. Patientenverpflegung

DKI entwickelt Standard für vegetarische, therapieunterstützende Krankenhauskost

Die Nährstoffdichte von pflanzlicher Kost unterstützt erwiesenermaßen die medizinische Behandlung und die Genesung. Das heißt nicht, dass die in deutschen Krankenhäusern eine Selbstverständlichkeit wäre. Vielerorts fehlten „Wissen und Mut“ für eine fortschrittliche Patientenverpflegung, kritisiert das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI) und hat auf dieses Defizit jetzt reagiert: mit einem praxisnahen Ratgeber.
Krankenschwester reicht Patientin Glasschüssel mit frischem, buntem Salat.

Gesundes Essen wird in Krankenhäusern immer wichtiger - etwa zur Heilung von Volkskrankheiten. Bisher ist es oft immer noch gutbügerlich, nährstoffarm und zu salzig.

Zwei dünne Scheiben Leberkäs-Aufschnitt, zwei dünne Scheiben Schnittkäse, zwei Scheibchen Knäckebrot, eingeschweißt: Das steht auf einem Tablett am Bett einer 87-Jährigen, die in einem Krankenhaus in Baden-Württemberg von einer Lungenembolie genesen will und soll. Das Arrangement nennt sich Abendessen. An Bananen, Trauben, Birnen denkt die Patientin. Die vitaminreichen Früchte bekommt sie schließlich auch – aber von den Angehörigen, die sie besuchen.

Erst vor wenigen Wochen ließ das ARD-Mittagsmagazin Stichproben aus einem Berliner Krankenhaus im Labor untersuchen. Ergebnis: Patienten bekommen nicht das zu essen, was ihr Körper bräuchte. Vitamine und andere Nährstoffe waren nicht ausreichend vorhanden, der Salzgehalt viel zu hoch. Obwohl die Ernährung längst als therapieunterstützend anerkannt ist, existieren bundesweit bisher für die Qualität von Krankenhausessen keine einheitlichen Standards.

DKI kritisiert Krankenhausverpflegung: „Oft fehlen Wissen und Mut“

„Das Interesse an einer nachhaltigen und gesunden Ernährung wächst stetig in der Bevölkerung“, sagt Karl Blum, Vorstand des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) in Düsseldorf. „Doch häufig fehlen das Wissen und der Mut, neue Wege in der Gemeinschaftsverpflegung zu beschreiten.“ Auf dieses flächendeckend beobachtbare Defizit hat das DKI jetzt reagiert und einen Wegweiser zu gesunder, pflanzlicher Ernährung in Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen herausgebracht. Entwickelt wurde der Ratgeber gemeinsam mit der gesetzlichen Krankenkasse BKK ProVita und dem Beratungsunternehmen a’verdis. Das darin gesammelte Wissen aus Theorie und Praxis stammt von 30 Experten der Gesundheitsbranche wie Krankenhausköchen, Ernährungswissenschaftlern, Klinikleitern und Catering-Firmen. Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen erhalten damit eine praktische Anleitung, um gesunde, nachhaltige und pflanzliche Ernährung anbieten zu können: für die Patienten vor allem – aber nicht zuletzt auch für das eigene Personal.

 

Eigenschaften nachhaltiger Patientenverköstigung

Speisen und Getränke sollen nicht mehr „nur“ satt machen, sondern zuallererst gut schmecken und

  • die Gesundheit und Gesunderhaltung fördern
  • die unterschiedlichen Lebensmittelunverträglichkeiten einbeziehen
  • das Klima möglichst wenig belasten
  • das Tierwohl im Auge haben
  • die kulturellen Ernährungsgewohnheiten berücksichtigen
  • die weltweite Ernährungssituation im Blick haben.

(Quelle: DKI-Ratgeber für Gesundheitseinrichtungen: „Pflanzlich. Nachhaltig. Gesund.")

Hintergrundwissen und praktische Tipps für Großküchen

Der Wegweiser bietet Hintergrundwissen und Argumente für pflanzenbasierte Ernährung, klärt über deren gesundheitliche und ökologische Vorteile auf und enthält eine umfassende Anleitung zur Umstellung. Er stellt wichtige Nährstoffe und Lebensmittel vor, informiert über Lebensmitteleinkauf, Speiseplangestaltung, zeigt „Good-Practice-Beispiele“ und bietet gut geeignete Rezepte. Ausführliche Checklisten für verschiedene Umstellungs-Schritte enthält der Wegweiser ebenso wie Unterstützung bei der Marketing-Kommunikation.

Michalsen: „Bedeutung der Ernährung bei Volkskrankheiten enorm“

„Ernährung kann einen wesentlichen Beitrag in der medizinischen Versorgung der Zukunft leisten“, sagt Andreas Michalsen, Professor für klinische Naturheilkunde an der Charité Berlin. „Die Bedeutung der Ernährung für die Prävention und Therapie der modernen Volkskrankheiten ist enorm. Krankenhäusern kommt dabei eine Vorbildfunktion zu.“ Krankenhäuser, die pflanzenbasierte Kost anböten, könnten sich als verantwortungsvolle, zukunftsweisende und ganzheitliche Institutionen sichtbar machen, sagt Michalsen, der bei der Entwicklung des aktuellen Ratgebers mitgewirkt hat.

Krankenhausessen: Auch ein Faktor fürs Patientenmarketing

Neben dem medizinischen Angebot spielt für eine wachsende Zahl von Patienten auch ein gesundes Essen eine Rolle bei der Entscheidung für oder gegen ein Krankenhaus. Als Good-Practice-Beispiele nennt der DKI-Ratgeber das anthroposophische „Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe“ und das evangelische Immanuel-Krankenhaus (beide in Berlin) oder die landeseigene Rhein-Mosel-Fachklinik im rheinland-pfälzischen Andernach. Sie bieten ihren Patienten inzwischen täglich pflanzenbasierte Menüs.

Foto: AdobeStock/amazing studio

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Ernährung , Komplementärmedizin , Patientenzufriedenheit
 

Weitere Nachrichten zum Thema Patientenverpflegung

| Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Immer öfter klagen Verbraucher nach dem Verzehr von Produkten aus Weizenmehl über gesundheitliche Probleme. Kurios dabei ist: Manche vertragen die Brötchen vom einen Bäcker nicht, die vom anderen schon. Viele haben Probleme mit Weizen, aber nicht mit Dinkel – dabei sind beide Getreide eng verwandt. Ein Forschungsprojekt der Uni Hohenheim liefert neue Erkenntnisse darüber, warum.
Müdigkeit ist in der Regel ein normales, gesundes Gefühl, das uns darauf aufmerksam macht, dass wir Erholung brauchen. Doch manche Menschen fühlen sich immer müde, auch wenn sie ausreichend schlafen. Dann können ernsthafte Erkrankungen dahinterstecken.
Psychedelische Substanzen wie LSD oder Ketamin sind illegale Drogen. Doch Menschen mit schwer behandelbaren Depressionen können die Psychedelika (eng. Psychedelics) mitunter helfen. Der Psychiater Prof. Bernhard Baune vom Universitätsklinikum Münster fasst den aktuellen Stand der Forschung zusammen.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.