. Multiple Sklerose

Dimethylfumarat könnte Myelinschicht reparieren

Dimethylfumarat, ein Medikament, das zur Verhinderung von Schüben und neuen Läsionen bei Multipler Sklerose eingesetzt wird, scheint auch bereits vorhandene Schäden im Nervensystem reparieren zu können. Das hat eine Forschergruppe aus Düsseldorf herausgefunden.
Dimethylfumarat wirksam bei MS

Die Übertragung von Nervenimpulsen ist bei Multipler Sklerose gestört

Bei Multipler Sklerose (MS) kommt es zu einer Beschädigung der Myelinschicht, welche die Verbindungen zwischen den Nervenzellen umgibt. Dadurch können Nervenimpulse nur noch verlangsamt oder gar nicht mehr weitergeleitet werden. Die Folgen reichen von Kribbeln, Schmerzen und Taubheitsgefühlen bis hin zu Lähmungen. Bisher gibt es kein Medikament, das diese Schäden rückgängig machen könnte. Doch nun haben Forscher der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) und des Universitätsklinikums Düsseldorf entdeckt, dass Dimethylfumarat (DMF) die Schäden an der Myelinschicht offenbar reparieren kann. Das Medikament ist seit einiger Zeit zur Verhinderung von Schüben und neuen Läsionen bei Multipler Sklerose zugelassen.

DML lässt verletzte Nerven schneller heilen

Dimethylfumarat war schon vor der Zulassung für die Behandlung der Multiplen Sklerose durch das Psoriasis-Medikament Fumaderm bekannt. Wie Dimethylfumarat genau wirkt, ist noch nicht genau erforscht. Es wird jedoch vermutet, dass Zellen des Immunsystems dadurch so umprogrammiert werden, dass das Nervensystem vor Schädigungen geschützt wird. Studien haben gezeigt, dass dadurch die Häufigkeit von MS-Schüben vermindert, das Auftreten von Läsionen im Zentralen Nervensystem reduziert und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt werden kann.

Nun wollten die Forscher um Fabian Szepanowski aus der Arbeitsgruppe für klinische und experimentelle Neuroimmunologie vom Unversitätsklinikum Düsseldorf wissen, ob DMF auch zur Regeneration bereits geschädigter Nerven beitragen könnte. Tatsächlich konnten die Wissenschaftler unter der Leitung von Dr. Dr. Mark Stettner zeigen, dass sich Mäuse mit einer Verletzung des peripheren Nervensystems schneller wieder bewegen konnten, wenn sie DMF bekamen. Die Isolierschicht der Fasern, das Myelin, wurde repariert. „Das Medikament erhöht das Enzym Haem Oxygenase 1 in den Nerven“, so Szepanowski. Es schütze die Zellen und wirke anti-entzündlich. Die Forscher vermuten, dass diese Wirkung auch bei Multipler Sklerose zur Regeneration der Myelinschicht beitragen kann; zudem wird angenommen, dass das Medikament neuroprotektiv wirkt.

 

Nebenwirkungen von Dimethylfumarat

Der guten Wirksamkeit von Dimethylfumarat stehen allerdings einige Nebenwirkungen gegenüber. Zu den häufigsten unerwünschten Nebenwirkungen zählen Verdauungsstörungen wie Bauchschmerzen, Durchfall und Übelkeit, die allerdings meistens nach einigen Wochen zurückgehen. Ebenfalls häufig treten unmittelbar nach der Einnahme Hautrötungen, ein sogenannter Flush, auf. Wichtig ist es, bei der Einnahme von DMF regelmäßig das Blutbild zu kontrollieren, da es zu einem starken Abfall der weißen Blutkörperchen kommen kann, was das Auftreten von Infektionen begünstigt und in seltenen Fällen sogar zur gefürchteten progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) führen kann.

Foto: © Sagittaria - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Multiple Sklerose
 

Weitere Nachrichten zum Thema Multiple Sklerose

| Multiple Sklerose entsteht nach landläufiger Meinung durch körpereigene T-Zellen. Offenbar spielen aber auch andere Abwehrzellen eine Rolle. Forscher konnten erstmals nachweisen, dass B-Zellen die angriffslustigen T-Zellen im Blut aktivieren. Das könnte den Wirkmechanismus neuer MS-Medikamente erklären.
| Da die Nebenwirkungen des vom Markt genommenen MS-Medikaments Daclizumab noch lange Zeit nach der Behandlung anhalten können, sollten Neurologen ihre Patienten genau beobachten. Das Krankheitsbezogene Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) gibt nun Tipps, welche Symptome typisch sein können.
| Fatigue, eine erhöhte Grundmüdigkeit und schnelle Erschöpfbarkeit, ist eines der am häufigsten auftretenden Symptome bei Multipler Sklerose (MS). Über 80 Prozent der Patienten sollen daran leiden. Die Ursachen sind noch weitgehend unbekannt, doch Forscher konnten nun die betroffenen Hirnareale im MRT sichtbar machen.
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.