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Dicke Kinder sind öfter „versteckt“ krank

Donnerstag, 13. Februar 2014 – Autor:
Übergewicht bei Kindern schlägt sich auch auf deren Gesundheit nieder. Laut einer neuen Studie der Universität Jena weisen bereits drei Viertel der übergewichtigen Kinder im Alter zwischen fünf und acht Jahren Stoffwechselstörungen auf.
Dicke Kinder: Bei vielen ist der Stoffwechsel bereits krankhaft verändert

Dicke Kinder: Bei vielen ist der Stoffwechsel bereits krankhaft verändert

Übergewicht verursacht schwerwiegende Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und andere Stoffwechselstörungen. Doch anders als bisher angenommen, treten diese Folgeerscheinungen nicht erst im Erwachsenenalter auf, sondern bereits bei übergewichtigen Kindern. Das jedenfalls belegt eine neue Studie, die Ernährungswissenschaftler der Universität Jena und der Universität Hohenheim mit 150 vermeintlich gesunden Kindern im Grundschulalter durchgeführt haben. Davon hatten 100 Kinder Übergewicht, 51 Normalgewicht. Die Wissenschaftler untersuchten neben der Größe und dem Gewicht auch den Blutdruck der Kinder sowie verschiedene Laborparameter wie etwa Blutzuckerwerte und den Cholesterol- und Triglycerid-Spiegel. Das Ergebnis: 73 Prozent der übergewichtigen Kinder wiesen mindestens in einem Stoffwechselparameter Auffälligkeiten auf, mitunter waren sogar bis zu fünf Werte bereits krankhaft verändert. Besonders Mädchen waren betroffen. Aber auch bei jedem 7. Normalgewichtigen Kind, fanden die Wissenschaftler unentdeckte Auffälligkeiten im Stoffwechsel.

Versteckte Störungen werden nicht behandelt

„Das sind alarmierende Werte“, kommentiert Studienleiterin Prof. Dr. Ina Bergheim von der Universität Jena das Ergebnis. „Vor allem, da die Kinder – abgesehen von zu hohem Gewicht – als gesund gelten. Das bedeutet, dass diese versteckten Störungen auch nicht behandelt werden.“

Die üblichen Vorsorgeuntersuchungen für Säuglinge und Kleinkinder beim Kinderarzt reichen offenbar nicht aus, um versteckte Stoffwechselprobleme zu entdecken. Die Untersuchungen konzentrieren sich hauptsächlich um die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder. „Nach Hinweisen auf Stoffwechselerkrankungen wird in der Regel nicht gesucht“, kritisiert Ernährungswissenschaftlerin Bergheim. Echte Vorsorge, vor allem bei Kindern im Grundschulalter käme in Deutschland zu kurz, wie die Ergebnisse zeigten, meint Bergheim.  „Mit dem Schuleintritt verändert sich für die meisten Kinder das Lebensumfeld sehr stark. Plötzlich sitzen sie sehr lange; sie bewegen sich weniger und das birgt Gefahren für die Gesundheit.“

 

Die Ursachen für Übergewicht bei Kindern sind vielschichtig

Nach Auskunft von Prof. Dr. Manfred Müller vom Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde in Kiel sind es aber nicht nur Bewegungsmangel und falsche Ernährung, die Kinder dickmachen. Die Ursachen für Übergewicht seien vielschichtig. So habe eine Untersuchung des Forschungsverbunds PreVENT mit mehr als 34.000 Kindern gezeigt, dass zum Beispiel der Zigarettenkonsum der Eltern ein wichtiger Risikofaktor für Übergewicht bei Kindern sei. Ebenso sei das Gewicht der Eltern für das Adipositas-Risiko der Kinder von Bedeutung: Laut Müller haben Kinder und Jugendliche mit zu dicken Eltern ein um bis zu 80 Prozent erhöhtes Risiko, selbst einmal Übergewicht zu bekommen. „Sind die Eltern adipös, ist das Risiko der Kinder auch übergewichtig zu werden sogar um 300 Prozent erhöht im Vergleich zu Kindern mit normalgewichtigen Eltern.“ Und auch das Bildungsniveau der Eltern spiele eine große Rolle, ferner hätten Kinder von Alleinerziehenden und Kinder mit Migrationshintergrund ein besonders hohes Risiko für Übergewicht.

Foto: © seiler - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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