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31.05.2017

Die meisten Behandlungsfehler passieren im Krankenhaus

Die Zahl der Behandlungsfehler ist 2016 leicht zurückgegangen. Nach neuesten Daten des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes der Krankenkassen (MDS) passieren zwei Drittel der Fehler im Krankenhaus.
Mehr als die Hälfte aller Behandlungsfehlervorwürfe stehen in direktem Zusammenhang mit Operationen

Mehr als die Hälfte aller Behandlungsfehlervorwürfe stehen in direktem Zusammenhang mit Operationen

Am Dienstag hat der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes der Krankenkassen (MDS) Zahlen zu Behandlungsfehlern vorgelegt. Danach sind die bestätigten Fälle von 4.046 im Jahr 2015 auf 3.564 im Jahr 2016 gesunken. Insgesamt ging der MDS 15.094 Behandlungsfehlervorwürfen nach. Rund ein Viertel davon konnte durch die fachärztlichen Gutachten bestätigt werden. Auffällig: Rund zwei Drittel der bestätigen Fälle ereigneten sich im Krankenhaus.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hält die Zahl von 2.585 Behandlungsfehlern in deutschen Krankenhäusern für verschwindend gering. Zwar sei jeder Fehler, einer zuviel, aber angesichts von 19 Millionen stationären Behandlungen handle es sich um eine Zahl im Promillebereich, erklärte dazu DKG-Geschäftsführer Georg Baum am Dienstag. „Die Krankenhäuser stellen sich aktiv der Diskussion um Qualität der Versorgung und auch über Fehler. Es wäre aber auch angezeigt, dass die Kostenträger die Fehlerproblematik ins richtige Verhältnis setzen und damit nicht Verunsicherung betreiben, zumal die Quote rückläufig ist“, meinte Baum.

MDS geht von hoher Dunkelziffer aus

Die Krankenkassen sehen das etwas anders. Nach Auffassung von Dr. Stefan Gronemeyer vom MDS ist der leichte Rückgang keinesfalls eine Entwarnung. „Leider bedeutet das nicht, dass sich das Risiko, einen Behandlungsfehler zu erleiden, generell verringert hätte“, sagte er. Denn Daten zu Behandlungsfehler lägen in Deutschland nur punktuell vor. Darum lasse sich auch das Gefährdungsrisiko nicht beziffern.

Der MDS geht also von einer hohen Dunkelziffer aus. Nur ein Bruchteil der Patienten würde überhaupt einen Verdacht auf einen Behandlungsfehler melden. Das hat mehrere Gründe: Zum einen haben viele Kranke gar nicht den Mut und die Kraft gegen ihren Arzt vorzugehen, zumal der Nachweis eines Behandlungsfehlers äußerst schwierig ist. Zum anderen werden Fehler von den Patienten oft gar nicht erkannt. Tatsächlich sind Komplikationen oftmals der Krankheit selbst geschuldet und keine Folge der Behandlung.

 

Patienten erkennen Behandlungsfehler oft nicht

Das bestätigt auch Dr. Astrid Zobel, Leitende Ärztin des MDK Bayern. Eine hohe Zahl an Vorwürfen lasse nicht auf eine hohe Zahl an tatsächlichen Behandlungsfehlern schließen. „Häufungen spiegeln vielmehr wider, dass Patienten in manchen Bereichen eher selbst erkennen können, wenn eine Behandlung fehlerhaft verlaufen sein könnte und in anderen nicht", erklärte Zobel. „Schaut man sich die Fehler danach an, wo sie auftreten, steht die operative Therapie mit 31 Prozent an vorderster Stelle, gefolgt von der Befunderhebung mit 25 Prozent.“

Nach den neuen MDS-Daten liegen die meisten Behandlungsfehler darin, dass eine erforderliche medizinische Maßnahme nicht oder zu spät durchgeführt (51 %). Der klassische Ärztepfusch, nämlich, dass eine Behandlung nicht korrekt durchgeführt wurde, fand sich bei 39 Prozent der bestätigten Fälle. Und in zehn Prozent der Fälle wurde eine falsche Therapie durchgeführt.

MDS-Geschäftsführer Gronemeyer fordert, mehr zu tun für die Sicherheitskultur. Die Einführung einer Meldepflicht wie zum Beispiel in Großbritannien sei deshalb ein wichtiger Schritt. Auch müsse mehr in Deutschland mehr zur Patientensicherheit geforscht werden. "Jeder Fehler, aus dem heute nichts gelernt wird, kann sich jedoch morgen wiederholen und erneut vielleicht einen schweren Schaden verursachen", so Gronemeyer.

Foto: © wavebreakpremium - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Berlin
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