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16.02.2021

Drei Faktoren machen einen Covid-19-Infizierten zum „Superspreader“

Was macht eine mit Covid-19 infizierte Person zum „Superspreader“ - also jemanden, der in kurzer Zeit viele andere Menschen in seiner Umgebung anstecken könnte? Forscher fanden heraus, dass drei Faktoren dafür wichtig sind.
Bestimmte Menschen stoßen mehr Atemtröpfchen (Aerosole) aus als andere

Was macht eine mit Covid-19 infizierte Person zum "Superspreader" – also jemanden, der in kurzer Zeit viele andere Menschen in seiner Umgebung anstecken könnte? Das haben Forscher der Tulane University, der Harvard University, des MIT und des Massachusetts General Hospital herausgefunden.

Demnach bestimmen drei Faktoren die Menge an virenbelasteten Atemtröpfchen (Aerosole), die die Betroffenen ausstoßen. Die Ergebnisse wurden im Fachblatt PNAS veröffentlicht.

Das macht Covid-19-Infizierten zum "Superspreader"

Im Rahmen einer Beobachtungsstudie an 194 gesunden Menschen und einer experimentellen Studie an Menschenaffen mit Covid-19 stellten die Forscher fest, dass die ausgeatmeten Aerosolpartikel zwischen den Probanden stark variierten.

Diejenigen, die älter waren, einen höheren Body-Mass-Index (BMI) hatten und einen höheren Grad der Covid-19-Infektion aufwiesen, atmeten dreimal so viele Aerosole aus wie andere Teilnehmer. Diese drei Faktoren machen einen mit Covid-19 infizierten also zum "Superspreader",

 

Ausgeatmete Viruspartikel werden immer kleiner

Knapp 20 Prozent der menschlichen Probanden machten 80 Prozent der ausgeatmeten Aerosolpartikel der Gruppe aus. Das folgt der 20/80-Regel, die bei anderen Epidemien beobachtet wurde. Das bedeutet, dass 20 Prozent der infizierten Personen verantwortlich sind für 80 Prozent der Übertragungen.

Bei den Menschenaffen nahm die Menge der Atemtröpfchen mit fortschreitender Infektion mit Covid-19 zu und erreichte eine Woche nach der Infektion Spitzenwerte, bevor sie nach zwei Wochen wieder normal wurden. Mit fortschreitender Infektion wurden die Viruspartikel kleiner und erreichten am Höhepunkt der Infektion die Größe eines Mikrometers.

Aerosolmenge stieg auch bei asymptomatischen Patienten

Solche winzigen Partikel können bereits ausgestoßen werden, wenn Menschen atmen und sprechen. Sie können sich viel länger an der Wasseroberfläche halten, in der Luft längere Distanzen zurücklegen und beim Einatmen tiefer in die Lunge eindringen.

Der Anstieg der ausgeatmeten Aerosole trat sogar bei asymptomatischen Covid-19-Patienten auf, sagt Dr. Chad Roy, Ko-Autor und Direktor für Aerobiologie bei Infektionskrankheiten am Tulane National Primate Research Center.

Jüngere und gesündere stoßen weniger Aerosole aus

"Wir kennen eine ähnliche Zunahme der Atemtröpfchen während des akuten Stadiums von anderen Infektionskrankheiten wie Tuberkulose. Es ist wahrscheinlich, dass virale und bakterielle Infektionen der Atemwege die Schleimhäute schwächen, was die Bewegung infektiöser Partikel in die Umgebung fördert", so Roy.

Studien-Autor David Edwards, Professor für biomedizinische Technik an der Harvard University, ergänzt: "Während junge und gesunde Menschen dazu neigen, weit weniger Tröpfchen zu erzeugen als ältere und weniger gesunde, zeigen unsere Ergebniss auch, dass jeder, der mit Covid-19 infiziert ist, das Risiko hat, eine große Anzahl von Atemtröpfchen zu produzieren."

Foto: Adobe Stock/Rainer Fuhrmann

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