Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
01.05.2017

Doch keine Herzrhythmusstörungen durch Azithromycin?

Die Frage, ob das verbreitete Antibiotikum Azithromycin die Wahrscheinlichkeit für Herzrhythmusstörungen erhöht, ist seit Jahren umstritten. Nun scheint es Entwarnung zu geben: Eine große europäische Studie konnte kein erhöhtes Risiko feststellen.

Das Antibiotikum Azithromycin stand lange im Verdacht, das Herz zu schädigen

Das Antibiotikum Azithromycin wird häufig bei bakteriellen Infektionen der Atemwege und des Urinaltrakts verschrieben. Doch seit Jahren wird darüber diskutiert, ob das Medikament das Risiko für gefährliche Herzrhythmusstörungen erhöht. Im Jahr 2013 hatte daher die amerikanische Behörde für Lebensmittelüberwachung und Arzneimittelzulassung FDA eine Sicherheitswarnung für Azithromycin herausgegeben. Die FDA wies darauf hin, dass Azithromycin insbesondere bei Patienten mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse nur unter Vorsicht verwendet werden sollte. Nun haben Forscher in einer großen europäischen Studie die Datenlage erneut sondiert und Entwarnung gegeben. Die Ergebnisse der aktuellen Analyse wurden im Canadian Medical Association Journal veröffentlicht.

Herzrhythmusstörung unter Azithromycin nicht häufiger als unter Amoxicillin

Für ihre Studie hatten die Forscher die Gesundheitsdaten von über 29 Millionen Menschen aus Italien, Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden und Dänemark ausgewertet. Wie sich zeigte, wiesen Patienten, die Azithromycin erstmals verwendeten, im Vergleich zu denjenigen, die Amoxicillin, ein anderes breit angewendetes Antibiotikum aus der Klasse der Penicilline, einnahmen, kein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörung auf. Insgesamt traten bei 0,1 Prozent der Antibiotika-Anwender ventrikuläre Arrhythmien auf. „Die vorliegenden Resultate legen nahe, dass das Risiko einer ventrikulären Arrhythmie eher durch den schlechten Gesundheitszustand der Patienten und die Infektion hervorgerufen wird als durch Azithromycin selbst“, so Studienautor Dr. Gianluca Trifiró von der Universität von Messina (Italien).

Azithromycin gehört zu den Makrolid-Antibiotika. Mindestens ein Präparat dieser Wirkstoffklasse, Erythromycin, ist bekannt dafür, den Herzrhythmus aus dem Takt zu bringen. Doch für Azithromycin scheint es durch die aktuelle Studie vorerst Entwarnung zu geben.

 

Arrhythmien durch Medikamente keine Seltenheit

Unter Herzrhythmusstörungen versteht man eine Unregelmäßigkeit des Herzschlags. Dabei kann es sich um Verlangsamungen oder Verschnellerungen der Herzfrequenz sowie um wenige Extraschläge handeln. Häufig sind die Arrhythmien zwar unangenehm, aber harmlos. Dennoch können sie auch Warnzeichen für gefährliche Erkrankungen sein.

Als unerwünschte Nebenwirkung von Medikamenten treten Herzrhythmusstörungen nicht selten auf. Unter Verdacht, solche Arrhythmien auslösen zu können, stehen neben den Antibiotika aus der Gruppe der Makrolide unter anderem bestimmte Antidepressiva, Antihistaminika, Neuroleptika, die Malariamittel Chloroquin und Halofantrin sowie das Brustkrebs-Medikament Tamoxifen.

Foto: © psdesign1 - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Antibiotika , Herzrhythmusstörungen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Herzrhythmusstörungen

28.10.2016

Immer noch sind viele Menschen unsicher, ob sich Kaffee negativ auf die Herzgesundheit auswirkt. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass selbst hohe Dosen Koffein bei älteren Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen keinen negativen Einfluss haben.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Klimaanlagen, Zigarettenqualm, langes Sitzen vorm PC-Bildschirm: So können situativ trockene Augen entstehen, die reiben und schmerzen. Trockene Augen können aber auch eine chronische Krankheit sein. Hier ein paar Tipps dazu von Experten.


Im Gegensatz zur Bundespolitik ist offenbar eine klare Mehrheit von Apotheken-Mitarbeitern in Deutschland für eine Legalisierung von sogenanntem Genuss-Cannabis – unter der Bedingung einer streng kontrollierten Abgabe. Das ergibt sich aus einer Studie des Berliner Marktforschungsinstituts Aposcope.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin