Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
30.04.2012

Die Haut langsam an die Sonne gewöhnen

Etwa zehn bis zwanzig Prozent der deutschen Bevölkerung leiden an einer Polymorphen Lichtdermatose (PLD), der Volksmund nennt sie Sonnenallergie. Sonnencremes können die allergische Reaktion vielfach noch verschlimmern.
Die Haut langsam an die Sonne gewöhnen

Oliver Haja/pixelio

Juckreiz, Hautrötungen, Quaddeln und zum Teil starke Schmerzen. Solche Erscheinungen sind typische Anzeichen einer Sonnenallergie und nicht zu verwechseln mit einem Sonnenbrand. Experten vermuten, dass diese Überempfindlichkeit auf Sonnenlicht genetisch bedingt ist und einer Autoimmunerkrankung ähnelt, bei der das Abwehrsystem gegen körpereigene Zellen oder Substanzen vorgeht. Vor allem die UV-A-Strahlen versetzen das Immunsystem der Betroffenen in Aufruhr. Hellhäutige Personen leiden vermehrt unter Sonnenallergien, Frauen sogar dreimal häufiger als Männer.

Gründe für eine Sonnenallergie

Meist versteckt sich hinter der Sonnenallergie eine Überempfindlichkeitsreaktion, die auf ein Ereignis folgt, das als Photosensibilisierung bezeichnet wird. Das kann die Einnahme eines bestimmten Arzneimittels sein, aber auch extern aufgebrachte Substanzen wie Sonnencremes oder Sonnenöle können in vielen Fällen eine allergische Hautreaktion hervorrufen, wenn die Körperregion der Sonne ausgesetzt wird. "Innere Krankheiten können die Haut ebenso überempfindlich gegen die Sonne machen wie bestimmte Arzneimittel", erklärt Dr. Johannes Müller-Steinmann, ärztlicher Direktor des Hautarztzentrums Kiel.

Ein Sonnenausschlag kann jederzeit auftreten, auch wenn die Betroffenen die Sonne vorher gut vertragen haben. Als Symptome bemerkten die Betroffenen bereits wenige Stunden oder Tage nach der Sonnenexposition eine sich rötende und juckende Region, beispielsweise im Gesicht, auf den Schultern und dem Rücken sowie am Hals und der Brustregion, wo sich besonders empfindliche Hautstrukturen befinden.

 

Langsam an die Sonne gewöhnen

Menschen, die an einer Sonnenallergie leiden, sollten ihre Haut langsam an die Sonne gewöhnen und sich anfangs nur im Schatten aufhalten. Zudem ist wichtig, Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor zu verwenden, das sowohl vor UVB- als auch UVA-Strahlen schützt. Ideal sind spezielle Gele, die weder Konservierungsstoffe noch Duft- und Farbstoffe oder Emulgatoren enthalten. Die ätherischen Öle von Parfüm hingegen begünstigen die Allergie. Inzwischen gibt es eine Reihe allergikerfreundlicher Sonnenschutzmittel. Haben sich die juckenden Pusteln bereits ausgebreitet, beruhigen kühlende Umschläge, entzündungshemmende Cremes und feuchte Tücher mit schwarzem Tee die Haut, rät Müller-Steinmann. Zudem kann, wie auch bei Heuschnupfen, eine Therapie mit Antihistaminika helfen. Bleibt man der Sonne dann fern, verschwinden die Quaddeln in der Regel nach vier bis sieben Tagen.

Licht-Hardening zur Therapie der Sonnenallergie

Viele Patienten bemerken, dass nach anfänglichen Anzeichen einer Sonnenallergie die Schübe im Lauf der Sommermonate schwächer werden oder gänzlich aufhören. Dieser Gewöhnungseffekt im Sinne einer allmählich zunehmenden Toleranz gegenüber UV-Licht wird als ,,Hardening-Phänomen" bezeichnet. Auch die Medizin macht sich den Gewöhnungseffekt zunutze und bietet zur Therapie der Sonnenallergie das Licht-Hardening an. "Wer sich vorbereiten möchte, kann beim Hautarzt auch ein Hardening, also ein Abhärten, in einer UV-Lichtkabine vornehmen", erklärt Müller-Steinmann. "Dabei erhöhen wir die UV-Strahlung jedesmal ein wenig und gewöhnen die Haut so an die Sonne."

Um eine Sonnenallergie sicher festzustellen, werden so genannte Photoprovokationstests durchgeführt. Dabei werden Hautareale wiederholt mit UVA-Licht bzw. UVB-Licht bestrahlt, um für die Sonnenallergie spezifische Hauterscheinungen hervorzurufen. Durch diesen Provokationstest kann die Diagnose Sonnenallergie bestätigt und das die Sonnenallergie auslösende UV-Spektrum bestimmt werden. Phototestungen an grösseren Patientenkollektiven haben ergeben, dass eine Sonnenallergie bei rund 50 bis 75 Prozent der Patienten durch UVA Licht, bei 10 bis 15 Prozent durch UVB Licht und bei 15 bis 35 Prozent durch UVA und UVB ausgelöst wird.

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Dermatologie , Haut , Hautkrebs , Allergie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Sonnenschutz

19.06.2019

Die Urlaubssaison steht bevor und viele Menschen wollen die Zeit am Strand verbringen. Um die Gefahr eines Sonnenbrandes zu verringern und auch um bereits vorgebräunt am Urlaubsort anzukommen, gehen einige Menschen vorher ins Solarium. Doch kann dadurch die Haut wirklich geschützt werden?

19.04.2019

Die Sonne gewinnt erfreulich spürbar an Kraft, aber die Haut ist noch blass vom Winter: Der Schutz vor UV-Strahlung ist deshalb keinesfalls nur eine Angelegenheit der Sommermonate – er beginnt im April. Auch wenn es sich nicht so anfühlt: Schon jetzt ist die Sonne ähnlich intensiv wie im August.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Noch nie haben sich in Deutschland so viele Menschen nach Zeckenbissen im Grünen mit Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) angesteckt wie 2020 – und Experten befürchten eine weiter steigende Tendenz. Neu ist: Die nur durch Zecken übertragene und im schlimmsten Fall tödliche Form der Hirnhautentzündung wandert Richtung Norden – und tritt in der Natur verstärkt in größeren Höhen auf.
 
Kliniken
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin