © Zerbor - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
 

Weitere Nachrichten zum Thema Versorgungsqualität

 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.