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Direkte Antikoagulantien bei Vorhofflimmern Marcumar überlegen

Patienten mit Vorhofflimmern benötigen eine Schlaganfallprophylaxe. Eine Studie aus den USA zeigt nun, dass Direkte Antikoagulantien besser schützen als Marcumar. Damit werden die Empfehlungen der europäischen Leitlinien bestätigt.
Direkte Antikoagulantien bei Vorhofflimmern Marcumar überlegen

Bei Vorhofflimmern werden seit 2016 Direkte Antikoagulantien empfohlen. Eine aktuelle Studie bestätigt die Überlegenheit gegenüber Marcumar

Lange Zeit waren Vitamin K-Antagonisten wie Marcumar der Goldstandard für Patienten mit Vorhofflimmern. Seit 2016 empfehlen die europäischen Leitlinien zur Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern die Direkten Antikoagulantien (DOAKs) als Mittel der ersten Wahl, sofern keine Kontraindikationen vorliegen. Erst in diesem Jahr wurden die US-amerikanischen Leitlinien den europäischen angeglichen.

Nun bestätigt eine große Studie aus den USA die beiden Leitlinienempfehlungen. In der retrospektiven Studie wurden die Daten von mehr als 11.000 über 64-jährigen Patienten analysiert, die nach ihrem ersten Schlaganfall erstmals eine gerinnungshemmende Therapie bekamen. Die Behandlung erfolgte entweder mit einem DOAK (Apixaban, Rivaroxaban oder Dabigatran) oder Warfarin (Marcumar). Die Patienten waren im Schnitt 80 Jahre alt.

Weniger unerwünschte Ereignisse unter DOAKS

Im Ergebnis erwiesen sich die Direkten Antikoagulantien wirksamer als Warfarin, das amerikanische Pendant zu Marcumar. So traten in der DOAK Gruppe deutlich weniger kardiovaskuläre Ereignisse wie zum Beispiel ein erneuter Schlaganfall auf als in der Warfarin-Gruppe (34 vs. 40 %) und das Sterberisiko war geringer. Insgesamt gab es bei DOAK-Patienten weniger stationäre Wiederaufnahmen und auch weniger Wiederaufnahmen aus kardiovaskulären Gründen, wegen Hirnblutungen oder wegen anderer Blutungskomplikationen. Lediglich das Risiko für Magen-Darm-Blutungen war unter DOAKs höher als unter Warfarin.

„In dieser Studie profitierten ältere Schlaganfallpatienten mit Vorhofflimmern nach der Klinikentlassung mehr von einer DOAK- als von einer Warfarin-Prophylaxe“, fasst Prof. Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), zusammen. Ein weiterer Vorteil von DOAKs sei, dass Patienten keiner engmaschigen Therapieüberwachung bedürften, so wie es bei Vitamin-K-Antagonisten aufgrund ihrer unvorhersehbaren Wirkung notwendig sei.

 

Blutverdünnung bei flimmernden Vorhöfen wichtig

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung im Alter. Dabei schlagen die Herzvorkammern (Vorhöfe) und die Hauptkammern nicht mehr im gleichen Takt; der Puls ist unregelmäßig, was jedoch oft vom Patienten unbemerkt bleibt. Wenn die Vorhöfe nicht mehr richtig pumpen, sondern nur „flimmern“, können sich dort Blutgerinnsel bilden, die dann vom Herzen mit dem Blutstrom in die Gehirnarterien gelangen. Es kommt zum Gefäßverschluss, also einem akuten Schlaganfall.

Direkte orale Antikoagulantien und Vitamin-K-Antagonisten wie Marcumar bzw. Warfarin verhindern die Thrombenbildung und schützen somit vor einem Schlaganfall. Umgangssprachlich nennt man diese Medikamente auch Blutverdünner, weil sie die Blutgerinnung, also die Verdickung des Bluts, über unterschiedliche Mechanismen hemmen.

Foto: © psdesign1 - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Prävention und Reha
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