. Organmangel

Dramatischer Mangel an Spenderherzen

Die Zahl der Herztransplantationen ist im vergangenen Jahr weiter zurückgegangen. Grund ist ein dramatischer Organmangel, insbesondere für Kinder sind Spenderherzen kaum noch verfügbar. Die Problematik hat sich durch die jüngsten Organspendeskandale weiter verschärft.
Dramatischer Mangel an Spenderherzen

90 Prozent der Patienten liegen zum Zeitpunkt der Herztransplantation auf der Intensivstation

Mehr als 1.000 Patienten in Deutschland warten auf ein neues Herz. Doch den Patienten auf der Warteliste stehen nur 327 Spenderherzen gegenüber. Laut Deutscher Herzstiftung ist der Organmangel bei Kindern und Jugendlichen besonders dramatisch.  „Insbesondere bei Kindern sind Spenderherzen kaum verfügbar“, warnt das Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung, Prof. Dr. med. Jan Gummert, Direktor der Klinik für Thorax-, Herz- und Kardiovaskularchirurgie am Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen. „Uns sind Fälle bekannt, wo Kinder seit drei Jahren mit einem Kunstherz, dem sogenannten Assist-System, in der Klinik leben müssen.“

Kinder leben zum Teil drei Jahre mit einem Kunstherz

Im Zuge der Transplantationsskandale im Bereich der Lebertransplantation hat sich die Bereitschaft zur Organspende dramatisch verschlechtert. Das betrifft auch Spenderherzen. So ist nach Angaben der Fachgesellschaft der Herzchirurgen (DGTHG) die Zahl der Herztransplantationen in den beiden vergangenem Jahr deutlich zurückgegangen. Wurden im Jahr 2010 noch 379 Spenderherzen transplantiert, sank die Zahl von 355 Spenderherzen im Jahr 2011 auf zuletzt 327 in 2012.

Für Kinder und Erwachsene bedeute das schwer erträgliches Leid, meint Herzspezialist Gummert. Die Wartezeit für eine Herztransplantation sei ohnehin viel zu lang und betrage im Schnitt 16 Monate, so dass sich der Zustand vieler dieser schwerkranken Patienten erheblich verschlechtere. „Die aktuelle Situation ist alarmierend, wenn wir zirka 90 Prozent aller Herztransplantationen bei Patienten durchführen, die bereits auf der Intensivstation liegen, so Gummert.

 

Hoffnung auf das neue Transplantationsgesetz

Experten hoffen angesichts der sinkenden Bereitschaft zur Organspende auf das neue Transplantationsgesetz. Das Gesetz sei ein „Schritt in die richtige Richtung“, betont die Deutsche Herzstiftung. Ein wichtiger Punkt im neuen Gesetz ist, dass Patienten in einer interdisziplinären Transplantationskonferenz mindestens nach dem Sechs-Augen-Prinzip besprochen werden müssen. Zu diesem interdisziplinären Gremium sollen im Bereich der Herztransplantationen mindestens ein Herzchirurg, ein Kardiologe und ein unabhängiger Mediziner, der dem Ärztlichen Direktor des Klinikums unterstellt ist, gehören.

Um Manipulationen zu vermeiden, wird diese Transplantationskonferenz über die Aufnahme von Patienten auf die Warteliste entscheiden. Außerdem finden unabhängige Kontrollen statt. Künftig wird die Prüfungskommission unangekündigte Stichproben bei allen Transplantationszentren durchführen. „Dies trägt noch stärker zur Gewährleistung der Verteilungsgerechtigkeit auf den Wartelisten bei und ist eine deutliche Verschärfung der Kontrollen“, erläutert Prof. Dr. Hermann Reichenspurner, Ärztlicher Direktor des Universitären Herzzentrums Hamburg. Bislang sei man im Wesentlichen nur Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten in den Zentren nachgegangen.

Organspende: Dringlichkeitsstatus über Auditoren

Dass es im Bereich der Herztransplantation bisher zu keinen Manipulationsfällen gekommen ist, liegt unter anderem daran, dass über den Dringlichkeitsstatus für eine Herzzuteilung nicht das Transplantationszentrum selbst, sondern drei unabhängige Experten (Auditoren), zwei internationale und ein nationaler, nach bestimmten festgelegten Richtwerten entscheiden. „Eben diese Regelung macht das System beim Herzen transparent“, so Reichenspurner.

Foto: © Stephan Morrosch - Fotolia.com

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