. Krebsursachen

Diese Keime machen Krebs

Rund 15 Prozent aller Krebserkrankungen werden durch Viren und Bakterien ausgelöst. Ganz machtlos dagegen ist der Mensch aber nicht. Es gibt Medikamente und gegen zwei Übeltäter sogar eine vorbeugende Impfung.
Viren und Bakterien verursachen rund 15 Prozent aller Krebserkrankungen

Viren und Bakterien verursachen rund 15 Prozent aller Krebserkrankungen

Das Humane Papillomvirus (HPV) ist wohl der bekannteste Keim, der Krebs auslösen kann. Nahezu alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs gehen auf HPV zurück. Der Öffentlichkeit weniger bekannt ist, dass auch das Hepatitis B und Hepatitis C Virus, das Bakterium Helicobacter und das Epstein Barr Virus Krebs verursachen können. Wissenschaftler schätzen, dass rund 15 Prozent aller Krebserkrankungen durch Keime entstehen. Darüber hinaus ist Krebs auch oft eine Folge der Immunschwäche AIDS. Ein direkter Krebsauslöser ist HIV aber nicht.

HPV

Harald zur Hausen hatte in den 1980er Jahren den Zusammenhang zwischen Humanen Papillomviren (HPV) und Gebärmutterhalskrebs entdeckt. Nicht nur ein Nobelpreis folgten, auch eine Impfung, die vor diesem Krebs und seinen Vorstufen schütz. Seit 2006 ist die HPV-Impfung in Deutschland zugelassen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt sie seither jungen Mädchen in der Pubertät. Heute weiß, dass auch andere Tumore damit verhindert werden können. Zum Beispiel Tumore im Mund- und Rachenraum und im Genital- und Analbereich. Denn ein Großteil dieser Tumore geht auf eine HPV-Infektion zurück. Derzeit wird darüber gestritten, ob die HPV-Impfung auch für Jungen zugelassen werden soll. Befürworter erhoffen sich davon einen Herdeneffekt und nennen etwa Australien und Österreich als gute Beispiele. In diesen Ländern werden heute auch Jungen routinemäßig gegen HPV geimpft. Der „HPV-Entdecker“ Harald Zur Hausen wünscht sich das auch für Deutschland. „Es lässt sich wohl für alle Kulturkreise der Welt sagen, dass junge Männer in aller Regel mehr sexuelle Partner haben als Frauen der gleichen Altersgruppe. Männer sind damit die Hauptüberträger der Infektion“, sagt er. Außerdem stünden ja noch weitere Krebserkrankungen mit Papillomviren in Verbindung, beispielsweise im Mund-Rachen-Bereich, die bei Männern häufiger als bei Frauen seien. Auch Genitalwarzen stellten für beide Geschlechter „ein extrem unangenehmes Problem“ dar. „Deshalb sollten auch Jungen geimpft werden.“

 

Hepatitis B

Eine Infektion mit Hepatitis B (HBV) kann im chronischen Verlauf zu Leberzirrhose und schließlich zu Leberkrebs führen. Die HBV-Impfung war die erste "echte" Impfung gegen Krebs. Kinder werden in Deutschland seit 1995 grundsätzlich geimpft. Von den Erwachsenen haben nur die einen Anspruch, die ein besonders hohes Ansteckungsrisiko haben. Zum Beispiel Menschen, die ein hochrisikohaftes Sexualverhalten zeigen oder Menschen, die beruflich oder familiär mit Hepatitis-B-Infizierten zu tun haben. Was nur wenige wissen: Auch Menschen mit einer chronischen Leber- oder Nierenerkrankung haben einen Anspruch auf die Impfung. Dass die Impfung tatsächllich vor Leberkrebs schützt zeigen Daten aus Ländern, wo es wo es hohe HBV-Infektionsraten gibt und auch konsequent geimpft wird. Der beste Beleg dafür ist Taiwan, wo 1984 das weltweit erst große Impfprogramm gegen Hepatitis B eingeführt wurde. Schon 15 Jahre nach Einführung der Impfung hatte sich die Rate an Leberkrebs bei Kindern halbiert.

Hepatitis C

Hepatitis C kann ebenfalls zu Leberzirrhose und zu Leberkrebs führen. Eine Impfung gegen diesen Hepatitis-Typ gibt es nicht. Aber es gibt eine wirksame Therapie: Seit etwa  drei Jahren stehen für die Behandlung der chronischen Hepatitis C neue Medikamente zur Verfügung. Diese Medikamente greifen direkt in die Vermehrung des Hepatitis C-Virus ein und ersetzen die bislang gängige Therapie mit dem nebenwirkungsreichen Interferon. Eine Studie der Deutschen Leberstiftung zeigt nun, dass die neuen Medikamente auch bei akuter Hepatitis C äußerst wirksam sind: Von einer akuten HCV-Infektion“ spricht man, wenn die Infektion nicht länger als sechs Monate zurückliegt. Nur sechs Wochen dauert es demnach, bis die Infektion ausgeheilt ist. Bei chronischer Hepatitis C muss laut Leitliniedagegen bislang rund acht bis zwölf Wochen behandelt werden. Hepatits C kann also heute geheilt werden,

Helicobacter

Eine Infektion mit Helicobacter ist ein Nährboden für eine chronische Gastritis. Das Bakterium ist sehr widerstandsfähig und kann trotz Magensäure in den Magenschleimhaut überleben. Auf dem Boden der chronischen Gastritis entstehen bei jedem fünften Patienten Magenbeschwerden bis hin zu Geschwüren im Magen- und Zwölffingerdarm. Langfristig erhöht der Keim das Magenkrebsrisiko, und er ist auch für das MALT-Lymphom, ein seltener Lymphdrüsenkrebs, verantwortlich. Eine neue Leitlinie empfiehlt daher eine Eradikationstherapie, also die Beseitigung des Keims, für bestimmte Risikogruppen. Die Beseitigung von Helicobacter pylori lindert nicht nur die akuten Beschwerden bei einer Magenschleimhautentzündung, einem Magen- oder einem Zwöffingerdarmgeschwür. Sie hat auch das Potential, das Widerauftreten von Geschwüren und die Entstehung eines Magenkarzinoms zu verhindern. Die Eradikationstherapie ist in der Regel erfolgreich. Sie erfordert jedoch die Mitarbeit und die Geduld des Patienten, der mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen muss. Standard ist eine Tripeltherapie aus zwei Antibiotika und einem Protonenpumpeninhibitor. Aber Vorsicht vor den Magensäureblockern: Die Behandlung mit diesen Säureregulatoren führt auf Dauer zu einer Atrophie oder zu einer Intestinalen Metaplasie der Magenschleimhaut. Diese nicht mehr rückbildungsfähigen Veränderungen erhöhen wiederum das Magenkrebsrisiko. In Deutschland trägt etwa jeder zweite Helicobacter in sich.  

Epstein-Barr-Virus

Das Epstein-Barr-Virus (EBV) zählt zu den Herpesviren und befällt B-Zellen der Immunabwehr sowie Schleimhautzellen des Mund- und Rachenraums. Weltweit sind etwa 98 Prozent der Erwachsenen mit dem Epstein-Barr-Virus infiziert. Die meisten Menschen wissen nicht, ob sie sich jemals mit dem Epstein-Barr-Virus infiziert haben. Denn die Infektion, die meist in der Kindheit stattfindet, ähnelt einer Erkältung. Man fühlt sich müde und schlapp, oft kommen Fieber, Halsschmerzen und geschwollene Lymphknoten hinzu. Symptome, die bei Kindern ganz häufig sind und meist schnell wieder abklingen. Anders, wenn sich Jugendliche oder jungen Erwachsene mit dem Virus anstecken: Bei ihnen kann sich die frische Infektion als Pfeiffer‘sches Drüsenfieber äußern. Aber auch die sogenannte „Kusskrankheit“ heilt in der Regel rasch aus. Bei einigen Patienten kommt es allerdings mitunter zu lebensbedrohliche Komplikationen. Dazu gehören Atemnot, Milzriss oder Blutzellmangel. Außerdem steht das Pfeiffer‘sches Drüsenfieber im Verdacht, das chronische Fatigue-Syndrom sowie Multiple Sklerose zu triggern. Das Virus wir zudem mit Lymphdrüsenkrebs, Magenkrebs und Tumoren im Nasen-Rachen-Raum in Verbindung gebracht. Forscher befürchten, dass noch weitere Tumoren auf das Konto von Epstein-Barr-Viren gehen könnten. Bisher gibt es weder eine Therapie noch eine Impfung gegen das Epstein-Barr-Virus. An beidem wird seit Jahren geforscht. 

Foto: © Jezper - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Prävention und Reha
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