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09.10.2021

Digitale Medien schaden dem Schlaf offenbar weniger als gedacht

Stört die exzessive Nutzung von digitalen Medien den gesunden Schlaf? Aktulle Studien können das überraschenderweise nicht bestätigen. Dennoch warnen Schlafforscher vor möglichen Folgen.
Kosten uns digitale Medien den Schlaf? Schlafforscher kommen zu überraschenden Ergebnissen

Kosten uns digitale Medien den Schlaf? Schlafforscher kommen zu überraschenden Ergebnissen

Ob Netflix-Serien, Surfen oder Chatten – die exzessive Nutzung digitaler Medien insbesondere vor dem Schlafengehen hat den Ruf, unseren Schlaf zu beeinträchtigen. Doch nun gibt die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) im Vorfeld ihrer Jahrestagung Studienergebnisse bekannt, die das nicht bestätigen.

Zitiert wird etwa eine Studie, die die Auswirkungen von starkem Serienkonsum («Binge-Watching») und insbesondere von sogenannten «Cliffhangern» auf die Schlafqualität untersucht hat. Cliffhanger bedeutet, dass immer an der spannendsten Stelle abgebrochen wird und der Zuschauer eine Folge nach der anderen schaut.

Nach Cliffhanger schneller eingeschlafen

Im Rahmen der Studie sahen 50 gesunde junge Probanden im Schlaflabor entweder drei bis vier Episoden einer spannenden Serie (mit oder ohne Cliffhanger) oder eine neutrale Dokumentation. Die Ergebnisse: Cliffhanger erhöhten erwartungsgemäß die physiologische und kognitive Erregung vor dem Schlafengehen, jedoch hatte dies kaum Auswirkungen auf den Schlaf. Lediglich eine leicht geringere Dauer und Intensität des Tiefschlafs konnte gemessen werden. Und überraschenderweise schliefen die Probanden nach dem Binge-Watching mit Cliffhanger schneller ein als jene, die eine Dokumentation angeschaut hatten.

 

Unterschiede in Slow-Wave-Aktivität gefunden

Die Schlafmediziner von der DGSM halten das Anschauen von aufreibende Serien vor dem Zubettgehen dennoch für keine gute Idee: Auch wenn keine geringere Schlafqualität nach Cliffhängern gezeigt worden sei, habe es einige andere Unterschiede gegeben. Zum Beispiel ein geringeres Verhältnis zwischen der Slow-Wave-Aktivität und der Beta-Aktivität. „Dies deutet darauf hin, dass das Gehirn in der ersten Hälfte der Nacht „wachere“ Eigenschaften zeigte als ohne Cliffhanger. Ein niedrigeres Verhältnis deutet ebenfalls auf einen weniger erholsamen Schlaf hin, so dass die Cliffhanger einen gewissen Einfluss auf die Erholungsprozesse während des Schlafs haben könnten“, geben die Experten zu Bedenken.

Soziale Medien gleichauf mit progressiver Muskelentspannung

In einer weiteren Studie der Universität Fribourg (Schweiz) wurde der Einfluss von sozialen Medien auf den Schlaf beleuchtet. Hierfür wurden 30 gesunde Probanden gebeten, drei Nächte hintereinander direkt vor dem Einschlafen entweder 30 Minuten soziale Medien zu konsumierten, 30 Minuten progressive Muskelentspannung durchzuführen oder direkt einzuschlafen. Überraschenderweise ergab sich, dass der Konsum sozialer Medien den Schlaf nicht beeinflusst, erläutert die DSGM das Ergebnis. Jedoch weisen die Experten daraufhin, dass die Nutzung sozialer Medien große Einbußen an der Gesamtschlafzeit verursachen könne. „Unser Schlafbedürfnis ist genetisch festgelegt und daran lässt sich nichts rütteln.“

Blaues Licht unterdrückt Schlafhormon Melatonin

Eine noch unveröffentlichte Studie der Universität Basel kommt zu einem weiteren überraschenden Ergebnis: In der Studie wurde untersucht, ob und wie blaues (Bildschirm-)Licht, das auf spezielle Rezeptoren in der Netzhaut wirkt, den Schlaf und besonders bestimmte Verarbeitungsprozesse des Gehirns im Schlaf, beeinflusst. Das Blaulicht auf Bildschirmen unterdrückte in dem Versuch zwar das Schlafhormon Melatonin bei den Probanden. Doch das hatte keine Auswirkungen auf den Schlaf. Dass andere Studien negative Einflüsse von abendlichem Licht auf den Schlaf fanden, kann den Schlafmedizinern an unterschiedlichen Helligkeiten des Bildschirms bei den Stichproben liegen.

Foto: © Adobe Stock/ Syda Productions

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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