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Die wichtigsten Reiseimpfungen: Gelbfieber, Tollwut, Typhus

Wer in andere Länder und Regionen reist, kommt mit anderen Krankheitserregern in Kontakt. Impfungen sind der wirksamste Schutz. Abhängig vom Reiseland werden bestimmte Impfungen empfohlen oder vorgeschrieben. Zu den wichtigsten zählen die gegen Gelbfieber, Typhus, Tollwut.
Reiseimpfung

Vor Reisen können Schutzimpfungen sinnvoll sein

Weitere Impfungen könnten je nach Reiseziel sinnvoll sein gegen Cholera, FSME, Hepatitis A, Hepatitis B, Japanische Enzephalitis, Meningokokken-Enzephalitis und Polio. Beim CRM Centrum für Reisemedizin können Reisende über eine alphabetische Länder-Abfrage nachsehen, welche Impfung für ihren Urlaubsort empfohlen wird. Hier können Versicherte auch erfahren, welche Impfung ihre gesetzliche Krankenkasse erstattet. Die wichtigsten Auslandsreiseimpfungen werden meist übernommen. Ein Teil der Kassen zahlt sogar die Malaria-Prophylaxe.

Über die nötigen Impfungen kann man sich auch über die kostenlose „Gute Reise“-App des Pharmaherstellers Ratiopharm informieren. Sie gibt nach Reiseländern sortiert Impf- und Prophylaxe-Empfehlungen, Informationen zur Gesundheitsvorsorge und zu hygienischen Bedingungen, Notrufnummern und Telefonnummer der deutschen Botschaft sowie eine Merkzettelfunktion für die Reiseapotheke.

Einen guten Überblick über die gefährlichsten Infektionskrankheiten, die man sich im Urlaub oder auf einer Geschäftsreise zuziehen kann, liefert das CRM.

Cholera führt zu lebensbedrohlichem Flüssigkeitsverlust

Die Cholera ist  eine schwere Darmerkrankung. Die Übertragung der Erreger (Cholera-Vibrionen) erfolgt über fäkal-verunreinigte Nahrungsmittel oder infiziertes Trinkwasser. Plötzlich einsetzende, schmerzlose, wässrige Durchfälle, eventuell mit Erbrechen, meist ohne Fieber, führen innerhalb von Stunden zu lebensbedrohlichen Flüssigkeitsverlusten.

Bei der Cholera-Impfung ist eine Schluckimpfung. Erwachsene und Kinder ab 6 Jahre benötigen zweimal eine Dosis im Abstand von 1 bis 6 Wochen. Kinder zwischen 2 und 6 Jahren benötigen drei Impfungen. Trotz Impfung sollten Nahrungs- und Trinkwasserhygiene beachtet werden.

FSME wird durch Zeckenbiss übertragen

FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis, eine von Zecken übertragene Virusinfektion. 1 bis 2 Wochen nach einem Zeckenstich kann es zu einem grippalen Krankheitsbild kommen. In einigen Fällen folgt nach einem kurzem, beschwerdefreien Intervall eine Hirnhaut- oder Gehirn-Entzündung (Meningitis, Enzephalitis), die mit starken Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Verwirrtheit und möglicherweise Koma einhergeht. Die Hauptverbreitungsgebiete liegen in Baden-Württemberg, Bayern sowie Teilen von Österreich, der Schweiz, Skandinavien und Osteuropa. In Deutschland sind auch einzelne Landkreise in Hessen und Thüringen betroffen. In Einzelfällen gab es auch Virusübertragungen durch infizierte Milch von Schafen und Ziegen.

Um einen vollständigen FSME-Impfschutz zu erreichen, sind in Abständen von mehreren Monaten drei Teilimpfungen notwendig. Danach muss alle 3 bis 5 Jahre eine Auffrischungsimpfung erfolgen. Da Zecken auch andere Krankheiten wie Borreliose übertragen können, empfiehlt es sich, beim Aufenthalt in der Natur geschlossene Kleidung zu tragen und Insektenschutzmittel auf die Haut aufzutragen.

Gelbfieber-Impfung wird in einigen Ländern bei der Einreise verlangt

Gelbfieber ist eine durch Stechmücken übertragene, tropische Erkrankung, die durch ein Flavi-Virus ausgelöst wird und in der Natur und in Städten auftreten kann. Die Infektion beginnt plötzlich mit hohem Fieber und allgemeinen Krankheits-Erscheinungen. Oft heilt die Krankheit danach aus. Es kann jedoch nach einer Woche zu einer dramatischen Verschlechterung mit Gelbsucht und Blutungen kommen, gefolgt von Herz-, Kreislauf-, Leber- und Nieren-Versagen. Diese Komplikationen führen oft zum Tode.

Der Nachweis einer Gelbfieber-Impfung wird von einigen Ländern Afrikas und Südamerikas bei der Einreise verlangt. Es ist eine einzige Impfung nötig, die etwa ab dem zehnten Tag nach der Verabreichung einen sicheren Schutz bietet. Bislang hieß es, nach zehn Jahren sei eine Auffrischungsimpfung erforderlich. Nach einer neuen WHO-Vorschrift ist das nicht mehr nötig. In Gelbfiebergebieten empfiehlt sich ein sorgfältiger Mückenschutz, geschlossene Kleidung, Schlafstätten, die durch Moskitonetze geschützt sind, und Insektenschutzmittel zum Auftragen.

Hepatitis A wird durch verunreinigte Lebensmittel übertragen

Hepatitis A ist eine Leberentzündung. Die Viren, die diese Gelbsucht verursachen, werden weltweit durch verunreinigte Nahrungsmittel übertragen. Besonders häufig geschieht dies über Muscheln, Austern und Krebstiere. Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit dauert es 2 bis 6 Wochen. Die Hepatitis A-Erkrankung beginnt mit einem allgemeinen Krankheitsgefühl, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Nach einigen Tagen wird in den meisten Fällen der Urin dunkel und der Stuhl hell, schließlich entwickelt sich eine Gelbfärbung der Haut. Selten kommt es zu einem schweren Verlauf mit akutem Leberversagen, das zum Tode führt.

Um einen vollständigen Impfschutz für 10 Jahre aufzubauen, sind zwei Impfungen im Abstand von 6 bis 12 Monaten notwendig. Es gibt Kombinationsimpfstoffe sowohl mit Typhus als auch mit Hepatitis B.

Hepatitis B ist besonders in tropischen Ländern verbreitet

Diese Form der Gelbsucht ist besonders in tropischen Ländern verbreitet. Hepatitis B wird beim Kontakt mit infizierter Körperflüssigkeit übertragen. Besonders häufig geschieht dies durch Sexualkontakte, unsterile Spritzen oder Nadeln. Von der Übertragung bis zum Ausbruch können 6 Wochen bis 6 Monate vergehen. Oft beginnt die Krankheit mit einem allgemeinen Krankheitsgefühl, Fieber, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Nach einigen Tagen wird der Urin dunkel, der Stuhl hell, es kommt zur Gelbfärbung der Haut. In circa 10 Prozent der Fälle geht die Krankheit in einen chronischen Verlauf über, es kann sich eine Leberzirrhose und in vielen Fällen ein Leberkrebs entwickeln.

Um einen vollständigen Impfschutz zu erhalten sind 3 Impfungen im Abstand von mehreren Wochen notwendig. Eine weitere ist zur Auffrischung jeweils alle 10 Jahre erforderlich.

Japanische Enzephalitis: Impfung bislang nur für Erwachsene

Diese Virusinfektion kommt gebietsweise in Südostasien und Fernost vor und wird von Stechmücken übertragen. Die Japanische Enzephalitis kann zu einer schweren Hirn- und Hirnhautentzündung führen. Symptome sind hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Lähmungserscheinungen, Verwirrtheit und Bewusstlosigkeit. Fast ein Drittel aller Erkrankten stirbt oder bleibt dauerhaft geschädigt (Hirnschäden, Epilepsie, Demenz).

Für einen zuverlässigen Schutz sind zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen notwendig. Die letzte Impfung sollte möglichst mindestens 10 Tage vor der Abreise erfolgen. Aktuell wird davon ausgegangen, dass eine erstmalige Auffrischimpfung nach 12 Monaten sinnvoll ist. Der Impfstoff ist derzeit nur für Erwachsene zugelassen.

Meningokokken-Meningitis verbreitet sich über Tröpfcheninfektion

Die Bakterien verbreiten sich über Tröpfchen in der Atemluft. 3 bis 4 Tage nach der Infektion kann es zu einer gefährlichen Hirnhautentzündung (Meningitis) kommen. Diese beginnt plötzlich mit hohem Fieber, starken Kopfschmerzen und Nackensteife. Der Verlauf kann lebensbedrohlich sein. Bewusstseinstrübung, punktförmige Hautblutungen und Schock sind alarmierende Zeichen einer Allgemeininfektion und immer lebensbedrohlich. Besonders betroffen sind der Sahel, Nahost und Nordwestindien. In Europa, Nord- und Südamerika kommt es vereinzelt zu Krankheits-Ausbrüchen.

Die Impfung schützt vor vielen Erregervarianten. Es gibt zuverlässige Impfstoffe gegen die Bakterienstämme A und C, die hauptsächlich für die Erkrankungsfälle in Afrika verantwortlich sind, sowie gegen die Stämme W 135 und Y, die verstärkt in Saudi-Arabien auftreten. Gegen die in Deutschland häufige Variante B befindet sich ein Impfstoff in der Erprobung. Es besteht eine Impfpflicht für Reisende zum Hadsch nach Saudi-Arabien. Von Auslandstudenten wird von einigen Ländern eine Impfung verlangt.

Die wichtigsten Reiseimpfungen: Polio (Kinderlähmung)

Polio oder Poliomyelitis (Kinderlähmung) ist in Asien (indischer Subkontinent) und Afrika (vor allem Ägypten und Nigeria) noch verbreitet. Die Ansteckung erfolgt über verunreinigte Nahrungsmittel, aber auch von Mensch zu Mensch. Nach 7 bis 14 Tagen kommt es zu Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Verdauungsstörungen, da sich das Virus zunächst im Darm vermehrt. Gelangt es in das Zentralnervensystem, kommt es zur so genannten paralytischen Poliomyelitis, die durch schlaffe asymmetrische Lähmungen charakterisiert ist. Ist das Zwerchfell betroffen, kommt es zum Atemstillstand. Dieses Risiko steigt mit dem Alter, es ist geringer bei Kindern, höher bei Erwachsenen.

In Deutschland werden in der Regel Babys ab dem 3. Lebensmonat gegen Polio geimpft. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist eine Kombination mit der Impfung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Hib (Haemophilus influenzae) und Hepatitis B möglich. Eine Impfung bietet somit den Schutz gegen sechs verschiedene Infektionserkrankungen. Bei Reisen in Gebiete mit erhöhtem Polio-Risiko ist nach 10 Jahren eine Auffrischungsimpfung empfohlen.

Tollwut: Viren im Speichel von Hunden, Katzen oder Fledermäusen

Tollwut ist eine Viruserkrankung, die fast immer durch den Biss eines infizierten Tieres auf den Menschen übertragen wird. Am häufigsten geschieht dies durch den Biss eines Hundes, aber auch durch Affen, Katzen oder Fledermäuse. Die meisten Todesfälle gibt es in Indien. Infektiös ist der Speichel eines tollwütigen Tieres. Auch durch Kontakt mit infiziertem Speichel auf verletzte Hautstellen oder unverletzte Schleimhäute (Augen) wird die Krankheit gelegentlich übertragen.

Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit dauert es in der Regel 1 bis 3 Monate, die Inkubationszeit variiert stark. Der Ausbruch beginnt beim Menschen mit Schmerzen und Kribbeln im Bereich der meist bereits verheilten Bissstelle und führt über Krämpfe, Erregungszustände und Lähmungen innerhalb von 2 Wochen zum Tod. Für einen vollständigen Impfschutz sind mindestens drei Impfungen innerhalb von 3 bis 4 Wochen notwendig.

Typhus: Impfung bietet keinen vollständigen Schutz 

Typhus ist eine schwere fieberhafte Erkrankung, die durch Salmonellen ausgelöst wird. Die Erreger gelangen mit verunreinigter Nahrung oder Trinkwasser in den Körper. Nach einer Inkubationszeit von 1 bis 3 Wochen entwickelt sich hohes Fieber mit schwerem Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen und Verstopfung. Im zweiten Stadium treten Hautveränderungen (Roseolen) auf, Leber und Milz vergrößern sich stark, es kann zu erbsenbreiartigen Durchfällen kommen. Komplikationen wie Darmdurchbruch und Bauchfellentzündung können tödlich verlaufen. Weitere Komplikationen sind Hirnhaut-, Lungen-, Herz- und Knochen-Entzündungen.

Die Impfung bietet eine Schutzrate von 50 bis 70 Prozent. Es gibt Kombinations-Impfungen gegen Typhus und Hepatitis A.

Foto: racamani

Autor: bab
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