Diese Ernährung stärkt das Immunsystem

Starkes Übergewicht und Mangelernährung sind zwei Risikofaktoren für eine schwere Infektion mit dem Coronavirus. Ein Ernährungsmediziner erklärt, mit welcher Ernährung man das Immunsystem stärken kann.
Eine pflanzliche Ernährung wirkt eher entzündungshemmend, tierische Produkte haben dagegen eine leicht entzündungsfördernde Wirkung

Eine pflanzliche Ernährung wirkt eher entzündungshemmend, tierische Produkte haben dagegen eine leicht entzündungsfördernde Wirkung

Es sind nicht nur alte und vorerkrankte Menschen, die schwer an COVID-19 erkranken. Mittlerweile kristallisiert sich heraus, dass starkes Übergewicht (Adipositas) ein weiterer Risikofaktor für einen schweren Krankheitsverlauf  ist. Eine aktuelle Studie aus New York zeigt beispielsweise, dass ein als BMI von 30 kg/m2 und darüber das Risiko verdoppelt in eine Klinik oder auf eine Intensivstation aufgenommen zu werden – und das bei Menschen unter 60 Jahren. Bei einem BMI ab 35 kg/m2 war das Risiko sogar um das 3,6-fach erhöht, auf eine Intensivstation zu kommen. Ähnliches zeigte auch eine Analyse der Uniklinik der RWTH Aachen: COVID-19-Patienten mit akutem Lungenversagen (ARDS) wiesen häufig eine Adipositas auf. Fast täglich erscheint eine neue Studie, die ähnliche Befunde zeigt.

Ein starkes Immunsystem ist ein gewisser Infektionsschutz

Viele Menschen fragen sich nun, ob man eine COVID-19-Infektion durch eine bessere Ernährung oder Vitaminzusätze verhindern oder abschwächen kann. Diese Frage kann die Wissenschaft im Moment nicht wirklich beantworten, weil Studien fehlen. Doch generell kann man davon ausgehen, dass ein starkes Immunsystem besser gegen Infektionen aller Art gewappnet ist.

Hans Hauner, Professor für Ernährungsmedizin am Else Kröner-Fresenius-Zentrum (EKFZ) für Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München (TUM), erklärt in seinem Buch „Wie ernähre ich mich am besten in Zeiten der Corona-Pandemie? COVID-19 und Ernährungsmedizin“, wovon das Immunsystem profitiert. Im Interview erläutert er vier häufig gestellte Fragen.

 

Welchen Einfluss hat die Ernährung auf das Immunsystem?

Stark vereinfacht lässt sich sagen, dass eine Mangelernährung, die durch niedrigkalorische Kost entsteht, die Aktivität des Immunsystems schwächt. Dabei sinkt auch die Fähigkeit des Körpers, Entzündungen zu bekämpfen.

Eine kalorienreiche Ernährung mit hohem Anteil tierischer Lebensmittel, wie sie für die deutsche Bevölkerung typisch ist, hat eine leicht entzündungsfördernde Wirkung. Eine pflanzlich betonte Kost wirkt eher entzündungshemmend.

Welche Ernährungsempfehlungen können Sie zum Schutz vor COVID-19 geben?

Grundsätzlich empfehle ich eine bedarfsgerechte, ausgewogene Ernährung. Gleichwertige Alternativen sind eine vegetarische Ernährung und die Mittelmeerkost. Diese Ernährungsformen können zwar nicht vor Infektionen schützen, machen aber das Immunsystem fit und bringen den Körper in eine gute Verteidigungsposition.

Menschen mit Unter- oder Mangelernährung zählen zu den Risikopersonen mit erhöhtem Infektionsrisiko und schlechterer Prognose. Eine Mangelernährung findet sich häufig bei schweren Erkrankungen, aber auch bei älteren Menschen.

Was empfehlen Sie Personen mit nachgewiesener Infektion im Hinblick auf Ernährung?

Der Körper muss weiterhin ausreichend mit Energie und allen wichtigen Nährstoffen, einschließlich der Mikronährstoffe, versorgt werden. Bei Krankheiten mit Fieber steigt der Energiebedarf um rund 13 Prozent pro Grad Temperaturerhöhung.

Ist die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln (Supplementierung) sinnvoll?

Es gibt plausible Argumente für Selen oder Vitamin D, die allerdings überwiegend aus Zellkultur- oder tierexperimentellen Studien stammen. Die Daten für den Menschen sind noch sehr dünn. Es gibt allerdings Hinweise, dass Vitamin D das Risiko für Lungenentzündungen reduzieren könnte. Daneben werden besonders sekundäre Pflanzenstoffe wie Polyphenole und Karotinoide empfohlen, die die Abwehrkräfte stärken sollen und auf ähnlichen experimentellen Methoden basieren.

Es fehlen aber gute kontrollierte Interventionsstudien am Menschen, sodass der Nutzen für Menschen mit einer Virusinfektion fraglich ist. Ich würde daher von einer Supplementierung eher abraten, wenn es keinen wirklichen medizinischen Grund gibt.

Die aktuellen Empfehlungen für die Zufuhr von Mikronährstoffen beim gesunden Menschen haben Sicherheitsmargen, sodass selbst bei einem erhöhten Bedarf keineswegs zwangsläufig ein Mangel droht. Eine ausgewogene Ernährung stellt dem Körper die benötigten Mikronährstoffe in ausreichender Menge zur Verfügung.

Foto: © Adobe Stock/ NDABCREATIVITY

Autor: ham
Hauptkategorien: Corona , Umwelt und Ernährung
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Immunsystem , Coronavirus
 

Weitere Nachrichten zum Thema Immunsystem und Corona

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Die Behandlung von COVID-19 stellt die Medizin vor riesige Herausforderungen. Der Lungenarzt und Infektiologe Prof. Dr. Norbert Suttorp von der Charité erklärt, was COVID-19 von anderen Lungenentzündungen unterscheidet und welche Therapieansätze Hoffnung machen. Eine Zusammenfassung unseres Podcasts.
 
. Weitere Nachrichten
 
 
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.